Kolumne So wichtig sind Rechtschreibung und Handschrift im Berichtsheft

Es mangelt an Rechtschreibung und oft auch an einer leserlichen und korrekten Handschrift. Das kann sich für Azubis ganz direkt auswirken – als Mangel im Berichtsheft. Ausbildungsberater Peter Braune gibt Ausbildern Tipps zur besseren Kontrolle des Ausbildungsnachweises und erklärt, warum man das besser nicht schleifen lassen sollte.

Azubi im Maßschneiderhandwerk
In der Ausbildung lernen Azubis viel Praktisches. Aber das müssen sie im Berichtsheft schriftlich festhalten. Dabei sind auch Rechtschreibung und Handschrift wichtig, - © amnaj - stock.adobe.com

Bei seinen Reformvorschlägen für das Abitur in Deutschland ist der Philologenverband, nach seiner Forderung von mehr Vergleichbarkeit, bei der Rechtschreibung angekommen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Missachtung orthographischer Regeln bei der Notengebung in der Oberstufe kaum noch eine Rolle spiele, heißt es. Tatsächlich dürfen seit einigen Jahren selbst Deutschklausuren nur noch minimal wegen Mängeln in Rechtschreibung und Grammatik abgewertet werden.

Ich fürchte sehr, das gilt bewusst oder unbewusst für alle Schulformen! Denn da gab es eine zukünftige Maßschuhmacherin im zweiten Lehrjahr. Nachdem die Meisterin die Rechtschreibung im Ausbildungsnachweis korrigiert hatte, war die junge Frau sehr niedergeschlagen.

Rechtschreibung und Handschrift: Die Bedeutung im Berichtsheft

Im Ausbildungsnachweis – dem Berichtsheft – schreiben die Lehrlinge auf, welche Arbeiten sie erledigt und was ihnen erklärt wurde. Er dient zur Unterstützung der Ausbildung und ist ein Kontrollinstrument für den Stand der Ausbildung. Seine regelmäßige Führung ist eine der Voraussetzungen für die Zulassung zur Abschlussprüfung. Ich meine darüber hinaus, er sollte auch fehlerfrei geschrieben sein.

Der Ausbildungsnachweis ist unter anderem dann von großer Bedeutung, wenn die Lehrlinge die Gesellenprüfung nicht bestanden haben. Anhand der von allen Beteiligten unterschrieben Dokumentation des Ausbildungsverlaufes, kann in einer Gegenüberstellung zum betrieblichen Ausbildungsplan entweder eine mangelhafte Ausbildung oder mangelhaftes Lernverhalten nachgewiesen werden. Hieraus ist unter Umständen ein Schadenersatz gegenüber den Ausbildenden abzuleiten. Es liegt daher im Interesse aller, die Richtigkeit und Vollständigkeit der Eintragungen regelmäßig zu überwachen und auf die Rechtschreibung zu achten.

Rechtschreibung und Handschrift: Fragen, die sich Ausbilder stellen sollten

Hier geht es aus meiner Sicht auch um eine sorgfältig ausgeführte Handschrift, denn Feinmotorik hilft auch in anderen Bereichen.

Dazu passt ein Absatz aus einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Darin heißt es: "Aus Sicht der Lehrer hat mehr als jedes dritte Grundschulkind Schwierigkeiten mit der Handschrift, nach der Grundschule sind es demnach sogar 43 Prozent. Nur vier Prozent der Lehrer im Sekundarbereich sind mit der Handschrift ihrer Schüler zufrieden." Und: "Nur vier von zehn Schülern seien in der Lage, eine halbe Stunde lang ohne Beschwerden zu schreiben."

Daraus ergeben sich vier wichtige Leitfragen für die Meisterin oder den Meister: 

- Sind uns die rechtlichen Folgen nach der Handwerksordnung bekannt, die sich aus einer mangelhaften Berufsausbildung ergeben können?

- Kontrollieren wir die regelmäßige Führung der Ausbildungsnachweise?

- Welche Informationen können wir durch Einsicht in die Ausbildungsnachweise über den Ausbildungsstand der Berufsschule gewinnen?

- Sind meine Rechtschreibfähigkeiten gut?

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.