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Corona-Epidemie Ansteckungsrisiko minimieren: Im Betrieb, auf dem Bau, beim Kunden

Kunden und Mitarbeiter fürchten das Ansteckungsrisiko. Die Corona-Epidemie stellt auch jene Gewerke vor Herausforderungen, die ihrer Tätigkeit noch weiterhin nachgehen dürfen. Hier einige Tipps, wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter im Arbeitsalltag richtig schützen – und was es beim Kundenkontakt zu beachten gilt.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Die aktuelle Corona-Epidemie und die damit einhergehenden Maßnahmen zu dessen Eindämmung wirken sich auch auf jene Handwerksbetriebe aus, die ihrer Arbeit weiterhin nachgehen dürfen. Wirtschaftlich belasten die Branche stornierte Aufträge, offene Forderungen, abgesagte Termine, fehlende Materialien und Baustoffe – oder es ist schlicht kein normaler Betrieb möglich, weil Teile der Belegschaft unter Quarantäne stehen oder wegen fehlender Kinderbetreuung ausfallen.

Doch auch die hygienischen und organisatorischen Maßnahmen sind herausfordernd. Arbeitgeber haben gegenüber ihren Mitarbeitern eine arbeitsvertragliche Schutz- und Fürsorgepflicht. Die Erkrankungsrisiken und Gesundheitsgefahren müssen im Betrieb so gering wie möglich gehalten werden. "Die Gesundheit der Bauleute steht an oberster Stelle. Dabei sind alle gefordert: die Arbeitnehmer, die Arbeitgeber, die Bauleiter und Poliere auf den Baustellen, die Betriebsräte, Verbandsvertreter und Gewerkschaftssekretäre vor Ort. Wir alle leben vom Bau und müssen mit gutem Beispiel vorangehen", appellierten die Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft in einem gemeinsamen Aufruf an alle Baubetriebe und deren Arbeitnehmer.

Wie im betrieblichen Alltag und im Kundenkontakt das Ansteckungsrisiko minimiert werden kann, zeigt folgender Überblick:

Was Sie über das Coronavirus wissen müssen

Das Coronavirus wird durch Tröpfchen über die Luft oder über kontaminierte Hände auf die Schleimhäute übertragen. Nach einer Infektion kann es bis zu zwei Wochen dauern bis Krankheitszeichen auftreten. Im Mittel dauert es fünf bis sechs Tage. In etwa 80 Prozent der Infektionen verlaufen jedoch mild und ohne erkennbare Symptome. Falls doch, treten häufig Fieber und trockener Husten auf, hin und wieder berichten Betroffene von Müdigkeit, Kopfweh, Kurzatmigkeit sowie von Glieder- und Halsschmerzen. Durchfall und Schnupfen treten ebenfalls, aber eher selten auf. Infizierte sind auch dann schon ansteckend, wenn sie (noch) beschwerdefrei sind.

So lange überlebt das Virus auf Oberflächen

Wissenschaftler aus den USA haben untersucht, wie lange das neuartige SARS-CoV-2 in der Luft (Aerosol) und auf Oberflächen aus Plastik, Edelstahl, Kupfer und Pappe überleben kann.

Im Aerosol konnte SARS-CoV-2 über 3 Stunden nachgewiesen werden, die Menge der Viren nahm dabei stetig ab. Auf Plastik und Edelstahl konnte der Virus am längsten nachgewiesen werden: Bis zu 72 Stunden lang, aber mit abnehmender Konzentration. Auf Kupfer konnte SARS-CoV-2 nach 4 Stunden nicht mehr nachgewiesen werden. Bei Pappe war dies nach 24 Stunden der Fall.

Bei allen Experimenten nahm die Viruskonzentration über die Zeit ab. Die Halbwertszeit von SARS-CoV-2 lag geschätzt bei 1,1 bis 1,2 Stunden. Auch auf Kupfer war die Halbwertszeit der Viren ähnlich. Am längsten überlebten die Viren auf Edelstahl und Plastik, die Halbwertszeit schätzten die Wissenschaftler auf 5,6 beziehungsweise 6,8 Stunden.

Wer persönlichen Kontakt zu einer Person hatte, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sollte sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen, einen Arzt kontaktieren und zuhause blieben. Das zuständige Gesundheitsamt kann über eine Datenbank des Robert Koch-Instituts ermittelt werden: https://tools.rki.de/PLZTool/

Arbeitgeberpflichten

Der Arbeitgeber muss erforderliche Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände treffen, um die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Im Falle des Coronavirus gehört dazu auch die Ermittlung bestehender Risiken, also auch eine Regelung, mit der Mitarbeiter verpflichtet werden, bei Kontakt mit Infektionsrisiko I und II den Arbeitgeber zu informieren (Hinweise zu den Infektionskategorien hier)

Die Gefährdungen am Arbeitsplatz zu ermitteln, diese zu beurteilen und Maßnahmen zur Abwehr oder Minimierung festzulegen, wird als Gefährdungsbeurteilung bezeichnet (§ 5 ArbSchG). Diese Gefährdungsbeurteilung ist zu dokumentieren. Die BG Bau stellt hierzu eine Kurz-Handlungshilfe zur Erstellung und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung für Beschäftigte im Außendienst (Coronavirus) zur Verfügung.

Arbeitgeber sind zudem verpflichtet, ihre Beschäftigten in Bezug auf die einzuhaltenden Hygienemaßnahmen und Schutzvorkehrungen zu unterweisen. Das bedeutet, dass den Beschäftigten erklärt werden muss, wie sie Ansteckungsrisiken minimieren. Gibt es im Betrieb einen Betriebsrat oder Personalrat, sind die Hygieneanweisungen mitbestimmungspflichtig.

Ansteckungsrisiko minimieren: Im Betrieb und auf der Baustelle

Arbeitgeber:

  • Waschmöglichkeiten und -lotion sowie Einmalhandtücher für die Hände bereithalten, auch dort, wo das bisher nicht durch die Arbeitsstättenverordnung vorgeschrieben ist
  • Hand-Desinfektionsmittelspender aufstellen, sollten Waschmöglichkeiten fehlen
  • An- und Rückfahrt von und zur Baustelle einzeln statt in Fahrgemeinschaften (1,5 Meter Abstand) ermöglichen, Nutzung des Privat-Pkw ggf. mit Kilometerpauschale vergüten (in Bauwirtschaft ist die Kostenerstattung durch den Arbeitgeber im Bundesrahmentarifvertrag geregelt)
  • Brille und Handschuhe, Mundschutz (soweit vorhanden) zur Verfügung stellen
  • Unterstände im Freien statt geschlossene Baucontainer als Pausenräume einrichten, Pausen ggf. zu unterschiedlichen Zeiten organisieren
  • Sozial- und Sanitärräume sowie viel genutzte Flächen wie Türklinken oder etwa Lenkräder und Schaltknüppel in Firmenfahrzeugen regelmäßig fachmännisch reinigen
  • Einhaltung der Abstandsregelungen auch bei Unterkünften ermöglichen
  • Festlegen, wie verfahren wird, wenn Beschäftigte während der Arbeit Krankheitssymptome bekommen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) empfiehlt etwa Verhaltens- und Schutzmaßnahmen für die Betreuenden (Abstand, hygienisches Verhalten, ggf. das Tragen einer Atemschutzmaske), ggf. auch eine Desinfektions- und Freigaberegelung für Arbeitsplätze schriftlich vorzugeben, z. B. in Form einer Betriebsanweisung. Wenn ein Beschäftigter Symptome aufweist, kann es sinnvoll sein, wenn dieser einen Mund-Nasen-Schutz trägt, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen zu verringern. Das Tragen eines solchen Mundschutzes dient somit eher dem Fremd- als dem Eigenschutz
  • Infektionen und entsprechende Verdachtsfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus unterfallen seit dem 1. Februar 2020 der Meldepflicht. Meldungen von Erkrankungs- und Verdachtsfällen erfolgen über die zuständigen Gesundheitsämter. Das für Sie zuständige Gesundheitsamt finden Sie auf der Webseite: https://tools.rki.de/PLZTool/

Beschäftigte:

  • Falls mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen, umgehend melden und nicht mehr zur Arbeit kommen
  • Vorgegebene Maßnahmen des Arbeitgebers konsequent einhalten
  • Persönliche Schutzausrüstung (soweit vorhanden) tragen
  • Handkontakte vermeiden
  • Wo immer es möglich ist: 1,5 Meter Abstand halten
  • Regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden Händewaschen, insbesondere nach Personenkontakten und Berühren von Gegenständen, die möglicherweise von Erkrankten angefasst wurden
  • Ungewaschene Hände aus dem Gesicht fernhalten, insbesondere von Augen, Mund und Nase
  • Hand-Desinfektionsmittel verwenden, wenn keine Möglichkeit zum Waschen der Hände besteht
  • Abstand zu Hustenden halten
  • In die Armbeuge oder in ein Taschentuch husten, nicht in die Hand
  • Arbeitsräume etwa vier Mal täglich für ca. zehn Minuten lüften
  • Festgelegte Vorgehensweise beim Umgang mit erkrankten Kollegen beachten

Ansteckungsrisiko minimieren: Im Kundenkontakt

Grundsätzlich gelten dieselben Empfehlungen wie im Betrieb und auf der Baustelle. Den besten Schutz gewährleisten die konsequent umgesetzten Husten- und Niesregeln, eine gute Händehygiene sowie Abstandhalten zu Erkrankten. Auf das Händeschütteln sollte auf jeden Fall verzichtet werden. Wenn möglich, sollte für regelmäßiges Lüften gesorgt werden. Eine Verpflichtung, Atemschutzmasken, Gummihandschuhe oder andere Schutzkleidung zu tragen, besteht nicht.

Vor Terminen beim Kunden sollten Betriebe abfragen, ob dort eine Infektion oder ein Verdachtsfall vorliegen. Ist dies der Fall, sollte der Termin möglichst abgelehnt werden. Aufträge sollten nur im äußersten Notfall und unter hohen Schutzvorkehrungen erfolgen. Wie diese auszusehen haben, sollte vorab mit dem zuständigen Gesundheitsamt besprochen werden. Das für Sie zuständige Gesundheitsamt finden Sie auf der Webseite: https://tools.rki.de/PLZTool/

Betriebe sollten die Bedenken ihrer Kunden ernstnehmen. Aufträge können jedoch nicht aus Angst vor dem Ansteckungsrisiko gekündigt werden. Soweit möglich kann über eine Verschiebung des Termins nachgedacht werden. In dem Fall sollte geprüft werden, ob der Auftraggeber unter Umständen zusätzlich entstehende Kosten zu übernehmen hat.

Handlungshilfen der Berufsgenossenschaften

Weiterführende Informationen, wie das Ansteckungsrisiko im Berufsalltag minimiert werden kann, bieten die Berufsgenossenschaften auf ausführlichen Themenseiten. Eine Auswahl:

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