Social Media als Recruitingtool So löst Metallbau Gassert das Problem mit dem Personalmangel

Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist bekannt. Metallbau Gassert in Schriesheim stellte sich diesem Szenario und findet heute problemlos motivierte Teamplayer. Das Erfolgsrezept? Lebendige Alltagsstorys.

Matthias Kunze, geschäftsführender Gesellschafter von ­Metallbau Gassert,
Scheu vor der Kamera hat auch der Firmenchef nicht. Matthias Kunze, geschäftsführender Gesellschafter von ­Metallbau Gassert, beim Videodreh für die Social-Media-Kanäle. Das Schriesheimer Unternehmen setzt auf ­authentische Inhalte und nutzt die neuen Medien für Recruiting-Kampagnen. - © Privat

Das Handwerk sucht händeringend nach Fachkräften. Ein Ende des Mangels an qualifizierten Mitarbeitern ist nicht in Sicht. Der Arbeitsmarkt kann nicht decken, was die Betriebe brauchen. Das dokumentierte jüngst die Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Demzufolge gab es 2021 bundesweit für gut jede zweite Meisterstelle keinen passend qualifizierten Arbeitslosen. Bei Fachkraftberufen und bei Fortbildungsberufen traf dies auf vier von zehn offenen Stellen zu.

Inmitten dieses Szenarios gibt es in Schriesheim eine Firma, die für sich Antworten auf brennende Fragen gefunden hat: Metallbau Gassert. Zwölf neue Mitarbeiter hat das mittelständische Handwerksunternehmen im vergangenen Jahr eingestellt, bereits zehn im aktuellen Jahr. "Darunter sind Metallbauer, Elektriker, vier neue Auszubildende für 2022 und drei Metallbaumeister", sagt Matthias Kunze, geschäftsführender Gesellschafter des 49 Mitarbeiter zählenden Betriebs. Der 50. im Team ist fest eingeplant.

Das Erfolgsrezept? Social Media. Davon ist der Firmenchef überzeugt. "Im Gegensatz zu fast allen Marktbegleitern zeigen wir uns täglich auf den sozialen Medien und berichten ganz offen und transparent über unseren Arbeitsalltag", sagt er. "Wir nehmen unsere Abonnenten und potenzielle Bewerber mit auf unsere Reise, das Handwerk zu verändern."

Social-Media-Manager in Vollzeit

Vor gut zwei Jahren machte man sich auf. "Wir waren einfach müde von der Stagnation und motiviert, einen neuen Weg einzuschlagen, den noch kein anderer bis dato ging", fasst Schwester Kathrin Kunze zusammen, die im Betrieb für die Marketingmaßnahmen verantwortlich ist. Ende 2019 begann Metallbau Gassert, Social Media zu erkunden. Anfang 2020 startete man mit dem Bespielen der Kanäle, Ende 2020 wurden die Aktivitäten intensiviert und seit April dieses Jahres beschäftigt das #teamgassert einen Social-Media-Manager in Vollzeit. Die Bilanz kann sich sehen lassen. Seine Erfolge beim Mitarbeiter-Recruiting schreibt das Unternehmen diesen Aktivitäten zu.

Fast täglich präsentiert sich Metallbau Gassert auf Instagram, Facebook, Linkedin und TikTok. Anfangs konnte das nicht jeder nachvollziehen. "Wir wurden belächelt und teilweise nicht ernst genommen. Die Leute fragten uns, ob die Auftragslage rückläufig ist oder wo die Zeit herkommt, die wir mit lustigen Videos fürs Internet verbringen", erzählt Matthias Kunze. Doch der Firmenchef sieht sich bestätigt. "Seit wir unsere Zeit so intensiv dafür investieren, nehmen uns unsere Kunden, aber auch potenzielle Bewerber ganz anders und viel intensiver wahr", sagt er. "Social Media ist für uns also nicht nur ein Recruitingtool, sondern auch ein Instrument für mehr Sichtbarkeit am Markt."

Bewerbung vom Sofa aus

Dabei kommt es Metallbau Gassert auf authentische Beiträge an. Videos werden oft spontan gedreht. Nichts soll vorgespielt werden. Für manche Alltagsstorys und für die Recruiting-Kampagnen gibt es allenfalls ein kurzes Storyboard. "Ich denke, genau diese authentischen Inhalte kommen bei unseren Abonnenten und auch bei den Bewerbern gut an", sagt Kathrin Kunze. Gianluca La Palma kann das nur bestätigen. Er ist seit 2020 Mitarbeiter und kam über den Online-Weg ins Unternehmen: "Ich habe mich noch nie über Facebook beworben, aber das Video hat mich gleich angesprochen und mir eine positive Stimmung vom Betrieb und den Kollegen vermittelt." Die Bewerbung lief vom Sofa aus. Zwei Tage später wurde er eingeladen. "Einfacher geht das heutzutage nicht."

Ein Motivationsschreiben ist nicht nötig

Firmenchef Matthias Kunze sieht darin ein Geheimnis des Mitarbeiter-Recruitings über die sozialen Medien. "Die Bewerber wollen keine Lebensläufe mehr erstellen, Motivationsschreiben verfassen oder Zeugnisse zusammensuchen. Es geht um Persönlichkeit, um die Erfahrung und um die Frage, ob der Mensch ins Team passt und die Reise mit uns beginnen will", glaubt er. Darüber hinaus sieht er den Arbeitgeber in der Pflicht, für ein gutes Teamgefüge und Klima zu sorgen. Dazu zählen beim Schriesheimer Betrieb nicht nur sicheres und nachhaltiges Arbeiten, sondern auch kostenfreie Goodies wie Firmenhandys oder Mitarbeitermassagen im neu geschaffenen Ruheraum. "Unser oberster Anspruch ist, dass sich Mitarbeiter bei uns wohlfühlen und mit 100-prozentiger Motivation zur Arbeit kommen", sagt Matthias Kunze.

Drei Fragen an: Kathrin Kunze

Was Social Media für Unternehmen bedeuten kann und wie der eigene Betrieb damit umgeht, beantwortet Kathrin Kunze, Marketing-Verantwortliche bei Gassert Metallbau, im Kurz-Interview:

Das Bespielen sozialer Kanäle kostet Zeit. Ist das für kleinere Handwerksbetriebe überhaupt ein gangbarer Weg während der täglichen To-Dos?

Kathrin Kunze: Mittlerweile beschäftigen wir einen Social-Media-Manager in Vollzeit, also 40 Stunden pro Woche. Und ihm war noch keine Sekunde langweilig. Und dennoch bin ich der Meinung, dass Social-Media-Content auch für Selbständige mit weniger Personal oder auch Ein-Mann-Betriebe ohne Social-Media-Manager möglich ist. Wir haben anfänglich vielleicht zwei bis drei Stunden in der Woche dafür investiert und uns so einen überschaubaren Kanal aufgebaut, der bereits erste Aufmerksamkeit erregt hat. Die Investition in einen Social-Media-Manager tätigen wir heute nur, weil wir wissen, dass sich seine Arbeit bezahlt macht und uns die Position so im Umkehrschluss auch kein Geld kostet.

Kathrin Kunze, Marketing-Verantwortliche bei Metallbau Gassert.
Kathrin Kunze, Marketing-Verantwortliche bei Metallbau Gassert. - © Privat

Binden Sie Ihre Mitarbeiter beim Bespielen von Social Media ein?

Auf jeden Fall! Nicht jeder Mitarbeiter möchte das und keiner muss – aber einige haben sehr viel Spaß daran und schicken uns selbstgedrehte Videos von den Baustellen oder stellen sich für unsere Recruitingvideos zur Verfügung. Darüber sind wir sehr froh und es macht uns stolz, weil wir nichts vorspielen müssen, sondern ehrlichen Content aufbauen.

Welchen Tipp können Sie dem Handwerk in Bezug auf Social Media ganz allgemein geben?

Loslegen! Einfach mal starten und erste Schritte gehen, die auch klein sein können. Social-Media-Content in den Alltag einbauen – nichts inszenieren! Außerdem: Aus der Komfortzone ausbrechen und neue Wege gehen. Wer sich über Fachkräftemangel beschwert, während andere vormachen, wie es geht und zeigen, dass es noch genug motivierte Bewerber im Land gibt, der macht vielleicht etwas verkehrt …