Die politischen Entscheidungsträger in Deutschland werden beim Thema Nachhaltigkeit ihrer Vorbildfunktion offenbar nicht gerecht. Das ergab eine Studie der Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag des Umweltverbandes WWF. Die Organisation kritisierte die mangelnde Koordination zwischen Bund und Ländern sowie das fehlende Wissen vieler Mitarbeiter über die Zusammenhänge von Nachhaltigkeit.

Für das "Politikbarometer zur Nachhaltigkeit in Deutschland" hatte die Leuphana Universität 18 Interviews mit den zuständigen Ansprechpartnern aus den Bundesministerien und den Bundestagsfraktionen geführt und ausgewertet. Das Ergebnis der Untersuchung sei mit Blick auf allgemeine Wettervorhersagen "wechselhaft", sagte der Mitautor der Studie, Harald Heinrichs.
Die Gesellschaft erwarte von der Politik eine Vorbildfunktion, sagte Geschäftsführer von WWF Deutschland, Eberhard Brandes. Die Handlungsbereitschaft innerhalb der Bevölkerung sei "sehr hoch", die Politik müsse aber den Weg vorgeben. "Nachhaltigkeit muss Chefsache sein", verlangte Brandes.
Mitarbeiter müssen geschult werden
Zudem kritisierte er den Austausch zwischen den politischen Ebenen. Es fehle an übergreifender Koordination. So bestehe etwa ein eklatanter Mangel an Abstimmung zwischen den Bundesministerien, aber auch zwischen Bund und Ländern.
Aber auch bei den Grundlagen hapert es laut dieser Studie. Die komplexen Zusammenhänge von Nachhaltigkeit würden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selten in Fortbildungen oder Workshops näher gebracht.
Es fehle ihnen deshalb an Hintergrund und Handwerkszeug, um Lösungsansätze in den jeweiligen Arbeitsbereichen gezielt anzuwenden. Hier muss dringend nachgeschult werden, rät der WWF.
Anlass für den WWF für eine solche Studie ist nach eigenen Angaben der bevorstehende Rio+20- Gipfel. Der erste Gipfel zum Thema Nachhaltigkeit fand 1992 statt. dapd/dhz
Informationen über den Gipfel und die gesamte Studie finden Sie auf der Seite des WWF.