Entwicklung der erneuerbaren Energien Wasserstandsmeldungen zur Energiewende

Wo die einzelnen Bundesländer beim Ausbau der erneuerbaren Energien stehen und welche Ziele und Strategien sie für die Zukunft verfolgen, beleuchtet der neue Jahresreport der Agentur für Erneuerbare Energien. Die regionalen Unterschiede sind gewaltig.

Ulrich Steudel

Verladen von Rotorblättern für Windkraftanlagen: Allein in Baden-Württemberg arbeiten 6.000 Menschen bei Zulieferern der Windindustrie. - © Agentur für Erneuerbare Energien

Während in Nordrhein-Westfalen nur 5,3 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stammen, produziert Mecklenburg-Vorpommern schon mehr als die Hälfte seines Stroms aus regenerativen Quellen. Auch Thüringen gehört mit 40,1 Prozent zu den Spitzenreitern, dagegen kommt Sachsen nur auf 8,1 Prozent. Alle Zahlen beziehen sich auf 2009, aktuellere Daten sind noch nicht verfügbar.

Wie sieht es in den Bundesländern im Verbreitungsgebiet der Deutschen Handwerks Zeitung aus? Wie wollen diese Länder die Energiewende umsetzen? Ein kurzer Auszug aus dem Jahresreport, der unter dem Titel "Bundesländer mit neuer Energie" erschienen ist:

Die rund 7.800 Wasserkraftwerke in Deutschland erzeugen reichlich drei Prozent des Stroms. - © Agentur für Erneuerbare Energien
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Baden-Württemberg

Der Maschinenbau profitiert verstärkt vom Ausbau der Windenergie. 2009 standen schon mehr als 6.000 Menschen bei Zulieferern der Windindustrie in Lohn und Brot.

Seit dem Jahr 2000 hat Baden-Württemberg seinen Primärenergieverbrauch aus Kohle und Kernkraft reduziert. Der Anteil der regenerativen Energiequellen soll bis 2020 auf 20 Prozent erhöht werden. 2009 lag er bei 9,3 Prozent. Außerdem übernimmt das Land mit seinem eigenen Erneuerbare-Wärme-Gesetz eine Vorbildrolle für andere Bundesländer. In Baden-Württemberg gibt es deutschlandweit die meisten Energieagenturen und überdurchschnittlich viele Förderprogramme.

Bayern

Biomasse und Wasserkraft werden im flächengrößten Bundesland schon seit Jahrhunderten genutzt. Folglich lag der Anteil der regenerativen Quellen am Primärenergieverbrauch mit 10,1 Prozent im Jahr 2008 über dem Bundesdurchschnitt.

Bis 2021 will Bayern seinen Stromverbrauch zur Hälfte aus erneuerbaren Energien decken. Dabei setzt der Freistaat verstärkt auf Photovoltaik, deren Anteil 2010 mit geschätzten sechs bis sieben Prozent schon über dem der Biomasse lag. Auch der Anteil der Windenergie soll um fast zehn Prozentpunkte gesteigert werden. Bayern hat in den vergangenen vier Jahren 750 Millionen Euro in CO2-Reduzierung, energetische Sanierung und Klimaforschung investiert. Im Nachtragshaushalt 2012 wurden für die Energiewende zusätzlich 126 Millionen Euro eingeplant.

Hessen

Die erneuerbaren Energien sind zwar in der hessischen Wirtschaft angekommen, bei deren Nutzung hat das Land laut Jahresreport aber noch Luft nach oben: 2009 wurden nur sechs Prozent des Primärenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen gewonnen, deutlich weniger als im deutschen Durchschnitt.

Bislang beruht der hessische Energiemix vor allem auf der Nutzung von Mineralöl sowie auf Erdgas und Kernenergie. Es wird aber verstärkt an der Energiewende gearbeitet. Die Landesregierung hat dazu einen Energiegipfel einberufen und neue Ziele in der Energiepolitik erarbeitet: Bis zum Jahr 2020 sollen 20 Prozent des Endenergieverbrauchs aus regenerativen Energien stammen, wobei man insbesondere auf einen Ausbau der Wind- und der Bioenergie baut.

Sachsen

Die Solarenergie hat einen festen Platz in der Unternehmenslandschaft. Trotzdem wurden 2009 nur etwa sieben Prozent des Primärenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt. Dominierende Energieträger waren Braunkohle und Mineralöl, die zusammen etwa drei Viertel des sächsischen Primärenergieverbrauchs stellten. Beim Stromverbrauch erreichten die erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr etwa 17 Prozent, vorrangig erzeugt aus Windenergie und Biomasse. Bis 2020 soll sich dieser Anteil auf 33 Prozent etwa verdoppeln.

Sachsen-Anhalt

Die Energieversorgung ist noch geprägt vom Erdgas- und Mineralölverbrauch, auch Braunkohle wird überdurchschnittlich stark genutzt. Doch zwischen 2000 und 2009 wurde der Primärenergieverbrauch aus den regenerativen Energien fast um das 15-Fache auf 14,9 Prozent gesteigert.

Bei der Stromerzeugung kam 2009 schon fast ein Drittel der erzeugten Energie aus regenerativen Quellen, bei denen die Windenergie mit mehr als 70 Prozent und 2.352 Anlagen dominiert. Neben der Stromproduktion sorgt die Windenergie auch für positive Beschäftigungseffekte.

Thüringen

Beim Primärenergieverbrauch erreichte der Freistaat 2009 bereits einen Anteil der Erneuerbaren von mehr als 20 Prozent und lag damit hinter Mecklenburg-Vorpommern ganz vorne im Ranking der Bundesländer. Neben den regenerativen Energien sind vor allem Erdgas und Mineralöl wichtige Energieträger. Beim Stromverbrauch konnte 2010 ein Anteil von etwa 24 Prozent erneuerbare Energien erreicht werden. Dieser soll in den nächsten zehn Jahren auf 45 Prozent gesteigert werden.

Der 200-seitige Jahresreport versammelt neben Daten, Fakten und Grafiken auch Interviews mit den zuständigen Landesministern sowie Best-Practice-Beispiele. Er kann für 7,90 Euro (inkl. Versand) via Internet bestellt werden. Kostenfreie Daten gibt es unter www.foederal-erneuerbar.de