Förderung von Dachbegrünungen So wird das Dach zur Klimaanlage

Die KfW-Bankengruppe fördert auch Dachbegrünungen bei energetischen Gebäudesanierungen. Was Sie bei der Installation beachten müssen und wie Sie an die Zuschüsse kommen.

Steffen Guthardt

Die Dachterrasse des Umweltamtes Karlsruhe - im Jahr 2013 von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung zum Gründach des Jahres 2013 gewählt. - © FBB

Grün liegt im Trend. Wer seinen Teil zur Energiewende beitragen will, der kann mit einer Bepflanzung auf Dächern und Fassaden den Energieverbrauch reduzieren und etwas für den Umweltschutz tun.

Seit dem 1. Juni 2014 gibt es dafür ein Förderprogramm der KfW-Bankengruppe. Wollen Bauherren im Zuge einer Gebäudesanierung ein Gründach anlegen, können sie dafür ab sofort einen Antrag auf Zuschüsse stellen (siehe Kasten).

Ein bepflanztes Dach funktioniert wie eine natürliche Klimaanlage. Im Sommer werden die Räume kühl gehalten, im Winter dient die Bepflanzung als Kälteschutz.

Auch die Umwelt profitiert von dem Trend zum grünen Dach. Nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland könnten zwei Drittel der versiegelten Flächen wieder an die Natur zurückgegeben werden, wenn die Dächer in deutschen Städten nachträglich grün bepflanzt würden. Zudem speichern die grünen Dächer bis zu 80 Prozent des Regenwassers, das danach langsam verdunstet – eine Entlastung für Kläranlagen. Weitere Umweltvorteile: Die Grünpflanzen produzieren Sauerstoff, sie absorbieren Strahlung und dienen als natürlicher Luftfilter. Als Lärmschutz eignen sich die Pflanzen auch auf Werkshallen mit Flachdächern.

Gras auf dem Dach

Konkrete Vorgaben für die Dachbepflanzung gibt es nicht. Im Trend liegen zum Beispiel Grasdächer, die in Skandinavien schon seit Jahrhunderten verbreitet sind. Allerdings sollten Bauherren bedenken, dass der Rasen nur im Frühjahr üppig wächst. Im Sommer kann die Grünfläche ohne ausreichende Bewässerung schnell austrocknen.

Bei der Planung der Gründächer müssen Bauherren die Statik des Gebäudes genau prüfen. Die Grünfläche stellt eine zusätzliche Gewichtsbelastung dar, die nicht unterschätzt werden darf. Je nach Bepflanzung kann pro Quadratmeter eine Zusatzgewicht zwischen 25 und 165 Kilogramm entstehen. Zudem muss geprüft werden, ob das Dach auch wirklich dicht ist. Bei der Standortwahl sollten auch die Entwässerung, der Windsog und der Brandschutz geprüft werden.

Zur Planung der Begrünung sollte ein Fachmann einbezogen werden. Da bei den Dachpflanzen ein natürlicher Nährstoffkreislauf fehlt, müssen mehrere Funktionsschichten künstlich auf dem Dach installiert werden. Unterschieden wird zwischen intensiver und extensiver Begrünung. Bei der intensiven Begrünung sind die Substrat- oder Vegetationsschichten 25 bis 35 Zentimeter hoch, bei der extensiven dagegen nur drei bis 15 Zentimeter, erklärt der Naturschutzbund Deutschland.

Schicht für Schicht

Im ersten Schritt muss eine wurzelfeste Schutzschicht verlegt werden, die eine Beschädigung des Daches verhindert. Sie kann aus verrottungsfesten Synthesefasern bestehen. Die zweite Schicht besteht aus einem mineralischen Schüttstoff, der bei Regen überschüssiges Wasser abführen kann, damit sich keine Pfützen unter der Begrünung bilden. Geeignete Stoffe sind zum Beispiel Bims oder Tonziegel. Bevor die Substrat- oder Vegetationsschicht aufgeschüttet wird, bietet es sich an, noch eine dünne Lage Mulch als Nährstoffspeicher auszustreuen.

Für dünne Dächer, wie etwa Werkshallen mit leichten Dachkonstruktionen, empfiehlt der Naturschutzbund Deutschland eine extensive Begrünung. Sie spart Gewicht und ist pflegeleichter. Allerdings ist der Klimaanlagen-Effekt geringer als bei einer intensiven Schicht. Zur Bepflanzung eignen sich robuste Moose oder Sukkulenten.

Wer ein Dach mit hoher Traglast zur Verfügung hat und mehr Zeit in die Begrünung investieren kann, sollte sich für eine intensive Schicht entscheiden. Gras- und Staudendächer können große Wassermengen speichern und bieten einen guten Isolierschutz.

Die Materialkosten einer Dachbepflanzung varieren zwischen 30 und 100 Euro je Quadratmeter. Hinzu kommen jährliche Pflegekosten von bis zu drei Euro pro Quadratmeter.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe beteiligt sich an der Charta "Zukunft Stadt und Grün". Das Positionspapier finden Sie unter dhz.net/gruene-zukunft .

Zuschüsse für Dachbegrünung

Wer seit dem 1. Juni 2014 eine KfW-Förderung für die Dachdämmung beantragt, erhält zusätzlich Fördermittel für eine Dachbegrünung. Voraussetzung für die Förderung ist, dass vor der Begrünung das Dach entsprechend den vorgegebenen technischen Mindestanforderungen für Effizienzhaus oder Einzelmaßnahme gedämmt wird.

Im Rahmen des Programms "Energieeffizientes Sanieren" vergibt die Staatsbank bis zu 75.000 Euro Kredit für jede Wohneinheit in einem KfW-Effizienzhaus oder bis 50.000 Euro bei Einzelmaßnahmen für einen Zinssatz von einem Prozent im Jahr. Zudem gewährt sie Hauseigentümern einen Tilgungszuschuss als zusätzlichen finanziellen Anreiz. Dieser reduziert das Darlehen und verkürzt gleichzeitig die Laufzeit.

Wie bisher werden auch Renovierungsmaßnahmen an Gründächern gefördert. Eine Förderung der Begrünung von Fassaden ist hingegen nicht möglich.

Neben den KfW-Förderungen gibt es die Chance auf regionale oder städtische Subventionen. Einige Städte bieten Zuschüsse von zehn bis 20 Euro pro Quadratmeter. Auch Vergünstigungen bei den Niederschlagswasser-Gebühren sind möglich.