Extra-Portion Ausbildung Praxisnah ausbilden: Lotters Lösung für Lernerfolg und gute Laune

Auszubildende zu finden, ist nicht einfach. Noch schwerer ist es, sie bei Laune zu halten und sicher zur Gesellenprüfung zu führen. Handwerksmeister Andreas Lotter setzt deswegen seit einem Jahr auf ein intensives Onboarding zum Ausbildungsstart. Wie er vorgeht.

Andreas Lotter und sein Monteur Michael Rom erklären den neuen Azubis Grundlagen des Berufs, beispielsweise, wie ein Elektrostab funktioniert, der mit Strom aus einer PV-Anlage Warmwasser be­reitet.
Heiztechnik zum Anfassen: Andreas Lotter (rechts) und sein Monteur Michael Rom erklären den neuen Azubis Grundlagen des Berufs, beispielsweise, wie ein Elektrostab funktioniert, der mit Strom aus einer PV-Anlage Warmwasser be­reitet. - © Marcus Rebmann

Erst einmal in die Schulbank statt auf die Baustelle: So lässt sich Andreas Lotters Idee für ein Onboarding von Auszubildenden zusammenfassen. Seit vergangenem Jahr setzt der Installateur- und Heizungsbaumeister und Energieberater aus Pfreimd in der Oberpfalz auf intensive Schulungen zum Ausbildungsstart, um dem Fachkräftemangel im SHK-Handwerk zu begegnen (die DHZ berichtete). Doch wie hat sich das Prinzip bewährt?

"Sehr gut", antwortet der Chef von 25 Mitarbeitern. Er will das Programm 2024 nicht nur wiederholen, sondern sogar intensivieren. Wie schon 2023 vermittelte er den Auszubildenden in der ersten Septemberwoche Grundlagen des SHK-Berufs: "Es geht darum, den Lehrlingen von Anfang an ein klares Bild davon zu vermitteln, was von ihnen erwartet wird und wie der Betrieb funktioniert", erklärt der Geschäftsführer der Haus­technik Lotter GmbH.

Von Technik bis Verwaltung

Im hauseigenen Seminarraum bekommen die Lehrlinge durch Lotter und sein Team einen Überblick über die Funktionsweisen von Heizsystemen, lernen aber beispielsweise auch, wie sie Stundenzettel korrekt ausfüllen – wichtige Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf im Büro. Auch Sicherheitsunterweisungen finden in dieser ersten Woche statt. In der Mitte der Einführungswoche haben die Azubis dann Material- und Werkzeugkunde inklusive praktischer Übungen.

2023 beteiligten sich neben Lotters eigenen auch die Auszubildenden von sechs Unternehmen aus der Region an dem Pilotprojekt. Dieser Jahrgang sei über das gemeinsame Lernen regelrecht zu einer Clique zusammengewachsen, freut sich Lotter über die gute Stimmung unter den jungen Leuten. Im neuen Ausbildungsjahr vertrauen nun zehn Betriebe aus der SHK-Branche ihre Lehrlinge Lotter an. Neben der ersten Ausbildungswoche werden diese dann auch in den Herbstferien im Schulungsraum sitzen. Dann geht es um berufliche Perspektiven, die ihnen ihre Ausbildung gerade im Hinblick auf die Energiewende bietet.

Nicht nur die Azubis lernen bei diesen Treffen dazu. Auch Lotter selbst gewinnt immer wieder neue Erkenntnisse, beispielsweise darüber, was Azubis frustriert. So ließ er die Auszubildenden im vergangenen Jahr auf einen Zettel schreiben, was sie in den ersten beiden Monaten der Ausbildung am meisten gestört hatte: Besonders unbeliebt waren demnach Herumstehen auf der Baustelle, Überstunden sowie laxe Zustände in der Berufsschule.

Grafik Prüfungserfolg im SHK-Handwerk

Lernen muss Azubis Spaß machen


Lotter ist klar: Das Lernen muss den Azubis Spaß machen. Auch deswegen nutzt er seit einiger Zeit Lehrvideos, die er von einem Dienstleister einkauft. Sie reichen von einfachsten Inhalten bis zur Wärmepumpenschulung, von der auch Gesellen noch profitieren könnten. Zusätzlich treffen sich Lotters Azubis seit einigen Monaten jeden zweiten Freitag, um mit einem Meister, Kundendienstleister oder Techniker Fragen aus dem Berufsschulunterricht und der Praxis zu klären.

Auch zu diesem kontinuierlichen Zusatzunterricht würde Lotter die Azubis anderer Betriebe einladen, wenn die Kollegen aus der Branche das wollen. Denn sein erklärtes Ziel ist es, dem Fachkräftemangel in seinem Handwerk etwas entgegenzusetzen. Er hofft, dass die Azubis mit dem intensiven Onboarding und der Extra-Portion Ausbildung besser und schneller lernen und ihre Ausbildungen erfolgreich abschließen. Aktuell leidet das SHK-Handwerk einerseits darunter, dass bis zu 40 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst werden. Andererseits haben 2023 über 20 Prozent der Erstprüfungsteilnehmer ihre Gesellenprüfung nicht im ersten Anlauf bestanden. Das zeigen Auswertungen durch das Bundesinstitut für Berufsbildung von Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Bessere Noten dank Extra-Portion Ausbildung

Vor diesem Hintergrund scheint Lotters Konzept aufzugehen. Zwar musste auch er einen seiner vier Azubis aus dem vergangenen Jahrgang wieder gehen lassen. Allerdings lag dies an gesundheitlichen Problemen. Die übrigen drei Azubis scheinen von der intensiven Ausbildung zu profitieren und der nächste Jahrgang hat jetzt begonnen: "Ich habe den Eindruck, dass sie mindestens eine Notenstufe besser sind, als sie ohne die Schulungen wären", schätzt Lotter ausgehend von seiner bisherigen Erfahrung als Ausbilder. Und mindestens einem seiner Azubis traut er sogar zu, die Gesellenprüfung schon nach 2,5 statt nach 3,5 Jahren zu machen. "Aber das darf er natürlich selber entscheiden."