Brillen aus Meeresplastik Optiker setzt auf regionale Manufakturen statt Massenware

Brillen aus Fernost sucht man vergeblich, und auch bei der Hörakustik setzt der Handwerks-Doppelmeister Daniel Benner aus Villingendorf auf Nachhaltigkeit. Das ist für ihn keine bloße Floskel, sondern eine Lebenseinstellung. Die Kunden wissen es zu schätzen.

Ehepaar Brenner im Brillenladen.
Daniela und Daniel Benner haben ihren Betrieb im Jahr 2011 eröffnet und führen auch "exotische" Fassungen aus Meeresplastik oder im 3D-Druckverfahren hergestellt. Brillen aus Fernost führen sie aus Überzeugung nicht. - © Siegmeier

Vor nunmehr elf Jahren haben Daniel Benner und seine Frau Daniela ihren Betrieb im Villingendorfer Gewerbegebiet eröffnet – die blauen Überseecontainer, schick arrangiert, ziehen noch immer die Blicke auf sich. Bereits seit 2002 haben die beiden Brillen selbst designt und weltweit an Optiker vertrieben. Heute lohne sich das nicht mehr, und es fehle auch die Zeit. Nur noch für das eigene Geschäft wird Benner hier kreativ, arbeitet dabei mit regionalen Manufakturen zusammen.

"Wir mögen Massenproduktion nicht, und es macht keinen Sinn, Waren um die halbe Welt zu transportieren, wenn man das im eigenen Land zu fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen auch fertigen kann", sagt er. Bei der Hörakustik, die er seit knapp zwei Jahren mit seinem Team anbietet, sei das momentan noch etwas schwieriger, da Elektronik in Deutschland kaum hergestellt werde. Aber auch hier ist er auf einem guten Weg. Erst kürzlich hat er in einen Ohrscanner, den "Otoscan" investiert.

"Mit diesem einzigartig präzisen Gerät können die für Maßanfertigungen benötigten Ohrabformungen digital, anstatt wie bisher mit einer ins Ohr zu spritzenden Masse, erstellt werden. Dies vermeidet viel Abfall, da die Einwegkartuschen überflüssig sind", erklärt Benner und verweist darauf, dass diese Methode auch für Betriebe interessant sei, die für ihre Mitarbeiter, aufgrund von Lärmarbeitsplätzen, angepassten Gehörschutz fertigen lassen möchten. "Wir nehmen das Gerät mit und fahren dann direkt in die Unternehmen", so Benner. Die Methode brauche nur halb so viel Zeit wie das bisherige Verfahren. "Dadurch wird wesentlich weniger Arbeitszeit der Mitarbeiter gebunden", sagt er. Und bei Daniel Benner sind auch alle Gehörschutze – der Philosophie entsprechend – "Made in Germany". "Uns ist es wichtig, technologisch immer weit vorne zu sein", betont er.

"Exoten" aus Meeresplastik

Aber zurück zu den Brillen. Auch hier hat Benner einige "Exoten" im Programm, die aus interessanten Materialien gefertigt sind, beispielsweise aus recyceltem Meeresplastik. Und es gibt Brillen, die im professionellen 3D-Druckverfahren hergestellt werden. "Bei denen fällt in der Herstellung kein Abfall an", erklärt Benner. "Alle Kollektionen und Brillengläser, die wir führen, werden entweder direkt in Deutschland oder maximal im Umkreis von 400 Kilometern um Villingendorf, in der Schweiz, Österreich, Italien oder Frankreich hergestellt."

Hörakustiker scannt ein Ohr
Mit dem "Otoscan" scannt Daniel Benner das Ohr des Kunden, um einen perfekten Gehörschutz zu erstellen. - © Siegmeier

Doch wie kommt das Angebot von Brillen + Akustik Benner bei den Kunden an? "Sehr gut. Inzwischen gibt es auch bei den Kunden ein Umdenken", sagt er. Wichtig sei den Kunden, dass man der Brille nicht ansehe, dass sie "nur" aus Meeresplastik, oder "nur" gedruckt sei. "Die Leute wollen schick sein", weiß er. Und dafür kann er mit seinen vielfältigen Fassungen in allen Formen und Farben auch sorgen. Gutes Sehen bedeutet für die Kunden Lebensqualität, deswegen seien sie auch bereit, für die Brille ein paar Euro mehr auszugeben.

In den ersten beiden Jahren hätten Daniela und Daniel Benner durchaus die eine oder andere Durststrecke meistern müssen, gibt Daniel Benner zu. "Aber wenn man sich positioniert, dann muss man das schon richtig tun. Wir wollen ja auch nicht vergleichbar sein", sagt er. Mittlerweile kommen die Kunden sogar von weiter her und das nicht nur, weil sie direkt vor dem Laden parken können oder sich die Qualität der Beratung herumgesprochen hat, sondern weil sie eben Wert auf "Made in Germany" legen. Und Daniel Benner freut sich, dass er dadurch auch ein wenig von seiner Philosophie weitergeben kann. "Wir haben alles richtig gemacht. Man muss anfangs aber durchaus den Mut haben, sich von anderen abzuheben. Hochwertige, langlebige Produkte anzubieten, das zahlt sich aus", sagt er.