Kolumne Lehrlinge finden: Ignoranz bringt keinen Ausbilder weiter

Ignoranz ist mehr als Unwissenheit. Ignoranz kann die Berufsausbildung für Azubi und Ausbilder anstrengend und wenig erfolgreich machen. Manches Mal gefährdet sie sogar, dass Betriebe überhaupt Lehrlinge finden. Ausbildungsberater Peter Braune berichtet von seinen Erfahrungen.

Azubi und Ausbilder bei der Arbeit
Wer ausbildet, hat Pflichten, die nicht ignoriert werden sollten: Aufgaben vergeben, die der Ausbildung dienen, das Ergebnis prüfen und auch Kontakt zur Berufsschule halten. - © jörn buchheim – stock.adobe.com

Ignoranz ist mehr als nur Unwissenheit. Man kann bewusst etwas zu ignorieren und nicht zu beachten, was man eigentlich wissen könnte. Der Begriff Ignoranz ist durch die Wörter Missachtung oder Gleichgültigkeit ersetzbar. Ignoranz zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Betroffenen, in den meisten Fällen, absichtlich etwas nicht wissen oder beachten wollen.

Auch unter Ausbildenden gibt es reichlich Ignoranz. Ich denke da an solche, die den schwachen Jugendlichen keine Chance für eine Ausbildung bieten. Manchmal ist die Ignoranz auch eine Reaktion auf die vorangegangene Enttäuschung. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass Ignorieren keine Probleme oder Konflikte löst, sondern sie nur verdrängt. So zum Beispiel beim gebetsmühlenartig wiederholten Wort des Bewerbermangels oder dem immer wieder zu hörenden Lied von den ungeeigneten Bewerberinnen und Bewerbern.

Ignoranz: Wenn der Ausbilder nur Abiturienten einstellt

Ich kannte einen Ausbildungsleiter, der hatte sich beharrlich dafür eingesetzt, das in seinem Ausbildungsbetrieb nur Abiturienten und Abiturientinnen ausgebildet werden. Eines Tages kam es mit der Geschäftsführung zu einer heftigen Diskussion. Die wollte wissen, wie viele der ausgebildeten, jungen Menschen, mit Abitur, auf welchen Arbeitsplätzen im Betrieb eingesetzt werden. Nach intensiver Recherche musste der Verantwortliche berichten, das davon niemand übriggeblieben war.

Eine Form der Ignoranz musste auch eine Fachlageristin ertragen. Es war die ihres Ausbilders. Die richtet sich gezielt gegen die Vorgaben aus der Handwerksordnung. Vor allem gegen alle, bei denen es um die Ausbildung der Lehrlinge geht. Neidvoll musste sie sich anhören, wenn die anderen Lehrlinge in der Berufsschule über ihre Meisterin oder Meister berichteten. Wie schön wäre es, dachte sie still vor sich hin, wenn ihr ignoranter Chef auch so denken und handeln würde.

Ausbilder ohne Ignoranz: Diese Aufgaben gehören dazu

Ausbilder, die nicht mit Ignoranz vorgehen, richten ihre Tätigkeit in Bezug auf die Azubis wie folgt aus:

In den meisten Betrieben wird der menschliche Umgang gepflegt, der von gegenseitigem Respekt und Anerkennung gekennzeichnet ist. Man würdigt die Lernbereitschaft sowie die guten Leistungen durch eine angemessene Anerkennung. Viele sorgen für genügend und geeignete Bezugspersonen, die verantwortungsvoll alle einschlägigen Gesetze und Rechtsvorschriften einhalten. Fast alle stellen kostenlos die Ausbildungsmittel zur Verfügung, die zum Erwerb der Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten nach dem Ausbildungsplan erforderlich sind.

In der Regel werden in der geplanten Zeit, die im betrieblichen Ausbildungsplan festgelegten Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt und der Erwerb von Berufserfahrung ermöglicht. In den Betrieben werden den Lehrlingen ausschließlich Aufgaben übertragen die dem Ausbildungszweck dienen, ihren körperlichen Kräften entsprechen und gewissenhaft ausführbar sind. Viele führen, zu festgelegten Zeitpunkten, die Lernerfolgskontrollen durch, besprechen die Ergebnisse und leiten bei Bedarf geeignete Fördermaßnahmen ein.

So gut wie alle stellen zum Besuch der Berufsschule oder den vereinbarten Maßnahmen frei und sorgen für die regelmäßige Teilnahme. Die dafür verantwortlichen Personen erstellen rechtzeitig und nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen die Dienstpläne und konzentrieren sich auf deren Einhaltung. Alle stellen die Ausbildungsnachweise zur Verfügung und überwachen regelmäßig deren schriftliche Führung während der Ausbildungszeit.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.