Beim Umstieg auf erneuerbare Energien haben sich die Bundesländer im Osten der Republik besonders hervorgetan. Das hat nach dem Wegbruch der industriellen Basis neue Arbeitsplätze gebracht und Wertschöpfung erzeugt.

Augenfällig sind die Erfolge der neuen Bundesländer laut Agentur für Erneuerbare Energien beim Ausbau erneuerbarer Energien im Strombereich. So stammte in Sachsen-Anhalt 2011 bereits ein Anteil von rund 50 Prozent am Bruttostromverbrauch aus erneuerbaren Quellen. In Mecklenburg-Vorpommern kletterte dieser Anteil ein Jahr später sogar auf rund 90 Prozent. Mittlerweile ist dort rechnerisch die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien erreicht.
Begleitet werden diese Zuwächse durch eine starke Präsenz von Anlagenherstellern, beispielsweise von Windkraftanlagen. So erreicht allein in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die Bruttobeschäftigung in der Windenergiebranche mehr als 20.000 Arbeitsplätze. Beide Länder sind mit Quoten von 26,8 bzw. 23,2 Jobs je 1.000 Beschäftigte in der Erneuerbaren-Branche bundesweit mit Abstand führend.
Im regionalen Vergleich liegt Ostdeutschland mit einer Quote von 13,5 Beschäftigten je 1.000 Arbeitsplätze in der Erneuerbaren-Branche weit vor den alten Bundesländern mit einer Quote von 8,9.
Wärmepumpe im Osten besonders beliebt
Dazu trägt nicht nur der Stromsektor bei. Vielmehr hat sich Ostdeutschland zum Beispiel auch zu einem Zentrum der Biokraftstoffproduktion entwickelt. So setzten gerade in ostdeutschen Bundesländern in den vergangenen Jahren besonders viele Bauherren auf die Nutzung einer Wärmepumpe. Wie der Bundesverband Wärmepumpe auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes ermittelte, entschieden sich 2013 in Thüringen und Sachsen jeweils über 47 Prozent der Häuslebauer für die Installation einer erdgekoppelten oder luftbasierten Wärmepumpe in ihrem Neubau. Der Bundesschnitt wurde damit um etwa 15 Prozentpunkte übertroffen.
Geothermieheizwerk Waren an der Müritz
Bei der Nutzung der Erdwärme aus großen Tiefen war man im Nordosten Deutschlands früh tätig. So wurde das Geothermieheizwerk in Waren an der Müritz schon zu DDR-Zeiten errichtet. „Die Injektionsbohrung in eine Tiefe von 1,6 Kilometer fand bereits 1986 statt und mit der korrespondierenden Förderbohrung decken wir heute den Wärmebedarf von 1.800 Haushalten. Hinzu kommen Schulen, Kindergärten und Altersheime“, erläutert der Abteilungsleiter der Stadtwerke Waren, Udo Reimer. Die Nutzung der erneuerbaren Energien habe in der DDR unter dem Vorzeichen gestanden, den Mangel an fossilen Rohstoffen zu kompensieren. Heute hingegen gehe es um den Umstieg auf erneuerbare Energien im Rahmen der Energiewende, so Reimer.
Stromeinspeisegesetz als EEG-Vorläufer
In Ost- wie in Westdeutschland hatte man die massiven Umweltkosten der konventionellen Energien zu lange zu wenig im Blick. Kurz nach der Wiedervereinigung wurde dann im Dezember 1990 das Stromeinspeisegesetz verabschiedet. Es trat zum 1. Januar 1991 in Kraft und war Vorläufer des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit seinen Einspeisevergütungen für Strom aus Erneuerbaren Energien. „Die Einspeisevergütung gewährleistet einen dynamischen Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor. In den vergangenen Jahren ist immer deutlicher geworden, dass die erneuerbaren Energien viel für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenwachsen Deutschlands tun“, betont Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.