Fachkräfte über Social Media finden So machen Sie Ihre Mitarbeiter zu Markenbotschaftern

"Corporate Influencer" geben in den sozialen Medien authentische Einblicke in ihre Arbeit und werben so für ihren Arbeitgeber. Die gute Nachricht: (Fast) jeder Mitarbeiter im Handwerksbetrieb kann zu solch einem Markenbotschafter werden. Malermeisterin Jessica Jörges und Schreinermeister Marc Schütt – selbst erfolgreiche Corporate Influencer – erklären, wie’s funktioniert.

Frau präsentiert Holz auf Regalen, wird von Mann gefilmt.
Corporate Influencer geben einen authentischen Einblick in ihren Arbeitsalltag und machen so potenzielle Kunden und neue Mitarbeiter auf ihr Unternehmen aufmerksam. - © Vergani Fotografia - stock.adobe.com

Sie filmen sich bei der täglichen Arbeit, erzählen echte Geschichten aus dem Berufsalltag und zeigen, was hinter den Kulissen ihres Arbeitgebers passiert: gemeint sind sogenannte "Corporate Influencer". Unternehmen setzen sie in sozialen Medien als authentische Markenbotschafter ein, um einerseits für ihre Produkte und Dienstleistungen zu werben. Andererseits um potenzielle Fachkräfte auf sich aufmerksam zu machen.

Während große Unternehmen oftmals bereits bekannte Influencer engagieren, können kleine Unternehmen ihre eigenen Mitarbeiter für diese Aufgabe motivieren. Die eignen sich nämlich besonders gut für die Rolle des Corporate Influencers. Denn sie sind nicht nur DIE Experten in ihrem Job, sondern vermitteln glaubwürdig die Kultur und Werte ihres Arbeitgebers und schaffen damit Vertrauen bei den Zuschauern.

Corporate Influencer im Handwerk

Die gute Nachricht: (Fast) jeder Mitarbeiter kann Corporate Influencer werden. Das Potenzial im Handwerk ist groß, unabhängig vom Gewerk. Dieser Meinung sind Malermeisterin Jessica Jörges und Schreinermeister Marc Schütt, beide selbst erfolgreiche Corporate Influencer. Auch Natalie Bräuninger bezeichnet sich als solche. Die Architektin ist Head of Press & Public Relations beim Architekturbüro RKW und hat gleich mehrere Mitarbeiter dazu motiviert, auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn über ihren Berufsalltag als Architekten zu berichten. "Corporate Influencer sind Markenbotschafter, die das Unternehmen authentisch nach außen tragen und ihre Leidenschaft zeigen. Dadurch werden sie sichtbar und sorgen gleichzeitig dafür, dass das Unternehmen sichtbar wird ", erklärt sie.

Wer eignet sich als Corporate Influencer?

Hier gibt es kaum Voraussetzungen. Jeder Mitarbeiter, der Spaß daran hat, sich auf Instagram, TikTok, LinkedIn oder anderen sozialen Netzwerken zu präsentieren, eignet sich, so die drei Experten. "Man kann sich Corporate Influencer schaffen", bestätigt Schreinermeister Marc Schütt, der Kanäle auf Instagram und Facebook betreibt, auf denen er Arbeiten seines Tischlerei-Betriebs zeigt. Infrage kommen nicht nur Gesellen, sondern auch Azubis. Den bloßen Arbeitsalltag wiederzugeben, reicht aber nicht aus. "Letztendlich geht es darum, die eigene Persönlichkeit zeigen zu wollen und den Spaß an der Arbeit zu verkörpern", sagt Malerin Jessica Jörges, der auf Instagram mehr als 6.500 Menschen folgen. Wichtig sei auch, dass der Handwerkschef dem Mitarbeiter keine allzu strengen Vorgaben macht. "Freiheit muss sein", sagt Natalie Bräuninger. Schließlich geht es bei Corporate Influencer vor allem um eins: Authentizität.

Was sind die ersten Schritte?

Wie lernen die Mitarbeiter, sich authentisch auf Instagram und Co. zu präsentieren? "Durch ausprobieren!", sagt Jessica Jörges. Auch sie wurde in die neue Aufgabe "reingeworfen", mittlerweile zählt die Betreiberin des Blogs "Bunte Zukunft" zu den Profis.

"Es ist nicht einfach, vor der Kamera zu sprechen", sagt Schütt. Während der eine Mitarbeiter schnell lernt, brauchen andere länger dafür. Wichtig ist deshalb, dass der Handwerkschef die Zeit für die Aufgaben des Corporate Influencers nicht zu eng taktet. "Am Anfang ist es etwas zeitaufwendiger, mit der Zeit wird es aber immer einfacher", so der Handwerker. Wichtig sei, dass der Mitarbeiter Spaß an der Aufgabe hat.

Darüber hinaus müssen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter mit dem passenden Equipment ausstatten. Das können zum Beispiel ein Smartphone, eine Kamera und eine SD-Karte sein. Oder auch etwas aus dem Handwerkeralltag. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Schütt nutzt für die gute Beleuchtung seiner Videos auch mal eine Baustellenlampe. Und als Handyhalterung verwendet Malerin Jörges häufig eine Klebebandrolle. "Man braucht nicht die riesen Gadgets", so Jörges. "Handwerker arbeiten mit den Händen, da ist es auch nicht schlimm, wenn das Bild mal wackelt."

Wo finde ich Inspiration für Inhalte?

Inspiration für Inhalte gibt es viele. Jessica Jörges hat sich für ihren Instagram-Kanal viel von anderen Influencern abgeschaut. Ihr Tipp: Bei der Arbeit auf der Baustelle einfach mal ein Zeitraffer-Video mitlaufen lassen (funktioniert zum Beispiel mit der Instagram-App "Hyperlapse") – und schon ist ein ansprechender Inhalt produziert. Gerade im Handwerk gibt es viele Techniken und Begriffe, die sich für Zuschauer prima erklären lassen, weiß auch Schütt. Im Bodenleger-Handwerk könnten zum Beispiel die einzelnen Schritte beim Parkettlegen näher erläutert werden. "Ganz nach dem Prinzip von 'Frag mal die Maus'", sagt Schütt.

"Die Ideen kommen hinterher selbst bei den Mitarbeitern", so der Handwerker, der auch einen eigenen Tischlerei-Podcast betreibt, weiter. Bräuninger, die für ihren Arbeitgeber potenzielle Corporate Influencer im Unternehmen ausgemacht hat, bestätigt das. "Nach drei Monaten konnten alle alleine laufen", sagt sie. Um die Mitarbeiter für Inhalte zu inspirieren, hat sie ihnen auch Impulse in Form von Aufgaben gegeben. Zum Beispiel sollten sie in einem Posting erklären, warum sie sich für den Beruf der Architektin bzw. des Architekts entschieden haben. Zudem hat sie ihre Kollegen mit Bildern von Projekten unterstützt und zur Übung gemeinsam mit ihnen getextet.

Jeder Corporate Influencer darf bei ihr Inhalte posten, wie es für die Person passt: "Während der Theoretiker lange Texte schreibt, reicht beim Praktiker auch ein Bild und ein Zweizeiler aus", so die Architektin.

Und was bringt der Einsatz von Corporate Influencern letztendlich?

Nathalie Bräuninger berichtet, dass durch die Arbeit der Corporate Influencer die Beitragsansichten und Followerzahlen deutlich gestiegen sind. Zudem sind innerhalb von zwei Monaten mehrere Menschen direkt auf die Markenbotschafter zugekommen und bekundeten Interesse an Jobs im Unternehmen.

Im Malerbetrieb von Jessica Jörges erhalten sie mehr Bewerbungen von Azubis als zuvor, was die Handwerkerin auf ihre Aktivitäten im Netz zurückführt. "Die Quote gerade an Mädels ist bei uns im Moment sehr, sehr hoch", berichtet sie. So habe sich ihre aktuelle Auszubildende unter anderem über Jessica Jörges Blog ein erstes Bild vom Betrieb gemacht und sich auch deshalb für ein Praktikum bei ihr entschieden. Darüber hinaus sei das Feedback ihrer Kunden durchweg positiv, wenn sie auf Instagram über ihre Arbeit bei ihnen postet: "Ich habe sogar Kunden, die mir sagen: Wir brauchen gar nicht mehr auf die Baustelle kommen, denn wir sehen ja, was Sie den ganzen Tag dort machen."

Baufluencer-Forum 2022

Die Tipps und Zitate in diesem Artikel sind einem Vortrag von Natalie Bräuninger zum Thema "Kommen jetzt die Corporate Influencer?" sowie einem Live-Talk entnommen, der vom Netzwerk Zukunft Handwerk realisiert wurde. Beides war Teil des Baufluencer-Forums 2022, das am 9. und 10. Juni 2022 auf dem Areal der Zeche Zollverein in Essen stattfand, und von der Agentur Brandrevier organisiert und durchgeführt wurde. Dort trafen sich Influencer aus Handwerk und Bau, die sich gemeinsam mit Unternehmen aus der Branche austauschten. >>> Weitere Infos zum Baufluencer-Forum gibt es hier.