Coronavirus -

Umgang mit Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Gläubigern Richtig kommunizieren in Zeiten von Corona

Die "größte Herausforderung seit dem 2. Weltkrieg“ hinterlässt ihre Spuren. Unternehmer, aber auch ihre Mitarbeiter sind tief verunsichert. Zur gesundheitlichen Sorge kommen mittlerweile ernstzunehmende Existenzängste. Keines der Probleme lässt sich schnell lösen. Gute Kommunikation hilft aber, besser duch die Krise zu navigieren. Was Unternehmer in Zeiten von Corona zu wem sagen sollten.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Was niemand für möglich gehalten hätte, ist plötzlich Realität: In Deutschland steht fast alles still. Handwerker verzweifeln, weil ihre Einnahmen wegbrechen, die Verbindlichkeiten aber weiter bestehen und ihre Ressourcen schnell erschöpft sind. Hinzu kommt die Verantwortung für die Mitarbeiter, die ihrer Angst Luft machen.

Wenn die Nerven blank liegen, ist bewusste Kommunikation besonders wichtig, um die Situation nicht eskalieren zu lassen.

Krisenmanager David Rölleke erhält derzeit täglich zahlreiche Anrufe von Unternehmern in der Krise. Folgende Tipps gibt er ihnen zur Kommunikation in Krisenzeiten:

Existenzängste von Chef und Mitarbeitern

"Man muss den Mitarbeitern ganz klar sagen, dass alle im selben Boot sitzen“, betont Rölleke. Viele Mitarbeiter machten sich nicht bewusst, dass der Chef ebenso auf sein Gehalt angewiesen ist wie sie selbst. Gleichzeitig solle der Unternehmer eine gesunde Distanz aufbauen: "Viele Chefs werden bis spät abends mit What`s App-Nachrichten der Mitarbeiter bedrängt“, berichtet er aus seinen Erfahrungen. "Da muss er sagen: Hört auf damit.“ Der Chef solle allen klarmachen, dass er sich kümmere, aber dafür Ruhe brauche. "Er kann die Mitarbeiter beruhigen, wenn er ihnen sagt: Ich habe die verschiedenen Rettungsprogramme und Fördergelder im Blick, ich bin informiert und sorge für unsere Liquidität.“ Allzu genau solle er in seinen Informationen dabei aber nicht werden, um ständige Nachfragen des Teams zu vermeiden.

Wenn er entsprechend abgesichert ist, beruhige eine Aussage wie: "Wir können uns drei Monate halten.“ Falsche Hoffnungen zu machen sei aber tabu.

Umgang mit ängstlichen und kritischen Mitarbeitern

Nicht alle Handwerker sind glücklich darüber, dass ihr Betrieb noch weiterläuft. Sie haben Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Rölleke empfiehlt hier eine gleichzeitig positive und beruhigende Kommunikation: "Es ist wichtig, ganz offen zu sprechen“, betont er. Der Chef solle diesen Mitarbeitern verdeutlichen, wie froh er ist, den Betrieb weiter öffnen zu können, weil das die Arbeitsplätze sichert. "Aber er sollte den Mitarbeitern auch zeigen, dass er auf dem aktuellen Stand aller Schutzmaßnahmen ist.“

Es beruhige die Mitarbeiter, wenn der Chef sich hier informiert zeigt und dem Team klare Handlungsanweisungen gibt: Mindestabstände, Hygieneregeln, Kontakte reduzieren und ihnen auch aufzeigt, wie sie sich im Kundenkontakt verhalten können.

>>>Zum Artikel: Ansteckungsrisiko minimieren: Im Betrieb, auf dem Bau, beim Kunden >>>

Wenn ein Mitarbeiter zu einer Risikogruppe gehört oder sich von der Situation zu belastet fühlt, empfiehlt Rölleke Einzelgespräche. Wichtig sei dabei, sich die Bedenken anzuhören und dann gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Kritiker der aktuellen Schutzmaßnahmen brauchen wiederum eine andere Ansprache, ebenfalls am besten im Einzelgespräch. Hier rät Rölleke, den Mitarbeiter auf das Team einzuschwören. Mit Sätzen wie: "Lasst uns alle daran halten, dann können wir unseren Betrieb über diese Zeit retten“, könne der Widerstand gegen die aktuellen Schutzmaßnahmen am ehesten überwunden werden.

Betriebsschließungen nach innen kommunizieren

Friseure mussten ihre Betriebe schließen, hier ist die Lage klar. Anders sieht es in Betrieben aus, die zwar offiziell weiter öffnen dürfen, bei denen die Kunden aber wegbleiben. "Manchmal ist es sinnvoller, den Laden zu schließen, wenn sich dadurch Geld einsparen lässt“, weiß Rölleke und empfiehlt, auch das den Mitarbeitern zu erklären. "Wenn der Chef nicht mehr im Betrieb stehen muss, hat er auch mehr Zeit, um sich mit dem Steuerberater auszutauschen oder Fördermittel zu beantragen“, liefert Rölleke ein weiteres Argument für das Teamgespräch.

Umgang mit Kunden

 "Wer jetzt noch raus zu Terminen vor Ort muss, sollte gleich im Eingangsbereich die Abstandsregeln ansprechen“, empfiehlt Rölleke. In gebührendem Abstand könne man klären, was zu bearbeiten sei und was der Hausherr dafür tun müsse. "So kann man peinliche Unsicherheiten vermeiden und trotzdem die Sicherheitsabstände einhalten.“

Wer Kundenanfragen bekommt, die im Moment besser warten sollten, könne dennoch positiv antworten. "Lassen Sie sich schon einmal die Lagepläne zumailen und sagen Sie dem Kunden zu, die Planung auszuarbeiten“, empfiehlt der Krisenmanager.

Mit Gläubigern kommunizieren

Rölleke sieht ein großes Problem bei Verbindlichkeiten auf die Unternehmer zukommen. 13 bis 17 offene Posten hätten seiner Erfahrung nach Betriebe am Ende des Monats noch. Komme es da jetzt zu Zahlungsausfällen wegen der Coronakrise, drohten den Betrieben für die Zukunft entsprechende Einträge bei der Schufa und eine schlechtere Bonitätseinstufung.

"Es wird gerade so hart angemahnt wie nie“, beobachtet er. Deswegen empfiehlt Rölleke Unternehmern, eine Liste all ihrer Verbindlichkeiten zu erstellen und die Gläubiger schon jetzt von sich aus aktiv anzuschreiben, wenn sie diese Schuld nicht fristgerecht begleichen können. Zu den Gläubigern zählten nicht nur Geschäftspartner oder Lieferanten, sondern auch die eigenen Mitarbeiter, sofern die Löhne nicht mehr pünktlich kommen. "Wichtig ist, diese Krise zu kommunzieren“, ist Rölleke überzeugt. Wer vorab den Gläubigern schreibt, müsse sich hinterher nicht vorwerfen lassen, er habe das Problem aussitzen wollen.

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit hat ein Themendossier zu Arbeiten in Zeiten von Corona erstellt. Hier finden sich weitere Hinweise und Handlungshilfen für Unternehmer und Beschäftigte, die durch die Krise unter Stress geraten.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten