Handwerk bleibt optimistisch Die Solarbranche erlebt einen Strukturwandel

Die Solarindustrie steckt in der Krise. Überkapazitäten, Kürzungen der staatlichen Zuschüsse und die Konkurrenz aus Fernost haben zu einer empfindlichen Marktbereinigung geführt. Führende Hersteller wie Q-Cells sind insolvent. Von der Trendwende nach Jahren des Aufschwungs ist auch das Handwerk betroffen.

Felix Lauther

Elektroinstallateurmeister Steffen Grän aus dem sächsischen Sayda merkt nichts von der Solarkrise. - © Detlev Müller

Nicole Bihler, Marketingleiterin und Mitglied der Geschäftsführung beim Solarzentrum Allgäu, hegt vor allem Groll gegenüber den verantwortlichen Politikern: „Aufgrund der Schlingerpolitik und der daraus entstandenen Verunsicherung beim Kunden ist unsere Auftragslage in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres um 50 bis 60 Prozent eingebrochen.“ Die Zeiten, in denen die Produktion von Solarzellen noch einen staatlich subventionierten Markt flächendeckend bediente, gehören der Vergangenheit an.

In vielen Unternehmen, in denen vor ein paar Jahren noch die Geschäftsführer über die Quartalszahlen frohlockten, machte 2012 der Insolvenzverwalter als Letzter sprichwörtlich "das Licht aus". Neben Branchenriese Q-Cells mussten mit First Solar, Sovello, Solon oder Solar Millenium weitere bekannte Solarfirmen Insolvenz anmelden.

Auch im Solarzentrum Allgäu denkt man aufgrund der Fixkosten bei 70 Mitarbeitern und den großen Umsatzeinbußen über Entlassungen nach. "Die Liquidität muss gesichert bleiben", so Bihler weiter.

Nicole Bihler. - © privat
ste solarstrom 1

Wie viele Solarhandwerker ärgert sich auch Peter Herrmann von der Energossa GmbH aus Freiburg über die Politiker: "Deren Argumente sind, mit Verlaub, verlogen. Strom aus Photovoltaik ist gar nicht so teuer. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die damit verbundene Interessenpolitik für die großen Energiekonzerne werden nur zusätzliche Kosten auf die Verbraucher umgelegt. Wenn die Regierung nicht für mehr Wettbewerb sorgt, wird sich an den hohen Strompreisen so schnell nichts ändern."

Roadmap gibt Richtung vor

Die neue Marschrichtung der Solarindustrie in Deutschland ist in der Studie "Wegweiser Solarwirtschaft: PV Roadmap 2020" vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) nachzulesen. Ziel ist ein runder Tisch, an dem alle an der Energiewende beteiligten Parteien ihre strategischen Überlegungen zu einem energiepolitischen Konsens bündeln. Eines ist jedoch sicher: Die Solarbranche steht vor einem Strukturwandel. Das sieht auch Peter Herrmann so: "Einzelne Wertschöpfungsketten wie die Solarzellenproduktion leiden sehr unter dem Preisdruck aus Fernost. Von einer Krise der gesamten Solarindustrie zu sprechen, halte ich angesichts der weiter guten Margen im Anlagen- und Modulebau aber für falsch."

Peter Herrmann. - © privat
ste solarstrom 3

Der BSW sieht die Rolle der Handwerker innerhalb der Solarbranche für die Zukunft gestärkt. So werden für eine ausgereiftere Nutzung und Speicherung des Solarstroms neue Anlagen und Module gebaut und montiert werden müssen. Steffen Grän, Elektroinstallateurmeister aus Sayda in Sachsen, spürt in seinem Handwerksbetrieb schon heute keine Krise, im Gegenteil: "Unsere Auftragsbücher sind so voll, dass wir gar nicht mehr mit der Arbeit hinterherkommen."

Kunden nicht verunsichert

Auch die Endverbraucher sollten sich nicht von den bislang noch sehr hohen Kosten für Speichermodule abschrecken lassen: "Bereits jetzt können sich die Stromkunden vom Elektroinstallateur über zukünftige Nachrüstungsmöglichkeiten für die eigene Photovoltaikanlage beraten lassen. Wenn die Kosten für die Speichermodule sinken, wäre so bereits ein Großteil der Arbeit getan."

Der PV-Anlagen- und Modulebau wird auch in Deutschland nicht zum Erliegen kommen, da sind sich die Experten sicher. "Die Nachfrage nach Solarenergie wird weiter steigen. Eine Verunsicherung beim Kunden spüren wir jedenfalls nicht. Allein die Kosten für eine Installation der Photovoltaik schrecken einige Verbraucher ab. Wenn wir es gemeinsam mit dem Kunden schaffen, dass er den Strom selbst erzeugt und zu 100 Prozent nutzen kann, hat die Stromgewinnung aus Solarzellen die konventionellen Energien endgültig abgelöst", gibt sich Grän optimistisch.

Gelingt der Systemwechsel vom Produktions- hin zum Beratungs- und Installationsmonopol, muss der Branche in Deutschland für die Zukunft nicht bange sein. Peter Herrmann sieht das ähnlich: "Mit der guten Solarzellenqualität aus China und der deutschen Fachkompetenz bei der technologischen Anwendung wird die Wertschöpfungskette auch weiter zu 60 Prozent in Deutschland bleiben."