Trotz der Corona-Pandemie erreichte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in 2021 einen historischen Tiefstand. Das geht aus Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Im laufenden Jahr mehren sich hingegen die Pleiten.

Der Zahl der Firmenpleiten hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als halbiert. Weniger als 14.000 Unternehmen haben in 2021 Insolvenz angemeldet. Das sind rund zwölf Prozent weniger als im ersten Corona-Jahr 2020 und knapp 54 Prozent weniger als noch 2011. Im vergangenen Jahr gab es damit so wenige Firmenpleiten wie noch nie seit Einführung der aktuellen Insolvenzordnung im Jahr 1999. Insgesamt lag der Anteil der zahlungsunfähigen Betriebe bei nur 4,6 je 1.000 Unternehmen.
Die Statistik spiegelt jedoch nicht den wahren Zustand der Unternehmen wieder. Um eine Pleitewelle infolge der Pandemie abzuwenden, hatte der Staat die Pflicht zum Insolvenzantrag bei Eintritt von Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit zeitweise ausgesetzt. Erst seit Mai 2021 gilt die Insolvenzantragspflicht wieder in vollem Umfang. Ausnahmen gab es noch bis 31. Januar 2022 für Betriebe, die im vergangenen Sommer Schäden durch Starkregen oder Überflutungen erlitten hatten.
Verbraucherinsolvenzen auf Fünf-Jahres-Hoch
Im Gegensatz zu den Unternehmensinsolvenzen befinden sich die Verbraucherinsolvenzen auf einem Fünf-Jahres-Hoch. Darin verstecken sich auch unternehmerische Insolvenzen, so Patrick-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung von Creditreform. "Kleinunternehmer und Gewerbetreibende können unter bestimmten Umständen statt in die Unternehmens- in eine Verbraucherinsolvenz gehen. Und viele Gewerbetreibende aus dem Bereich Dienstleistung haben das gemacht", sagte er der Deutschen Handwerks Zeitung.
Generell stellen Insolvenzen eine relativ seltene Form der Unternehmensschließung dar – mehr als 90 Prozent aller Unternehmensschließungen werden aus eigenem Antrieb vorgenommen. Im zweiten Pandemiejahr 2021 wurden im gewerblichen Sektor rund 216.000 Unternehmen geschlossen, in den Freien Berufen dürften einige Zehntausend die Selbstständigkeit aufgegeben haben.
Trendwende in 2022: Wieder mehr Regelinsolvenzen
Im laufenden Jahr rechnen Experten mit steigenden Insolvenzzahlen, denn viele Unternehmen haben die Folgen der Pandemie noch nicht verdaut. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges. In den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes deutet sich bereits ein Anstieg an: Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen legte im März um 27 Prozent gegenüber Februar zu. Bereits im Februar hatte es im Vergleich zum Vormonat einen Zuwachs von 4,2 Prozent gegeben.
Dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zufolge steht diese Zunahme noch nicht in Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Hauptgrund seien die Energiekosten, die schon vor Kriegsausbruch stark gestiegen waren. Diese belasteten vor allem die Industrie.
Stimmung in der Baubranche hat sich dramatisch verschlechtert
Mit dem Ukraine-Krieg verschärfen sich die Sorgen nun weiter. Das zeigt sich etwa im Baugewerbe. Aufgrund des stetig zunehmenden Materialmangels und unkalkulierbarer Kostensteigerungen sind die Geschäftserwartungen der deutschen Baufirmen auf einen Tiefpunkt gesunken. Laut einer aktuellen Unternehmensumfrage des Münchner Ifo-Instituts berichten die Unternehmen über eine steigende Zahl von Auftragsstornierungen. Im April meldeten 7,5 Prozent der Hochbauer und 9,3 Prozent der Tiefbauer stornierte Aufträge, deutlich mehr als noch im März.
Mit Inhalten von dpa