Politik + Wirtschaft -

Ruhestand nach 45 Beitragsjahren: Teurer als je geplant Rente mit 63: Für wen sie gilt

Vor fünf Jahren wurde die Rente mit 63 beschlossen, mittlerweile hat sie sich etabliert. Doch sie kostet mehr als gedacht. Wer ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren in Rente gehen kann, nutzt dies auch. Doch für wen gilt die Rente mit 63 wirklich?

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Früher in die Rente

Beschäftigte, die die "Rente mit 63" ohne Abschläge in Anspruch nehmen möchten, müssen 45 Beitragsjahre auf dem Rentenkonto nachweisen. Der eigentlche Name dieses Rentenmodells lautet "Altersrente für besonders langjährig Versicherte". Sie trat im Jahr 2014 in Kraft undhat in den Folgejahren höhere Kosten verursacht, als es die Bundesregierung vorgesehen hatte. Das hat das Ifo-Institut berechnet und warnt davor, dass die Mehrausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung künftig noch stärker steigen. So hat die "Rente mit 63" in den Jahren 2014 bis 2016 statt rund fünf Milliarden Euro eine Summe von 6,5 Milliarden Euro gekostet. "Werden Ausfälle an Steuern und Sozialbeiträgen hinzugerechnet, liegen die Gesamtkosten in dem Zeitraum sogar bei 12,5 Milliarden Euro", melden die Wirtschaftsforscher.

Als Grund für die Mehrkosten nennen sie, dass diese Form der Frührente von vielen Arbeitnehmern gerne genutzt wird. Denn: Personen, die die „Rente mit 63“ in Anspruch nehmen können, bekommen im Durchschnitt deutlich höhere Renten als Menschen, die nur mit Abschlägen in Frührente gehen können. So gehen sie durchschnittlich 5,4 Monate früher in Rente - Männer reagieren im Schnitt neun Monate früher und Frauen vier Monate.

Doch wer genau bekommt die "Rente mit 63" unter welchen Voraussetzungen? Was zählt zu den 45 Beitragsjahren? Alle wichtigen Fakten kurz und bündig zusammengefasst.

Für wen gilt die Rente mit 63?

Die Hauptvoraussetzung ist, dass Arbeitnehmer mindestens 45 Beitragsjahre in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis vorweisen können.

Denn sind sie sozialversicherungspflichtig beschäftigt, zahlen sie monatlich pflichtgemäß in die Rentenversicherung ein. Die Zeit in einem solchen Beschäftigungsverhältnis zählt also zu den Beitragsjahren.

Seit dem 1. Januar 2013 zählen auch Minijobs mit 450 Euro zu den sozialversicherungspflichtigen Berufen und können somit als Beitragsjahre geltend gemacht werden. Rückwirkend gilt diese Regelung allerdings nicht. Nur Mini-Jobber, die vor dem Jahr 2013 aufgestockt und somit in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, können diese als Beitragsjahre geltend machen. Allerdings gibt es die Möglichkeit der Aufstockung erst seit 1999.

Darüber hinaus zählen Zeiten der Arbeitslosigkeit zu den 45 Beitragsjahren. Allerdings gilt das nur bei Bezügen von ALG I.

Wer Zivil- oder Wehrdienst geleistet hat, bekommt diesen Zeitraum anerkannt. Auch Menschen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen 14 Stunden die Woche betreuen, können die Pflegezeiten als Beitragsjahre geltend machen.

45 Beitragsjahre: Was zählt dazu?

Laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung zählen Insbesondere folgende Zeiten zu den 45 Beitragsjahren:

  • Zeiten mit den Pflichtbeiträgen aus der Beschäftigung
  • bei geringfügiger, nicht versicherungspflichtiger Beschäftigung (anteilige Berücksichtigung)
  • Pflichtbeiträge aus selbstständiger Tätigkeit
  • Zeiten mit freiwilligen Beiträgen, wenn mindestens 18 Jahre mit Pflichtbeiträgen aus einer Beschäftigung oder selbstständigen Beschäftigung vorhanden sind
  • Zeiten der Wehr- und Zivildienstpflicht
  • Zeiten der nicht erwerbsmäßigen Pflege von Angehörigen
  • Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes
  • Zeiten, in denen Arbeits- und Teilarbeitslosengeld, Leistungen bei Krankheit (zum Beispiel Krankengeld, Verletztengeld) oder Übergangsgeld bezogen wurden
  • Zeiten des Bezugs von Leistungen bei beruflicher Weiterbildung
  • Zeiten des Bezugs von Insolvenzgeld und Konkursausfallgeld

Rente mit 63: Was zählt nicht zu den 45 Beitragsjahren?

Nicht berücksichtigt werden reine Schulzeiten, beispielsweise wenn eine Fachhochschule oder Hochschule besucht wird. Auch der Bezug von Arbeitslosengeld II zählt nicht zu den 45 Beitragsjahren. Anders ist es dagegen bei Arbeitslosengeld I.

Zeiten des Arbeitslosengeld-I-Bezugs werden zu den 45 Beitragsjahren hinzugerechnet. Mit einer Ausnahme: Die letzten beiden Jahre vor Renteneintritt werden nicht berücksichtigt. Dafür wird ein sogenannter "rollierender Stichtag" eingeführt. Dieser soll verhindern, dass Arbeitnehmer mit 61 Jahren aufhören zu arbeiten, zwei Jahre lang Arbeitslosengeld I beziehen und dann in Rente mit 63 gehen. Doch es gilt auch eine Ausnahme von der Ausnahme: Wenn Arbeitnehmer in den letzten beide Jahre vor der Rente arbeitslos werden, weil der Betrieb, in dem sie beschäftigt waren insolvent ist oder weil eine vollständige Geschäftsaufgabe stattfindet, werden die Jahre doch berücksichtigt.

Ab wann kann die Rente mit 63 in Anspruch genommen werden? 

Wer 63 Jahre oder älter ist und noch keine Altersrente bezieht, kann laut Gesetz seit 1. Juli 2014 ohne zusätzliche Abschläge in Rente gehen können, vorausgesetzt, dass alle Bedingungen dieser Altersrente erfüllt sind.

Für die Geburtenjahrgänge ab 1953 wird die Altersgrenze von 63 Jahren schrittweise auf 65 Jahre angehoben. Auch wenn Arbeitnehmer Anspruch auf die Rente mit 63 haben, sind sie nicht verpflichtet, diese auch in Anspruch zu nehmen. Sie können weiterarbeiten.

In diesen Schritten wird die "Rente mit 63" zur "Rente mit 65":

Geburtsjahr des Versicherten Anhebung um Monate Auf Alter (Jahr und Monat)
1953 2 63 Jahre und 2 Monate
1954 4 63 Jahre und 4 Monate
1955 6 63 Jahre und 6 Monate
1956 8 63 Jahre und 8 Monate
1957 10 63 Jahre und 10 Monate
1958 12 64 Jahre und 0 Monate
1959 14 64 Jahre und 2 Monate
1960 16 64 Jahre und 4 Monate
1961 18 64 Jahre und 6 Monate
1962 20 64 Jahre und 8 Monate
1963 22 64 Jahre und 10 Monate
Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

Rente mit 63: Was darf man hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird?

Beim Hinzuverdienst zur "Rente mit 63" gilt das Gleiche wie bei anderen Rentenmodellen, die auf einen vorzeitigen Renteneintritt setzen. Bisher gilt: Liegt er monatlich höher als 450 Euro, wird er auf die Rente angerechnet bzw. wird diese entsprechend gekürzt. Zwei Mal im Jahr dürfen es 900 Euro sein. Ab Juli 2017 werden diese Regelungen allerdings etwas flexibler, so dass es sich nicht mehr um einen monatlichen Hinzuverdienst handelt, der Einfluss auf die Rente hat, sondern um eine Gesamtsumme des ganzes Jahres. Sie darf dann nicht höher als 6.300 Euro liegen.

Die Kürzung der Rente - falls die Hinzuverdienstgrenze überschritten wird - erfolgt ab Juli 2017 nicht mehr in den bisherigen starren Teilrentenschritten. Ist der Hinzuverdienst höher, werden in Zukunft 40 Prozent von dem über den 6.300 Euro liegenden Betrag von der Rente abgezogen.

Zusätzlich zur Rente mit 63 , die nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge (Altersrente für besonders längjährige Versicherte) beantragt werden kann, gibt es die Rente mit 63 nach 35 Beitragsjahren (Altersrente für längjährige Versicherte). Allerdings müssen Arbeitnehmer dann mit Abschlägen rechnen. Informationen dazu finden Sie hier.>>>

dhz /jtw

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten