Kolumne So überwinden Azubis Zweifel während der Ausbildung

Manchmal passt die Realität des Berufslebens nicht zusammen mit der Vorstellung, die ein junger Mensch von der Ausbildung hatte. Daran müssen Azubis aber nicht verzweifeln, findet Peter Braune. Der Ausbildungsberater gibt Tipps, wie Auszubildende sich auf ihre Ziele konzentrieren – ohne sich alles schönzureden.

Negatives und positives Denken, symbolisiert mit Holzköpfen und bunten bzw. schwarten Papierbällen.
Nicht immer ist es hilfreich, sich negative Gefühle schönzureden. - © Vitalii Vodolazskyi - stock.adobe.com

Einige Menschen neigen dazu Tatsachen zu verdrehen, manches nicht wahrzunehmen oder die Wahrheit zu verbiegen, bis alles in das persönlich gebastelte Weltbild passt und so leichter verdaubar ist. Das geschieht unterbewusst und schnell. Passen die unterschiedlichen Sichtweisen der Ausbildenden und Lehrlinge nicht zusammen, dann wird seitens der Azubis alles dafür getan, um sie wieder stimmig zu machen: So soll die Unstimmigkeit im Verstand, die sogenannte kognitive Dissonanz, überwunden werden. Das sind die nach den Erkenntnissen von Fachleuten als unangenehm empfundenen Gefühle, die durch eine Wahrnehmung, einen Gedanken, verschiedene Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten entstehen.

Wenn Auszubildende verunsichert sind

Die Erscheinung kann zum Beispiel auftreten, wenn sich Jugendliche für eine Berufsausbildung entschieden haben und schon in der Probezeit Informationen gesammelt haben, die ihre Entscheidung in Frage stellen. Zunächst sind sie ärgerlich oder verunsichert. Dann werden sie alles tun, um die Entscheidung zu rechtfertigen. Sie wollen nicht zu viele negative Gefühle aufkommen lassen. Eventuell werten sie das Verhalten der Ausbildenden als vorübergehend oder sie suchen nach den positiven Dingen. Manches wurde noch nicht durch negative Eindrücke getrübt. Sie rechtfertigen ihre Entscheidung vor sich und oft auch vor anderen Menschen, um die unangenehmen Gefühle zu mildern.

Oft werden die Erwartungen der Vertragsparteien nicht erfüllt. Die Vorstellungen, Wünsche, Ziele, Meinungen oder Absichten liegen weit auseinander. Die Lehrlinge geben ihr Bestes, setzen sich ein und sind mit der entsprechenden Motivation bei der Sache. Entsprechend hoch sind ihre Erwartungen an die Ausbildenden im Betrieb und an die Lehrkräfte in der Berufsschule.

Auch das Wissen über den möglichen Misserfolg in der Abschlussprüfung kann bei den Lehrlingen und den Ausbildenden eine Dissonanz hervorrufen, denn die positive Einstellung zur Ausbildung steht im Widerspruch zu den unerwünschten Ergebnissen.

Wie lassen sich unangenehme Gefühle vermeiden?

Um im Verlauf der Ausbildungszeit die Entstehung von unangenehm empfunden Situationen und inneren Spannungen zu vermeiden, hilft die Geradlinigkeit. Das bedeutet gerade heraus zu sein, es nicht zu kompliziert zu sehen, sich zu etwas zu verpflichten, es dann umzusetzen, zu halten, dabei zu bleiben, sich nicht so viel Gedanken zu machen. Gradlinige Ausbildende und Auszubildende sind ehrlich und offen. Sie besitzen die Fähigkeit, ihr Denken und Handeln auch über einen längeren Zeitraum auf ein Ziel auszurichten. Das Ziel kann direkt oder indirekt erreichbar sein. Das Streben bedeutet, dass sie fleißig, arbeitsam, beharrlich oder eigenverantwortlich sind. Die Geradlinigkeit ist demnach in ihrer bestmöglichen Form das ausdauernde Handeln, das auf das Erreichen der im betrieblichen Ausbildungsplan festgelegten Lernziele ausgerichtet ist.

Das gemeinsame Ziel ist, die Ausbildung erfolgreich durchzuführen und zu beenden. Durch Offenheit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit, das Übernehmen von Verantwortung und Zuverlässigkeit. Durch menschliche Achtung füreinander, die Bereitschaft zu offener Zusammenarbeit, Vertrauen und Aufrichtigkeit sowie Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme, kann die Meisterin oder der Meister zeigen, dass Menschen, in diesem Fall die Lehrlinge, wichtiger sind als Dinge.

Ich würde solche unangenehmen Gefühle durch eine Langstreckenwanderung, vielleicht einen Marathon, aus der Welt schaffen. Wenn ich durch die Natur gehe, verbessert sich nicht nur meine Kondition, ich bekomme auch den Kopf frei. Das tut dem Organismus gut, auch der Geist wird angeregt. Die Bewegung an der frischen Luft befreit den Kopf und steigert das Denkvermögen. Bei einer Geschwindigkeit von vier Kilometern pro Stunde, ich schaffe im Durchschnitt sechs, wird das Gehirn um 30 bis 40 Prozent stärker durchblutet als im Ruhezustand, was die Neubildung meiner Nervenzellen fördert.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.