Die private Krankenversicherung hat viele Vorteile. Dennoch gilt: Wer wechseln will, sollte sich gut informieren. Darauf sollten Sie achten.

Ja! Nein! Ja! Nein! Ja … Erinnern Sie sich an das Gänseblümchenspiel? War eine Frage schwer zu beantworten, half in der Kindheit mitunter das Zupfen der weißen Blütenblättchen. Für Erwachsene dagegen ist das eher keine Option – vor allem nicht, wenn es um die Wahl der richtigen Krankenkasse geht. Denn bei der Entscheidung gesetzlich oder privat gibt es viele Aspekte zu beachten und nur selten überhaupt ein klares Ja oder Nein.
Rein formal ganz einfach
Dabei ist die Sache rein formal ganz einfach, schließlich gibt es genaue Vorgaben. Vier Personengruppen können überhaupt nur in die private Krankenversicherung wechseln: Arbeitnehmer, deren Einkommen über der sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) von derzeit 69.300 Euro brutto liegt, Selbstständige, Studenten und Beamte. Doch die Formalien beantworten nur einen kleinen Teil der Frage, darin ist sich die Fachwelt einig.
Mindestens ebenso wichtig, wenn nicht überhaupt am wichtigsten, ist die Motivation. "Geht es nur darum, weniger Beitrag zu zahlen", formuliert es Versicherungsmakler Sven Hennig, "ist das in der Regel der völlig falsche Ansatz". Und weder Branchenvertreter noch Verbraucherschützer widersprechen ihm. Denn rein finanziell betrachtet lohnt sich die PKV allenfalls für Beihilfeberechtigte, die einen Teil erstattet bekommen. In der Regel 50 Prozent, im Ruhestand mitunter sogar 70 Prozent.
Auch in die Zukunft schauen
Für alle anderen und insbesondere auch für Selbstständige gilt: Sie müssen genau rechnen und dabei weit in die Zukunft blicken: Denn auch wenn die Beträge für junge, gesunde Menschen anfangs oftmals deutlich unter den gesetzlichen Pflichtbeiträgen liegen, im Laufe der Jahre steigen sie kontinuierlich an. Wird ein Vertrag frühzeitig abgeschlossen, wird er sich bis ins Rentenalter mindestens verdreifachen.
Vor allem, wenn das Einkommen nur knapp über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, sollte daher sehr genau überlegt werden: Wie wird sich die finanzielle Situation in Zukunft entwickeln? Steht die Selbstständigkeit wirklich auf sicherem Fundament? Und vor allem: Wie sieht die Familienplanung aus? Eine kostenlose Mitversicherung kennt die PKV nicht. Makler Hennig sieht die Grenze für einen sorgenfreien Umstieg daher auch deutlich höher als der Gesetzgeber, nämlich erst dann, wenn es sechsstellig wird – und bleibt.
Ist das allerdings gegeben, gibt es viele Vorteile. Dabei aus Sicht der meisten Experten der wichtigste: PKV-Kunden können sich exakt die Leistungen aussuchen, die sie von ihrer Versicherung erwarten. Darunter oft auch solche, die gesetzlich Versicherten verwehrt bleiben.
Medizinische Vorteile in der PKV
Wobei die Wahl eines Ein- oder Zweibettzimmers oder Chefarztbehandlung im Krankenhaus und schneller verfügbare Termine bei Fachärzten dabei noch die unwichtigsten Dinge sind. Am wichtigsten, erläutert Medizinerin Daniela Hubloher, ist der frühe Anspruch auf neue ambulante Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Hubloher arbeitet als Patientenberaterin bei der Verbraucherzentrale Frankfurt und stellt klar: "Kassenpatienten kommen sie erst zugute, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sie bewertet und zugelassen hat. Und das kann dauern."
Hinzu kommt: Während sich für gesetzlich Versicherte die Rahmenbedingungen jederzeit ändern können und beispielsweise bestimmte Leistungen wie Vorsorgeuntersuchungen oder Zahnersatz nicht mehr oder nicht mehr voll übernommen werden, ist bei der PKV das einmal gewählte Tarifpaket für den Versicherer bindend. Im Idealfall können Privatversicherte die eigene Behandlung steuern, GKV-Mitglieder dagegen nicht.
Die Versicherten entscheiden
Seit in den 1990er-Jahren der staatliche Einfluss reduziert wurde, können Krankenversicherer die Bedingungen und Tarifklassen nahezu frei gestalten, wie Versicherungsanalysten betonen. Für PKV-Kunden bedeutet das, dass sie beispielsweise selbst bestimmen können, in welchem Umfang Arznei- und Heilmittel erstattet werden sollen. Ob sie Psychotherapie, Reha oder ambulante Transportkosten einschließen möchten oder eben auch nicht? Oder auch, ob sie Hausarztprinzip für sinnvoll halten? Das ist allerdings nicht immer eine einfache Aufgabe.
Denn nicht nur die Leistungen variieren stark, sondern auch die Kosten, wie regelmäßige Anbietertests in Finanzzeitschriften oder von Stiftung Warentest zeigen. Wer also wirklich den optimalen Tarif für sich finden will, muss sich entsprechend intensiv mit dem Kleingedruckten befassen. Zumal es fast in jedem Tarif vertragliche Extras und Ausnahmen gibt.
Ebenfalls wichtig ist, wenn man sich für die private Kasse entscheidet: Auch nach dem Abschluss, bleibt der Aufwand groß. Wer in der Gesetzlichen Krankenversicherung ist, lässt einmal im Quartal die Versicherungskarte scannen. Privatpatienten müssen erst selbst zahlen und dann die Rechnungen einreichen. Darüber muss man sich bewusst sein.
Und noch einen Aspekt bringen die Experten ins Spiel. Viel älter als 40 sollte man besser nicht sein. Denn damit die Kosten im Alter nicht zu sehr steigen, fließt ein Teil des Beitrages in die sogenannte Altersrückstellung. Damit das klappt, muss der Zeitraum groß genug sein.
Wenn doch was dazwischen kommt
Nicht immer lassen sich alle Eventualitäten des Lebens planen. Gut zu wissen, welche Alternativen es gibt.
- Normaler Tarifwechsel
Jeder Kunde kann von seinem Versicherer den Wechsel in einen günstigeren Tarif mit gleichen Leistungen verlangen. Bereits erworbene Altersrückstellungen bleiben dabei erhalten. Allerdings: Versicherer sind zwar verpflichtet, bei jeder Beitragserhöhung auf das Wechselrecht hinzuweisen, tatsächlich sind viele Versicherer jedoch nicht wirklich offen für interne Wechsel. Hier ist also Durchsetzungskraft gefragt. - Umstieg in Sozialtarife
Ist der Einkommensverlust sehr deutlich, ist auch ein Wechsel in die sogenannten Sozialtarife möglich. Welcher infrage kommt, hängt davon ab, wann die PKV erstmalig abgeschlossen wurde. Problem: Eine Rückkehr in den normalen Tarif geht dann oft nur mit erneuter Gesundheitsprüfung. Reißen alle Stricke, bleibt der sogenannte Notlagentarif für 100 bis 150 Euro im Monat, der aber auch wirklich nur Notversorgung garantiert. - Neue Versicherungsgesellschaft
Wenig empfehlenswert ist es zumeist, die Versicherungsgesellschaft zu wechseln, denn bei Verträgen, die vor 2009 geschlossen wurden, fallen die Altersrückstellungen komplett weg, bei jüngeren Kontrakten dürfen sie nur teilweise mitgenommen werden. Grundsätzlich gilt: Je länger der Altvertrag bereits läuft, desto höher wird der Beitrag für den neuen, denn es gilt das aktuelle – höhere – Alter als neues Eintrittsalter, was automatisch preissteigernd wirkt. - Kompletter Ausstieg
Außer bei Studenten, die nach dem Studium neu wählen dürfen, ist die Rückkehr in die GKV nur für Angestellte möglich, wenn ihr Einkommen unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze fällt. Selbstständige müssten also in eine Festanstellung wechseln. Zudem geht das nur, wenn man unter 55 ist. Danach bleibt nur noch die Rückkehr über die Familienversicherung. Problem dabei: Wer in der zweiten Hälfte seines Berufslebens nicht mindestens zu 90 Prozent in der GKV war, darf nicht in die günstigere Krankenversicherung für Rentner, sondern muss sich "freiwillig" versichern. Das heißt, er muss Beiträge auf alle Einnahmen zahlen, auch auf Kapitalerträge oder Mieten.