Die Solarbranche leidet unter Preisverfall, Überkapazitäten und Förderkürzungen. Sovello-Chef Reiner Beutel erklärt im Interview mit der "Deutschen Handwerks Zeitung", was die Probleme sind und wie es weitergeht.
Burkhard Riering
DHZ: Herr Beutel, nach den jüngsten Kürzungen der Solarförderung ist vom „Sonnenuntergang“ der deutschen Solarindustrie die Rede. Wird es wirklich so schlimm?
Beutel: Die Lage der PV-Industrie in Deutschland ähnelt einer Dämmerung und ist mehr als schwierig: Denn aktuell verdient kein Hersteller in der ganzen Welt Geld, auch nicht in Deutschland. Auch die besten chinesischen Unternehmen machen Verluste. Alle verkaufen aktuell unter ihren Herstellungskosten. Und viele Unternehmen können sich nicht schnell genug auf das kurzfristige und starke Senken der Solarförderung einstellen. Zusätzlich bereitet der weltweite Preisverfall für Solarmodule der Branche enorme Probleme, was vor allem von der chinesischen Konkurrenz vorangetrieben wird. In Deutschland hängen hunderttausende Arbeitsplätze von der Photovoltaik ab. Die Entwicklung der Branche in Deutschland ist seit Monaten von Überkapazitäten, Preisverfall, Insolvenzen, Fabrikschließung, Arbeitsplatzverlust, Produktionsverlagerung sowie von der Förderkürzung geprägt.
DHZ: Was hätte der Gesetzgeber anders machen können, um den Absturz der Branche zu vermeiden?
Beutel: Schauen wir uns die wirtschaftlichen Zusammenhänge an, dann wären die Branche und viele Wissenschaftler nicht auf die Idee gekommen, innerhalb von wenigen Wochen eine Senkung von bis zu 30 Prozent für die eigene Industrie umzusetzen und so die eigene Energiepolitik zu konterkarieren. Die Branche rechnet mit einem Markteinbruch um bis zu 75 Prozent, so der Bundesverband Solarwirtschaft. Die Politik hätte deutlich längere Übergangsfristen mit den früheren Vergütungssätzen für Solarstrom schaffen müssen, um die Investitionen in Solarkraftwerke zu sichern und damit Eigentum zu schützen. Die Vergütungssätze hätte die Politik für kleinere, mittlere und größere Anlagen nicht so stark kürzen sollen. Es sollte weniger jeden Monat gekürzt werden. Allerdings erwarte ich mir von der monatlichen Kürzung eine Verstetigung der Nachfrage nach Solarmodulen übers Jahr verteilt, was die Vorzieheffekte dämpfen könnte. Kleinere und mittlere Anlagen sollten voll vergütet werden – beim neuen „Markintegrationsmodell“ des EEG sollte also nachgebessert werden. Der Zubau von Anlagen sollte weniger begrenzt werden.
DHZ: Wo sehen Sie die deutsche PV-Industrie in fünf Jahren?
Beutel: Für die deutsche PV-Industrie hängt die Antwort von zu vielen Variablen ab, um dies sicher beurteilen zu können. Eines ist jedoch sicher: Die Marktbereinigung wird anhalten. Auch werden irgendwann alle Hersteller wieder zu höheren Modulpreisen anbieten. Denn wie gesagt verdient momentan kein Hersteller Geld. Normalerweise wollen Unternehmen Geld verdienen.
