Eine Studie zeigt, dass viele Mütter gerne mehr arbeiten würden. Daraus ergibt sich eine große Chance für familienfreundliche Handwerksbetriebe. Wie können sie bei weiblichen Arbeitskräften punkten und was muss unbedingt in der Stellenanzeige stehen? Personalexpertin Madeline Kern gibt Tipps.

Diese Personengruppe bietet riesiges Potenzial für die Arbeitswelt: Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Jahr 2021 offenbart, dass vor allem Mütter oftmals unfreiwillig ohne Erwerbsarbeit sind. Ein Viertel der Mütter bleibt daheim, obwohl sich das nur etwa zwölf Prozent von ihnen wünscht. Häufig arbeiten Frauen auch in Teilzeit. Rund 21 Prozent arbeiten weniger als 20 Stunden in ihrem Beruf.
Vorteile für Familienfreundlichkeit in der Stellenanzeige eindeutig benennen
"Unternehmen können dieser Situation entgegenwirken, indem sie ihre Arbeitskultur verändern und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Damit wären Arbeitgeber in der Lage, neue Arbeitskräfte zu gewinnen", sagt Madeline Kern von Kern Personalmarketing, die Unternehmen zum Thema Stellenanzeigen schult und berät.
Wer daheim als Mutter (oder Vater) die Kinder betreut, ist zum Beispiel auf flexible Arbeitszeiten angewiesen. Auch die Möglichkeit, im Home-Office (zum Beispiel für Büro-Tätigkeiten) zu arbeiten und damit den Nachwuchs im Blick zu haben, kann für Mütter attraktiv sein. Für Arbeitgeber ist es also wichtig, dahingehend flexibel zu sein, sich familienfreundlichen Arbeitsmodellen zu öffnen und diese in ihrem Unternehmen zu integrieren. Diese Vorteile gilt es dann konkret in der Stellenanzeige zu benennen. Hier einige Beispiele für flexible Arbeitszeitkonzepte, die Mütter ansprechen:
- Flexible Vollzeit
- (variable) Teilzeit
- Lebenszeitkonto (Arbeitszeit oder Arbeitslohn kann angespart werden)
- Jahresarbeitszeit (Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren eine jährliche Arbeitszeit in Stunden)
- Jobsharing (Arbeitsplatz wir mit mehreren Arbeitnehmern geteilt)
- Vertrauensarbeitszeit
- Minijob
- Home-Office
- Telearbeit
- Mobiles Arbeiten
- Hybrides Arbeiten
- Workation (Arbeiten aus dem Ausland)
Es gibt aber noch weitere Modelle, mit denen Arbeitgeber bei Müttern punkten und die in der Stellenanzeige aufgegriffen werden können:
- Zuschuss für Kinderbetreuung
- Eltern-Kind-Büro
- Still/-Ruheraum
- Ferienbetreuung
- Unterstützung bei der Suche nach Kinderbetreuung
- Betriebskindergarten
- Meetings zu familienfreundlichen Zeiten
- Familien-Firmen-Events
- Mitarbeiterrabatte (auch als Familienangebote)
- Betriebliche Altersvorsorge
- Lohnfortzahlung bei krankem Kind
- Sonderurlaub für Väter nach Geburt
- Sonderurlaub bei Einschulung
- Elternnetzwerke
Weitere Tipps für die Formulierung von familienfreundlichen Stellenanzeigen
Bei Online-Stellenzeigen sei der Stellentitel besonders wichtig für die Auffindbarkeit in Suchmaschinen, sagt Kern. "Arbeitnehmer suchen bei Jobs über Google nicht nur alleine nach dem Schlagwort ihres jeweiligen Berufs, sondern auch verbunden mit Begriffen wie Vollzeit, Remote und Co. Daher sollten die Benefits auch im Jobtitel genannt werden."
Beispielformulierung: Bürokraft (m/w/d) in Teilzeit | mit Homeoffice-Möglichkeit
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Wichtig sei zudem eine geschlechtergerechte Sprache. Das erhöhe die Anzahl der Bewerberinnen. "Frauen fühlen sich weniger angesprochen durch männliche Berufsbezeichnungen." Wer seine Stellenanzeige geschlechterneutral formulieren will und dabei Begriffe aufgreifen möchte, die vor allem Frauen ansprechen, kann den kostenlosen Gender Decoder der Technischen Universität München nutzen.
Inspiration für familienfreundlich geschriebene Stellenanzeigen können Interessierte auch auf dem Portal "Superheldin" finden. Dabei handelt es sich um eine Jobbörse, die sich vor allem an Frauen richtet, die auf der Suche nach flexiblen Stellenangeboten in Teil- oder Vollzeit sind. Arbeitgeber haben dort auch die Möglichkeit, eigene Stellenanzeigen zu schalten.