"Deutscher Aktionstag Nachhaltigkeit" Ohne Nachhaltigkeit kein Wachstum mehr

Die Menschen sind heute nicht mehr damit zufrieden, nur Geld zu verdienen und dieses möglichst zu vermehren. Sie wollen glücklich sein und sicher leben. In Deutschland hat deshalb auch das Bruttoinlandsprodukt als statistische Größe ausgedient, um Lebensqualität zu bestimmen. Nur mit nachhaltigem Leben und Arbeiten kommen wir heute noch weiter. Das überprüft auch eine Kommission des Bundestags.

Jana Tashina Wörrle

"Nachhaltigkeit" ist das Schlüsselwort des 21. Jahrhunderts, ohne die auch kein Wirtschaftswachstum mehr möglich sein wird. - © Franz Pfluegl/Fotolia

"Geld allein macht nicht glücklich" lautet eine Redewendung, die wohl jeder schon einmal gehört hat. Dass dies auch auf das gesamte Wirtschaftssystem übertragbar und dass die Lebensqualität einer Gesellschaft nicht alleine über deren Wirtschaftswachstum bestimmbar ist, ist deshalb auch der Ansatz der Enquetekommission der Bundesregierung mit dem Namen "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität - Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft". Sie sind auf der Suche nach einer Alternative.

Bis zum Ende des Jahres möchten die Mitglieder der Kommission – darunter Politiker, Wirtschaftsforscher und Wissenschaftler – ein neues statistisches Konstrukt entwerfen, um die Lebensqualität in Deutschland darzustellen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als die reine Summe aller Waren und Dienstleistungen, die hierzulande hergestellt und erbracht werden, reicht demnach nicht mehr aus.

Nachhaltigkeit ist aktueller denn je

Mit unserem aktuell erfolgreichen Wirtschaftsmodell werden wir weltweit schon bald an unsere Grenzen kommen, deshalb müssen wir umdenken. Das Stichwort lautet "nachhaltig Handeln". Auch wenn der Begriff in vergangenen Monaten kreuz und quer durch die Medien gezogen wurde, ist er aktueller denn je. Die anstehende UN-Konferenz in Rio de Janeiro vom 20. bis zum 22. Juni steht in diesem Jahr genauso unter dem Motto der nachhaltigen Entwicklung wie der an diesem Montag dazu stattfindende "Deutsche Aktionstag Nachhaltigkeit" .

Gemeinsam möchten die Aktivisten zeigen, dass es notwendig ist, die Wirtschaft, das Konsumverhalten und insgesamt unser gesellschaftliches Zusammenlebens am Konzept der Nachhaltigkeit auszurichten.

Um langfristig eine neue Art des Lebens und Wirtschaftens und die Bestimmungsfaktoren dafür zu finden, möchte die Bundesregierung jedoch erst einmal erforschen, was Lebensqualität heutzutage für die Menschen in Deutschland überhaupt bedeutet.

Verschiedene weltweite Studien wie der erst kürzlich vorgestellte Weltglücksbericht der UNO haben bereits gezeigt, dass den Bürgern eine sichere Arbeitsstelle wichtiger ist als ein extrem hohes Einkommen. Die Menschen fühlen sich demnach glücklicher, wenn sie in politischer Freiheit mit stabilen sozialen Netzwerken leben können. Viel Geld zu haben, aber ständig mit einer Veränderung der Lage rechnen müssen - und dazu zählen auch Bedrohungen durch Umweltkatastrophen - macht für den Großteil keine erstrebenswerte Lebenssituation aus.

Es ist also nicht primär der Reichtum, der Menschen glücklich macht. Dementsprechend gehen die Forscher wie der Vorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Gert G. Wagner, der auch in der Enquetekommission der Bundesregierung mitarbeitet, davon aus, dass wir mehr Faktoren als die reine Wirtschaftsleistung mit in die Betrachtung der Lebensqualität der Menschen einbeziehen müssen. Das BIP hat demnach ausgedient und wird laut Wagner auch in der Wirtschaftswissenschaft nicht mehr ernst genommen.

Klare Bekenntnisse gefordert

Vielmehr gehe es heute darum, die vielen verschiedenen Messgrößen zusammenzubringen, was "wirklich nicht einfach ist", sagte der DIW-Vorsitzende im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung. Besonders wichtig sei es nun, Faktoren wie die ökologische Nachhaltigkeit und den Umweltschutz als feste Faktoren in der Wirtschaftsforschung zu verankern. "Bislang ist Wachstum immer verbunden mit mehr Naturverbrauch, aber das müssen wir ziemlich radikal entkoppeln", rät Wagner.

Deutschland ist nach Angaben der OECD zwar schon auf einem guten Weg in diese Richtung. Im aktuellen Umweltprüfbericht bescheinigt die Organisation der Bundesregierung hierbei große Fortschritte. Trotzdem sind noch viele Schritte und klare Entscheidungen zur Energiewende nötig, um eine wirklich nachhaltige Entwicklung auf den Weg zu bringen. In Rio sollen hierfür neue weltweite Ziele festgelegt werden. Doch Bekenntnisse zu mehr Umweltschutz alleine reichen nicht.

Eine nachhaltige Entwicklung, die den Fokus auf die langfristige Lebensqualität der Menschen hat, muss sich besonders um die Gerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft kümmern. Deshalb sind für die Enquetekommission, die sich mit den Werten für Deutschland befasst, Faktoren wie die Einkommensverteilung und die Arbeitslosigkeit auch wichtiger als nur das reine Wachstum oder die Einsparungen beispielsweise bei der CO2-Bilanz.

Es sind viele einzelne Faktoren, die unser Leben und Wirtschaften bestimmen und die mit in eine nachhaltige Lebensplanung einbezogen werden müssen. Welche genau das sind und vielleicht auch, wie wir sie beeinflussen können, wird der Bericht der Expertenkommission uns am Ende des Jahres zeigen.