Schattenwirtschaft Schwarzarbeit: Mindestlohn verhindert Rückgang

Schwarzarbeit ist in Deutschland seit Jahren rückläufig. In diesem Jahr könnte sich das ändern. Schuld daran ist einer Studie zufolge der gesetzliche Mindestlohn. Die Lohnsteigerungen in den für Schwarzarbeit typischen Branchen sind allerdings trotzdem höher als der erwartete Anstieg der Schattenwirtschaft.

Der seit Januar geltende Mindestlohn erhöht die Schattenwirtschaft in Deutschland einer Studie zufolge in diesem Jahr um 1,5 Milliarden Euro. - © Foto: Peter Kögler/Fotolia

Die Konjunktur in Deutschland ist weiter im Aufwärtstrend, die Wirtschaftslag robust und die Verbraucher in guter Kauflaune, weil die Preise niedrig sind. Eigentlich sind das Voraussetzungen dafür, dass die Schattenwirtschaft keine guten Chancen hat. Wie auch in den vergangenen Jahren – genauer gesagt seit dem Krisenjahr 2009 – müssten sowohl Schwarzarbeit als auch illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei und Betrug abnehmen.

Stagnation bei der Schwarzarbeit

Auch im Vergleich zu anderen OECD-Staaten steht die Bundesrepublik nicht schlecht da. Deutschland liegt mit seiner Schattenwirtschaft im Mittelfeld – ähnlich wie Frankreich und skandinavische Länder. Düsterer sieht es in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien aus. Der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt hier zwischen 18 und 22 Prozent.

Eine aktuelle Untersuchung des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz zeigt nun jedoch, dass die Schattenwirtschaft 2015 erstmals seit Jahren in Deutschland nicht weiter zurückgeht. Die Forscher gehen davon aus, dass ihr Anteil am BIP bei 12,2 Prozent bleibt.

Einen Grund für die Stagnation sehen sie im seit Januar geltenden Mindestlohn. "Die aktuelle Entwicklung ist auch durch den Mindestlohn bedingt", erklärte IAW-Direktor Bernhard Boockmann. Für sich genommen hätten die robuste Konjunktur und Lage auf dem Arbeitsmarkt laut der Prognose für einen Rückgang der Schattenwirtschaft gesorgt.

Lohnsteigerungen stärker als Schattenwirtschaft

Der Effekt bleibt insgesamt jedoch gering. So dürfte nach der Schätzung der Experten tatsächlich aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Minimallohns durch Schwarzarbeit umgangen werden. Denn die notwendigen Lohnsteigerungen in den dafür typischen Branchen liegen insgesamt bei etwa sieben Milliarden Euro. Der erwartete Anstieg der Schattenwirtschaft durch den Mindestlohn liegt bei 1,5 Milliarden Euro und ist damit wesentlich geringer.

Besonders betroffen von Schwarzarbeit sind Teile der Bauwirtschaft, genauso wie der Bereich der persönlichen Dienstleistungen, die Landwirtschaft sowie Gaststätten und Hotels.

Mehr Personal für den Zoll

Die Befürchtungen zu einem Anstieg der Schwarzarbeit durch die Einführung des Mindestlohns sind nicht neu. Schon zum Beginn der Jahres haben der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ein gemeinsames Positionspapier veröffentlicht und darin, die personelle Aufstockung der Zollbehörden gefordert, damit sich Schwarzarbeit keine Auftrieb bekommt. Er kontrolliert die Einhaltung des Mindestlohns . dpa/dhz

Schwarzarbeit: Begriff mit unklarer Herkunft

Schwarzfahrer, Schwarzmarkt, Schwarzarbeit: Wenn etwas illegal ist, dann wird es in der deutschen Sprache oft mit dem Adjektiv «schwarz» verbunden. Woher genau das kommt, darüber sind sich Sprachexperten nicht ganz einig. Eine Erklärung ist, dass Verbrecher früher mit dem Wort «schwarzen» oder «schwerzen» meinten, dass etwas Verbotenes bei Nacht getan wird. Andere Fachleute glauben, dass die Begriffe ihren Ursprung im Jiddischen haben, wo «shvarts» für Armut steht. Schwarzfahrer oder Schwarzarbeiter würden demnach von der Armut zu ihrem illegalen Tun getrieben.