Wer eine neue Solaranlage möchte, sollte schnell handeln. Denn die garantierten Einspeisevergütungen sollen immer weiter sinken, das legte die Bundesregierung in der EEG-Reform 2014 fest. Wie sich Photovoltaikanlagen dennoch lohnen.

Seit August ist die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2014) in Kraft. Sie soll die Energiewende in Deutschland voranbringen. Anlagenbetreibern beschert sie vor allem sinkende Einnahmen. Nun gilt: Je später eine neue Anlage in Betrieb geht, desto geringer werden die für 20 Jahre garantierten staatlichen Vergütungen für den eingespeisten Strom – jeden Monat sinken sie um 0,5 Prozent. Das wird auch 2015 so bleiben. Dennoch kann sich die Investition in Solarenergie noch rechnen, wenn ein großer Teil des erzeugten Stroms selbst verbraucht wird.
Denn die Bundesregierung hat mit der EEG-Novelle einen sogenannten „atmenden Deckel“, bei der Förderung der erneuerbaren Energien beschlossen. So ist bei Solarenergie ein jährlicher Zubau von 2,5 Gigawatt geplant. Je näher dieses Ziel kommt, desto niedriger ist die staatlich garantierte Einspeisevergütung. Werden zu viele Anlagen in Betrieb genommen und damit das Volumen aufgebraucht, sinkt die Einspeisevergütung stärker. "Es empfiehlt sich also für private Bauherren und Hausbesitzer, rechtzeitig im Jahr zu prüfen, ob sich eine neue Photovoltaikanlage für sie rechnet", rät Sascha Schulz von der EnergieAgentur.NRW in Wuppertal.
Möglichst viel Solarstrom direkt nutzen
Die meisten Neuerungen des EEG gelten jedoch für größere Anlagen mit einer Leistung von mindestens 500 Kilowatt. Deren Betreiber bekommen nun keine feste Einspeisevergütung mehr. Stattdessen müssen sie ihren Strom eigenständig verkaufen. Ab Januar 2016 gilt das auch für neue Anlagen ab 100 Kilowatt. "Privatleute wird das allerdings kaum betreffen", sagt Schulz. "Zum Vergleich: Eine Solaranlage auf einem 60 Quadratmeter großen Dach eines Eigenheims hat eine Leistung zwischen 7,5 und 8 Kilowatt." Für Anlagen bis 10 Kilowatt sieht das EEG auch weiterhin die garantierte Einspeisevergütung vor.
Trotz sinkender Fördersätze lohnt es sich laut Bundesverband Solarwirtschaft auch 2015, auf Solarenergie zu setzen. "Sonnenstrom vom eigenen Dach kostet nur noch die Hälfte dessen, was ein privater Energieverbraucher beim Energieversorger bezahlen muss", sagt der Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Er rät aber, möglichst viel des Stroms direkt zu nutzen oder für später in einer Batterie zu speichern. "Waschmaschine oder Geschirrspüler sollen beispielsweise dann laufen, wenn die Photovoltaikanlage Strom erzeugt." Nur der Überschuss wird noch in das Netz eingespeist und vergütet.
Betreiber kleiner Anlagen von EEG-Umlage befreit
Weiter staatlich gefördert wird der Solarstromspeicher. "Die Bundesregierung übernimmt beim Kauf eines Batteriespeichers bis zu 30 Prozent der Anschaffungskosten", erläutert Körnig. Wie hoch die individuelle Förderung ist und mit wie viel Ertrag Interessenten rechnen können, finden sie über das Fördernavi sowie den Solarrechner der EnergieAgentur.NRW heraus.
Neu für größere Anlagen ist auch, dass sie für Strom, den sie selbst erzeugen und verbrauchen, EEG-Umlage zahlen müssen. Bis Ende 2015 werden dafür zunächst 30 Prozent der Umlage fällig, 35 Prozent bis Ende 2016 und ab 2017 schließlich 40 Prozent. "Der selbst verbrauchte Strom von Anlagen mit einer Leistung von maximal 10 Kilowatt ist aber bis zu einem Eigenverbrauch von bis zu 10 Megawattstunden pro Jahr davon befreit", sagt Sascha Schulz. "Diese Bagatellgrenze gilt für die Dauer von 20 Betriebsjahren der Anlage plus Inbetriebnahmejahr."
Strompreise könnten sinken
Private Kleinerzeuger von Solarstrom sind also davon nicht betroffen. Wie alle anderen Bürger zahlen sie jedoch die normale EEG-Umlage mit ihrer Stromrechnung, wenn sie sich Strom von einem Energieversorger liefern lassen. Die Ökostromanlage wird von derzeit 6,24 Cent pro Kilowattstunde auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde sinken, sagt Alexander Knebel, Sprecher der Agentur für Erneuerbare Energien in Berlin. Das und gesunkene Preise an der Leipziger Strombörse wirkten sich auf die Endverbraucherpreise aus. Mehrere Energieversorger hätten schon zum Jahreswechsel eine Absenkung ihrer Grundtarife angekündigt. Weitere könnten folgen. dhz/dpa