Marketing aktuell Social Forecasting: Das Wissen der Mitarbeiter nutzen

Viele Betriebe denken beim Thema soziale Vernetzung an externe Kanäle wie Facebook und Twitter. Dabei kann es für Unternehmen auch gewinnbringend sein, ein internes Netzwerk aufzubauen, an dem nicht nur die Geschäftsführung sondern der ganze Betrieb mitwirkt. Beim so genannten Social Forecasting wird die Weisheit der Vielen genutzt.

Steffen Guthardt

Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) betreiben ihr Marketing wegen mangelnder Strukturen und Ressourcen häufig nach dem Prinzip "learning-by-doing". - © Michail Petrov - stock.adobe.com

Wichtige Entscheidungen über Ausrichtung, Strategie und Budgeteinsatz eines Unternehmens trifft allein die Geschäftsführung. Das immer häufiger genutzte Social Forecasting stellt diese auch im Handwerk verbreitete Unternehmensphilosophie in Frage und geht von der Theorie aus, dass die Kompetenz aller Mitarbeiter insgesamt zu besseren Prognosen und Entscheidungen führt. Unternehmen wie Siemens oder die Deutsche Telekom nutzen das Prinzip schon erfolgreich. Doch wie funktioniert Social Forecasting genau?

Social Forecasting geht davon aus, dass jeder Mitarbeiter eines Betriebes besondere Kompetenzen besitzt, die er aber oft nur bedingt in das Unternehmen einbringen kann, weil der Verantwortungsbereich seiner Position begrenzt ist. Damit das Wissen nicht ungenutzt bleibt, sollte die Geschäftsführung alle Mitarbeiter in seine Entscheidungsprozesse einbinden ohne dabei das letzte Wort aus der Hand zu geben.

Frage-Antwort-Prinzip

In der Praxis informiert die Geschäftsführung die Mitarbeiter per E-Mail oder mittels eines Online-Forums über seine Idee zu einem neuen Produkt, einer Dienstleistung oder einer Marketingstrategie. Wichtig ist dabei, dass  die Mitarbeiter eine konkrete Frage gestellt bekommen, um die erhaltenen Antworten miteinander vergleichen zu können. Den Mitarbeitern wird nun ein Zeitraum von zum Beispiel einer Woche zur Verfügung gestellt, um eine durchdachte Antwort zu finden.

Anschließend wertet die Geschäftsführung alle Antworten aus und kann daraus zum Beispiel Risikobewertungen für ein Produkt ableiten. Letztendlich obliegt es aber immer noch der Geschäftsführung, ob sie ihre Entscheidung nach dem Ergebnis der Befragung ausrichtet oder einen anderen Weg einschlägt. Erste Studien zum Social Forecasting zeigen allerdings, dass die Prognosen eines gesamten Mitarbeiterstabes häufig genauer sind, als etwa die Ergebnisse externer Marktforschungsstudien oder die Aussage einzelner Experten. Gerade für mittelständische Betriebe spricht auch der geringe Kostenfaktor für den Einsatz von Social Forecasting.

Teamgeist fördern

Auch die Motivation und der Arbeitseinsatz der Mitarbeiter kann durch Social Forecasting nachhaltig gestärkt werden. Gerade ein Angestellter in niedriger Position gewinnt Selbstvertrauen durch die Einbindung seiner Person in wichtige Entscheidungsprozesse. Lassen Sie Mitarbeiter auch an Ihrem unternehmerischen Erfolg durch die im Netzwerk getroffenen Entscheidungen partizipieren, in dem Sie etwa eine erfolgreiche Prognose zur Markteinführung eines Produktes oder einer Dienstleistung mit einer Prämie honorieren.

Zudem fördert Social Forecasting den Gedanken im Team etwas erreichen zu können.  Dies kann auch dem Umgang der Mitarbeiter untereinander und damit dem Betriebsklima zuträglich sein.