TV-Kritik: SWR – "Marktcheck" über Ärger mit dem Handwerker So kommt das Handwerk in Verbrauchermagazinen weg

Was treibt eigentlich Verbraucher um, wenn es um die Dienste von Handwerkern geht? "Marktcheck" vom SWR widmete sich dieser Frage und sprach dafür mit einem Experten, der erstaunlich ausgewogen an die Themen heranging. Dafür allerdings waren die eingespielten Beiträge eher altbekanntes Handwerker-Bashing.

Markus Riedl

"Marktcheck" vom SWR widmete sich dem Thema "Ärger mit dem Handwerker". Stereotype rund um die Branche blieben dabei leider nicht aus. - © Photographee.eu - stock.adobe.com

Klar, dass die Corona-Krise nicht fehlen durfte. Wie das denn überhaupt sei mit der Arbeit in einem fremden Haushalt angesichts der Hygiene- und Abstandsregeln, wollte die "Marktcheck"-Moderatorin vom Experten wissen. "Geht das so einfach, in beliebiger Zahl", fragte sie. Es gebe nur zwei, drei Einschränkungen, antwortete Rechtsexperte Karl-Dieter Möller, etwa wenn ein Quarantäne-Fall vorliege. Dann müsse das Gesundheitsamt eingeschaltet werden und ein Termin könne auch schon mal abgesagt werden, wobei Notfall-Einsätze natürlich unter Einhaltung der geltenden "AHA-Regeln" trotzdem möglich seien.

Unseriöse Handwerker: Aus 8.000 werden 13.500 Euro

Gut, dass das gleich zu Beginn des Gesprächs klargestellt wurde. Allerdings wechselte die Redaktion den Schwerpunkt ziemlich schnell weg von interessanten, nutzwertigen Informationen hin zu klassischem TV-Handwerker-Bashing. In einem Einspieler ging es mal wieder um die Machenschaften von unseriösen Handwerkern, die bevorzugt im Bereich der Grundstücks- oder Dachreinigung ältere Mitbürger über den Tisch ziehen. Im geschilderten Fall fiel eine Frau auf eine Reinigungs-Truppe herein, die die Hofeinfahrt, die Außenwände des Anwesens und das Dach mal schnell ganz lapidar abkärcherte und dafür anstatt der vereinbarten 8.000 Euro plötzlich 13.500 Euro wollte – bar auf die Hand. Die Dame zahlte, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlte – und natürlich war die Arbeit auch noch unsauber ausgeführt. Jetzt ermittelt die Polizei und spricht von einer "besonders dreisten Masche". In der Nähe von Stuttgart waren es Dach-Haie, die versuchten, einige Bewohner über den Tisch zu ziehen. Doch die waren schlau, holten sich bei ihren Haus-und-Hof-Handwerkern schnell Rat und durchschauten damit den Betrugsversuch.

Alltägliche Maschen oder Ausnahmen?

So weit, so schlimm – diese schwarzen Schafe gibt es durchaus, und über sie wird immer wieder berichtet. Was sich dann aber im Studiogespräch mit dem Experten entwickelte, war nicht ganz fair. Die Einstiegsfrage der Moderatorin, ob es per se verdächtig sei in Zeiten von Handwerkerknappheit, wenn diese ihre Dienste von sich aus vor Ort anböten, beantwortete Möller mit einem Ja – und aus Verbrauchersicht ist da sicher auch was dran. Zudem sei Barzahlung vor Ort ungewöhnlich und auch schlecht fürs Absetzen von der Steuer. Doch mehr und mehr kam ein Dreh in das Gespräch, der weg von unseriösen Einzelfällen ging. Es klang immer mehr so, als seien das alltägliche Maschen von Handwerkern. Natürlich, so der Experte, müsse man eine Rechnung verlangen, man sei schließlich der Auftraggeber. Dass das der absolute Regelfall ist, wurde nicht dazu gesagt, es klang, als sei es etwas Besonderes, wenn offizielle Rechnungen ausgestellt würden.  

Auch beim Thema "Verbindlichkeit eines Kostenvoranschlages" übernahm die Moderatorin die Rolle der Verbraucher-Anwältin. Natürlich stellte Experte Möller schnell klar, dass ein Kostenvoranschlag nicht in dem Sinne verbindlich sei, dass am Ende der Rechnungsbetrag dem KV-Betrag entsprechen müsse, und das auch durch geltende Rechtsprechung gedeckt sei. Bis zu 15 Prozent drüber seien möglich. Die Frage, ob dadurch nicht Handwerker, die preislich ans Limit gingen, eher den Auftrag bekämen und hinterher 15 Prozent draufschlagen würden, konterte der Experte mit dem Vorschlag, dann eben einen Festpreis auszumachen – natürlich mit dem Risiko, dann auch eventuell teurer wegzukommen. Insgesamt bemühte sich Möller um eine differenzierte Herangehensweise, wobei die Fragen an ihn leider nicht allzu tiefgründig waren.

Rechnung mindern wegen Bummel-Arbeit – der Experte ordnet ein

Das eher bescheidene Niveau kulminierte schließlich im letzten Thema des Gesprächs, das mit einem Einspieler eingeleitet wurde. Es ging um den Fall, dass ein Handwerker für eine Pergola doppelt so lange Zaunelemente gekauft hatte wie nötig, sie dann kürzt, aber voll abrechnete. Zudem trödelten die Gesellen und brauchten zwölf statt der eigentlich benötigten fünf Stunden. Der Auftraggeber wiederum strich die Rechnung entsprechend zusammen, wollte 1.200 Euro weniger zahlen – und bekam schließlich vor Gericht auch Recht, da der Handwerker zu einer "wirtschaftlichen Betriebsführung" verpflichtet sei. Ein etwas konstruierter Fall, den Experte Möller dann auch ein wenig relativierte. Er erzählte, dass wiederum Handwerker erzählten, dass ständig Hausbewohner hinter ihnen stünden und sie so gar nicht richtig zum Arbeiten kämen.

"Und wenn die dauernd Pause machen?", fragte die aufgebrachte Moderatorin. "Können sie machen, aber ich muss das als Kunde nicht bezahlen", antwortete Möller – im Zweifel müsse man halt die Zeiten aufschreiben. Auch die Inrechnungstellung einer "Geräte-Nutzungspauschale" für Akkuschrauber ordnete der Experte gut ein. So etwas sei nicht zulässig, aber wenn etwa schweres Gerät wie ein Kran zum Einbau von großen Fenstern gebraucht werde, dann müsse der Kunde das bezahlen, wenn das Unternehmen seinerseits diese Geräte einkaufe. Auch bei speziellen Bohrern, etwa für Granit, sei es möglich, die Ausrüstung separat in Rechnung zu stellen.

Unterhaltsam, aber viele Stereotype

Eine unterhaltsame Sendung war es auf jeden Fall, allerdings kam sie wie so oft leider nicht ohne die üblichen Stereotype rund ums Handwerk aus. Die Verbraucher sorgen sich offenbar vor allem um die Höhe und Sinnhaftigkeit der Rechnung, die Belastbarkeit des Kostenvoranschlags - und Hygiene-Maßnahmen rund um Corona, zumindest wenn es nach den Ansichten der "Marktcheck"-Redaktion geht. Gut, dass Experte Möller im Studio einiges zurechtrückte, und auch die angesprochenen Vorurteile zumeist relativierte. Dennoch: Es kann nur besser werden mit der Handwerks-Berichterstattung im TV-Jahr 2021.

Hier geht es zum Beitrag: SWR Marktcheck.