Kolumne Schlechte Ausbildung ist wie Separatorenfleisch

Manche Ausbildungsbetriebe halten sich nicht an den Ausbildungsplan. Damit schmälern sie das Vertrauen in ihre gesamte Branche, findet Ausbildungsberater Peter Braune.

Metzgertheke, Fleischtheke
Skandale in der Lebensmittelindustrie verunsichern Verbraucher. - © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Lebensmittelskandale in Industriebetrieben sorgen immer wieder für Verunsicherung bei den Bürgerinnen und Bürgern. So gibt es manchmal Gammelfleisch im Angebot oder Garnelen, die mit Antibiotika verseucht sind. Hier und da werden Geflügelabfälle umbenannt und an Lebensmittelproduzenten weiterverkauft. Jeder Fall für sich ist schlimm. Ich bin aber immer noch zuversichtlich und nehme nicht die gesamte Lebensmittelwirtschaft oder alle Landwirte in Sippenhaft.

Separatorenfleisch

Mit dem Wort Separatorenfleisch stoße ich jedoch auf einen Begriff der zu der kurz geschilderten Situation passt. Das Fleisch von Schlachttieren sitzt fest an den Knochen. Früher wurde es abgeschabt. Heute ist eine Druckluftbehandlung üblich. Dafür werden die Knochen zerkleinert und in einem großen Kessel gegen ein Sieb gepresst. Bei zu hohem Druck brechen die Knochen, die Reste und der Knorpel geraten in das Fleisch. Die Masse ist feiner als Hackfleisch. Das Produkt gilt als minderwertig. Es kann, abgesehen von einigen Verboten, überall dort eingesetzt werden, wo Fleisch sehr stark zerkleinert verwendet wird. Ob der Schritt absichtlich geschieht oder die Ursache eine falsche Einstellung der Maschine ist, lässt sich offenbar schwer nachweisen.

Ich hoffe sehr, dass mein Metzgermeister seinen Lehrlingen solche Praktiken nicht beibringt. Bei dem Gedanken wird mir als Kunde schlecht. Schon der Ausdruck raubt mir jede Lust am genussvollen Essen. Im Laden müsste die Verwendung durch Hinweise auf den Produkten gekennzeichnet sei, bisher habe ich dort allerdings keine gefunden.

Separatorenausbildung

Die Verwendung von Separatorenfleisch und die Separatorenausbildung haben manche Gemeinsamkeiten. Bei der zuletzt genannten Aktivität handelt es sich um ein systematisches und von allen Rechtsgrundlagen abgetrenntes Handeln. Es kommt leider in manchen Ausbildungsbetrieben vor. Dabei bleiben die Strukturen einer qualitativ hochwertigen und geregelten Lehrlingsausbildung unberücksichtigt. Durch dieses Fehlverhalten von einzelnen wird das Vertrauen in die ganze Branche zerstört. Die Strategie bewegt sich in einer Grauzone. Alle, die gut ausbilden, müssen sich ausdrücklich davon distanzieren. 

Es gibt leider noch zu viele Uneinsichtige, die nach dem Motto handeln: "Das haben wir schon immer so gemacht!" Für sie gibt es, aus ganz persönlichem Eigennutz, immer einen guten Grund nichts zu tun oder nichts ändern zu wollen. Wohlwollend betrachtend fehlt auch manchmal nur die Zeit, um sich ganz persönlich einzusetzen, für so eine wichtige Sache, wie die Förderung und Entwicklung von gut qualifizierten Fachkräften.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.