Kolumne Warum Azubis und Ausbilder so schwer zusammenfinden

Ausbilder im Handwerk haben es nicht leicht, denn die Zahl der Bewerber für die Ausbildungsplätze sinken. Ausbilder machen es den Bewerbern aber manchmal auch nicht leicht, wenn sie zu hohe Anforderungen stellen. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, warum Azubis und Ausbilder derzeit so große Probleme haben, zusammenzufinden.

Azubi im Handwerk
Die sogenannten Passungsprobleme werden im Handwerk immer mehr zum Problem. - © DDRockstar - stock.adobe.com

Wer puzzelt versucht geduldig, aus vielen einzelnen Teilen, ein ganzes zu machen. Der Schwierigkeitsgrad wird durch die Anzahl der Teile oder die farblichen Besonderheiten, mit geringen Abstufungen, beeinflusst. Ein Puzzle ist auch die Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber für den Ausbildungsplatz. Ein Meister versucht geduldig sich ein Bild zu machen. Der Schwierigkeitsgrad wird durch die Anzahl der Bewerbungen oder die Besonderheit geringer Abstufungen beeinflusst. Aus den Bewerbungsunterlagen ist nicht immer sofort die Gradlinigkeit zu erkennen. Hier hilft ein Praktikum, mit Elementen die nicht zum Entscheidungsmotiv der Bewerbung gehören.

Passen Azubis und Ausbilder wirklich kaum mehr zusammen?

Nun müssen beide Seiten die überflüssigen Teile finden. Vielleicht sind auch Person dabei, deren Erscheinungsbild zwei Seiten haben und die Berufswahl durch zweifelhafte Motive beeinflusst wurde. Hier muss zusätzlich die negative Seite ermittelt werden. In einer Situation sinkender Bewerberzahlen ist dann zu entscheiden, ob die Bewerberin oder der Bewerber zum Unternehmen und Beruf passt. Oft ist es sinnvoll diesen Menschen eine Chance zu geben.

Auch eine qualitativ gute Berufsausbildung, in deren Verlauf die Auszubildenden wie Auszubildende behandelt werden, ist eine Art von Puzzle. Es beginnt schon mit der Auswahl der Jugendlichen. Doch manche Puzzleteile sind schon sehr lange verschollen. Es gibt zum Beispiel nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber. Das schlechte Image der Branche wirkt abschreckend. Ein nicht unerheblicher Teil der Ausbildenden behandelt die Auszubildenden nicht als Auszubildende. Es mangelt an allen Ecken und Enden an der erforderlichen Einstellung zur Ausbildung. Es gibt aber Hoffnung.

Zu hohe Anforderungen in den Ausbildungsordnungen?

Zurzeit bietet der Ausbildungsmarkt sehr gute Chancen für alle die eine Schule verlassen. Trotzdem klagen viele Unternehmen über nicht besetzte Ausbildungsplätze. Ein Grund dafür sind die oft sehr hohen Anforderungen, die in den Ausbildungsordnungen vorgegeben sind. Sie orientieren sich oft an den überzogenen Bedürfnissen großer Unternehmen. Von dort sind einige, für die Ausbildung zuständige Personen, für diese Inhalte verantwortlich.

Ein anderer Grund sind die zum Teil übertrieben hohen Anforderungen, an denen die Bewerbung scheitert. Es gibt doch recht viele, die wollen möglichst Jugendliche mit Abitur, mindestens mit einem sehr guten mittleren Bildungsabschluss. Die Vermutung liegt nah, dass man sich um die weniger kümmern muss, weil sie vermutlich intelligent genug sind, um selbst gesteuert zu lernen.

Ob sich die Ausbildenden mit ihren Überlegungen einen Gefallen tun, das ist fraglich. Auf jeden Fall bieten sie nach der Ausbildung oft keine Arbeitsplätze an, die zum Beispiel den Ansprüchen von Menschen mit Hochschulreife entsprechen. Die wollen nach der Ausbildung als Häuptlinge arbeiten.

Immer mehr Lehrstellen bleiben frei

Problematisch kann es auch werden, wenn die Jugendlichen, so wie sie es in der Schule gelernt haben, den Sinn und Zweck bestimmter Aufgaben genau hinterfragen. Da sind schon häufig recht unangenehme Situationen entstanden.

Die mit Hauptschulabschluss haben es leider immer noch sehr schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Sie auszubilden ist oft mühsam. In der Regel lohnt es sich. Wenn sie die Prüfung bestanden haben, das ist mit 50 Punkten der Fall, entwickeln sie sich im Laufe der Zeit zu guten und loyalen Beschäftigten.

In dieser Situation spielt natürlich auch das Image der verschiedenen Gewerke eine wichtige Rolle. Wenige Jugendlichen können sich vorstellen in der Landwirtschaft zu arbeiten. Auch der Bereich Transport und Spedition bietet offenbar keine verlockende Aussicht.  Nur etwa 16 Prozent der Jugendlichen wollen eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe machen. Wenn die Statistik stimmt, bleiben im Handwerk rund 40 Prozent der Lehrstellen frei.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.