Modernisierung Körperschaftsteuerrecht Personenhandelsgesellschaften können wie Kapitalgesellschaften besteuert werden

Am 25. Juni 2021 gab der Bundesrat grünes Licht für das Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts (KöMoG). Personenhandelsgesellschaften können künftig wie Kapitalgesellschaften besteuert werden. Doch es ist ein Gesetz mit Licht und Schatten.

Bei Verkauf und Kauf einer gewerblichen Immobilie muss der Unternehmer die Reinvestitionsfristen beachten. - © GordonGrand - stock.adobe.com

Zwar sind die Bemühungen zu begrüßen, dass wegen der Corona-Krise Steuererleichterungen zur Stärkung der Liquidität beschlossen wurden.
Doch das Herzstück dieses neuen Gesetzes, nämlich die Besteuerung von Personenhandelsgesellschaften wie Kapitalgesellschaften, bringt nicht die gewünschten steuerlichen Effekte für alle Unternehmer im Handwerk.

Optionsmodell mit Licht und Schatten

Herzstück des Gesetzes zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts ist die Möglichkeit für Personenhandelsgesellschaften ab 2022 wie eine Kapitalgesellschaft besteuert zu werden. Ziel soll es sein, die finanzielle Liquidität durch niedrigere Steuersätze zu stärken.

Eine interessante Möglichkeit, die aber einen Haken hat. Denn diese Option steht nur Personenhandelsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften zu, nicht dagegen Einzel­unternehmern. Das kritisiert auch der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke. Das Gesetz gehe in weiten Teilen an den Erfordernissen und Erwartungen des Handwerks vorbei.

Das gilt für Einzelunternehmer steuerlich

Denn Einzelunternehmer haben derzeit nur die Möglichkeit, beim Finanzamt für nicht entnommene Gewinne die Besteuerung mit einem fixen Steuersatz von 28,25 Prozent zu beantragen (sogenannte Thesaurierungsbesteuerung nach § 34a EStG). Der Haken an diesem vor Jahren eingeführten Modell: Entnimmt der Einzelunternehmer die ermäßigt besteuerten Gewinne in den Folgejahren doch noch, müssen zusätzliche Steuern in Höhe von 25 Prozent ans Finanzamt überwiesen werden.

Hier sollte der Gesetzgeber gerade wegen der Corona-Krise steuerliche Erleichterungen, Übergangsregelungen oder Nichtbeanstandungsregelungen bei nachträglicher Entnahme ermäßigt besteuerter Gewinne schaffen. Eine Anpassung dürfte in dieser Legislaturperiode aber nicht mehr umsetzbar sein.

Informationen zum neuen Optionsmodell

Wer mit dem Gedanken spielt, seine Personenhandelsgesellschaft ab 1. Januar 2022 wie eine Kapitalgesellschaft besteuern zu lassen, sollte das Gespräch mit seinem Steuerberater suchen und das Für und Wider abwägen. Denn diese neue Besteuerungs-Option hat nicht nur Vorteile. Verluste in der Personenhandelsgesellschaft beispielsweise gehen im Zeitpunkt des Besteuerungswechsels steuerlich unter. Wer diese Option zieht, vollzieht einen Formwechsel, bei dem es eigentlich zur Auflösung und zur Versteuerung der stillen Reserven in der Personenhandelsgesellschaft kommt.

Es kann jedoch ein Antrag gestellt werden, dass die Aufdeckung der stillen Reserven unterbleibt. Das wiederum bedeutet aber, dass der Betrieb in den nächsten sieben Jahren nicht umstrukturiert oder verkauft werden darf. Ohne Steuerberater sollte hier keine Entscheidung getroffen werden.

Wegen Corona mehr Zeit für Investitionen

Freuen können sich selbstständige Handwerker, die im Jahr 2017 für geplante Investitionen einen Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG vom Gewinn abgezogen haben. Eigentlich hätten sie bis Ende 2020 investieren müssen. Ohne Investition kippt das Finanzamt den Investitionsabzugsbetrag im Jahr 2017 rückwirkend und fordert die gesparten Steuern zurück.

Doch wegen der Corona-Krise wurde der dreijährige Investitionszeitraum im Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts auf fünf Jahre verlängert. Es ist also möglich, die Investitionen für einen im Jahr 2017 abgezogenen Investitionsabzugsbetrag bis Ende 2022 umzusetzen.
Bis Ende 2022 haben Unternehmer für betriebliche Investitionen nun neuerdings auch Zeit, wenn Sie vom Gewinn 2018 einen Investitionsabzugsbetrag abgezogen haben. Für Fälle des Investitionsabzugsbetrags 2018 wurde der Investitionszeitraum von drei auf vier Jahre verlängert.

Verlängerung der Reinvestitionsfristen

Hat ein selbstständiger Handwerker ein betriebliches Gebäude verkauft und plante den Kauf einer neuen Immobilie, hat er den Veräußerungsgewinn nicht zwingend versteuern müssen. Er hatte die Möglichkeit, eine Rücklage nach § 6b EStG auszuweisen. Der Gewinn mindert dann im Jahr des Kaufs der neuen Immobilie die Anschaffungskosten und somit die Gebäudeabschreibung.

Hier muss der Unternehmer jedoch Reinvestitionsfristen beachten. Wird diese Reinvestitionsfrist nicht eingehalten, muss die Rücklage plus Zuschlag gewinnerhöhend aufgelöst werden. Gute Nachricht für Unternehmer, die eigentlich bis Ende 2020 hätten reinvestieren müssen. Nach dem Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts reicht es, wenn bis Ende 2022 die neue Immobilie gekauft wird.