PV-Module als Elektroschrott eingestuft Solarbranche braucht eigenes Recyclingsystem

Solarmodule enthalten neben recyclebaren Materialien auch giftige Stoffe. Bislang war unklar, wie diese richtig entsorgt werden und wer dafür zuständig ist. Geeinigt hat sich die EU, dass sie künftig als Elektroschrott eingestuft werden und dass sich die Hersteller um ein eigenes Entsorgungssystem kümmern müssen. Da Handwerksbetriebe meist den Auf- und Abbau der Photovoltaik-Anlagen übernehmen, müssen auch sie sich auf Neuerungen einstellen.

Jana Tashina Wörrle

Waren Solaranlagen von der Elektroschrottrichtlinie bislang ausgenommen, werden künftig auch für sie eigene Entsorgungsregeln gelten. - © Eisenhans/Fotolia

Solaranlagen haben eine lange Lebensdauer, die Hersteller gehen von 25 bis 30 Jahren aus. Doch irgendwann, wenn die Anlagen oder einzelne Module kaputt sind, steht die Entsorgung an. Bislang war unklar, wer dann dafür zuständig ist, die darin enthaltenen Rohstoffe richtig zu verwerten und die Giftstoffe, die in einzelnen Anlagen noch immer verbaut werden, zu entsorgen. Nun haben sich die Verantwortlichen geeinigt, dass Solarmodule zum Elektroschrott zählen und damit unter die Europäische Elektronikschrott-Richtlinie (WEEE) fallen. Es ist zwar noch eine Zustimmung des EU-Rats notwenig. Aber diese gilt als reine Formsache, da die einzelnen Länder sowieso noch nationale Gesetze dazu erlassen müssen. Zuständig sind in Deutschland damit die Hersteller der Anlagen.

Von zusätzlichem Aufwand verschonen

Im Juni steht die fehlende, formlose Zustimmung an. Dann haben die einzelnen Mitgliedsstaaten im Rahmen der neuen Richtlinie 18 Monate Zeit, ein Entsorgungssystem auf die Beine zu stellen, das den Vorgaben entspricht und in der Praxis einfach zu handhaben ist. Vor allem für die Handwerksbetriebe, die sich um die Installation und entsprechend auch um die Deinstallation der Anlagen kümmern, sollte das neue Recyclen der Module keinen großen zusätzlichen Aufwand mit sich bringen, fordert Andreas Habel vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). Die Hersteller würden zwar für die Entsorgung zahlen müssen, in der Praxis könnte es aber darauf hinauslaufen, dass die Handwerker sich um die Entsorgung kümmern, sagt Habel.

Der Ingenieur kennt die aktuellen Recyclingvorgaben bis ins Detail und plädiert dafür, dass die Photovoltaik-Einzelteile auf jeden Fall getrennt von anderem Elektroschrott gesammelt werden müssten. "Ich denke dabei beispielsweise an Extra-Container auf den Recyclinghöfen", sagt Habel. Hier könnten die Handwerker oder auch einzelne Heimwerker, die die Anlagen selbst vom Dach nehmen, die Solaranlagen dann hineinwerfen. "Der Glasanteil der Anlagen ist so hoch, dass man hier sehr viel Material recyclen kann", sagt Habel. Gleichzeitig müsse man aber aufpassen, dass auch mit den enthaltenen Schadstoffen richtig umgegangen wird, die einzelne Hersteller noch immer verwenden.

Doch wie die Ausgestaltung der nationalen Regelung genau aussieht und wie das Vorgehen bei der Entsorgung zukünftig abläuft, wird erst in spätestens 18 Monaten feststehen. In der Pflicht sind die Hersteller, die sich nun wie für die Entsorgung ihrer anderen Geräte auch bei der Stiftung "elektro-geräte register" eintragen müssen, wenn sie die Solaranlagen weiter vertreiben wollen. Hier wird dann ihr Marktanteil vermerkt und für eine entsprechende Menge an Recyclingmaterial müssen sie dann aufkommen. "Die Kostenverantwortung für die Entsorgung tragen die Hersteller", sagt Habel. Das ist bei Elektroschrott schon länger so geregelt und gelte nun entsprechend für die Solaranlagen. Grundsätzlich sind die Hersteller dazu verpflichtet, die Geräte wieder zurückzunehmen. Für Kleingeräte gibt es dazu eigene Sammelstellen, die nun entweder um die Photovoltaik-Teile ergänzt oder zusätzliche eingerichtet werden müssen.

Konkurrenzdruck aus Asien

Auf die gebeutelte Solarbranche kommt also noch eine vermeintliche Belastung zu. Nachdem die geplante Solarkürzung zwar am Freitag im Bundesrat vorerst gescheitert ist, wurde aber am Wochenende bekannt, dass weitere Hersteller kurz vor einer Insolvenz stehen. Der Konkurrenzdruck aus Asien wird immer stärker, doch der Zubau mit Anlagen geht bislang noch – wenn auch etwas langsamer – weiter.

Bis der große Schwung an Deinstallationen auf das Handwerk zukommt, wird es noch ein bisschen dauern, denn die Anlagen sind robust. Doch bis dahin müssen sich die Hersteller auf eine für alle verträgliche und handhabbare Lösung verständigen. "Wir gehen bis 2015 von rund 3.000 Tonnen Material aus, die dann durch die Photovoltaikbranche zum Recyclen auf uns zukommt", sagt Entsorgungsexperte Habel. Doch im Vergleich beispielsweise zu den Mengen an Altglas, um das sie sich jährlich kümmern, – es sind rund 23 Millionen Tonnen – ist das noch ein verschwindend geringer Anteil. "Noch sind das nur Peanuts", sagt Habel. Aber umso mehr jetzt installiert wird, umso mehr muss irgendwann auch entsorgt werden.