Kolumne So gehen Ausbilder mit unkonzentrierten Azubis um

Ein Azubi aus dem Glaserhandwerk lässt sich leicht ablenken, macht viele Fehler und bringt Aufgaben nicht zuende. Die Meisterin findet jedoch Wege, ihn zu unterstützen. Was sich andere Ausbilder davon abschauen können und worin die Gründe für den Konzentrationsmangel liegen, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner aktuellen Kolumne.

Können sich Azubis bei der Arbeit kaum konzentrieren, kann das auch mit einer Erkrankung zusammenhängen. - © hikdaigaku86 - stock.adobe.com

Wenn viel im Betrieb zu tun ist, einige aus der Mannschaft ausfallen und ein Auftrag unbedingt fertig werden muss, kann die Konzentration schon mal abhandenkommen. Das ist kein Anlass zur Sorge, weil am nächsten Tag alles vorbei ist. Wenn die Probleme aber immer wieder auftreten oder länger bestehen, kann das auch auf eine Erkrankung hindeuten.

Auch manche Auszubildende können sich nicht richtig konzentrieren, sie sind schnell abgelenkt und die Leistungen lassen nach. Das bemerkte eine Glasermeisterin bei ihrem Lehrling. Der konnte sich schon in der Probezeit nicht richtig konzentrieren. Das wird vorübergehen, dachte sie und verzichtete darauf, die Ausbildung zu beenden.

Azubi lässt sich leicht ablenken

Der Azubi war vergesslich, ließ sich leicht ablenken und machte eine ganze Menge Leichtsinnsfehler. Aufgaben wurden nicht beendet oder mehrfach erledigt. Es fiel ihm schwer, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Er war begrenzt belastbar und wirkte schwach, überfordert und lustlos. Die Glasermeisterin spürte manchmal regelrecht, wie er zum Tagträumer wurde und sich lieber mit einem Thema befasste, das nichts mit der Ausbildung zu tun hatte.

Sie informierte sich daher ausführlich über das Thema und fand heraus, dass der junge Mann nicht in der Lage war, die Reize aus der Umwelt auszublenden. Ist die Konzentrationsfähigkeit nur vorübergehend beeinträchtigt, bezeichnen Fachleute dies als Konzentrationsstörung. Gelingt es einem Menschen dauerhaft nicht, sich zu konzentrieren, wird das als Konzentrationsschwäche bezeichnet. In einem Fachbericht las die Glasermeisterin, dass die Ursachen von einer ungesunden Lebensführung bis hin zu einer körperlichen Einschränkung reichen können. So können für einen Konzentrationsverlust zum Beispiel Stoffwechselstörungen verantwortlich sein, aber auch geistige Belastungen, Konflikte im privaten Umfeld, Drogen- oder Alkoholkonsum oder eine Spielsucht. Auch die betrieblichen Ausbildungsbedingungen können eine Rolle spielen, etwa Sauerstoffmangel, langes Stehen, körperliche Belastungen oder beziehungsbedingte Anspannungen.

Weniger Aufgaben und detaillierte Erklärungen

Da der Auszubildende aber insgesamt ein netter Junge war, wollte die Meisterin ihm helfen. Es begann mit dem Versuch, ihm nur wenige Aufträge auf einmal zu übertragen. Im betrieblichen Ablauf stellte sie sicher, dass er die Aufgaben verstand. Sie erklärte die einzelnen Arbeitsschritte ganz genau. Er musste die ihm übertragenen Aufgaben aufschreiben, die wichtigsten zuerst und dann abstufend. Es wurde darauf geachtet, dass er aktiv zuhört und stets wiederholte, was zu tun ist. Die Arbeitsschritte musste er ohne eine Unterbrechung durchführen. Es wurde für eine ruhige Arbeitsumgebung gesorgt. Für die erfolgreich durchgeführten Arbeiten gab es ein Lob oder eine kleine Belohnung.

Als weiterer Schritt kam es zu mehreren Einzelgesprächen. Die Situationen, in denen immer noch Blockaden auftraten, wurden zeitnah besprochen und gemeinsam die passende Lösung entwickelt.

Sollte die Meisterin im weiteren Ausbildungsverlauf herausfinden, dass die Konzentrationsschwäche aus einer ungesunden Lebensführung heraus entsteht, sollte auch hierfür eine Lösung gefunden werden. Der Azubi könnte darauf hingewiesen werden, wie wichtig er jetzt schon für den Betrieb ist, und dass er nach der Ausbildungszeit ein Teil der Mannschaft werden soll. Möglicherweise wird es erforderlich sein, ihn arbeitsmedizinisch behandeln zu lassen.

Wenn es mit der Konzentration nicht so richtig klappt hat das zur Folge, dass Wissenslücken entstehen, oft verbunden mit der Angst zu versagen. Lehrlinge können dann eigene Vermeidungsstrategien entwickeln. Letztendlich kann das in Unlust, Desinteresse und einer Störung des Selbstvertrauens münden.

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.