Durch den Boom bei den erneuerbaren Energien erreicht der Stromexport aus Deutschland einen neuen Rekordwert. Da Strom bislang nur sehr schlecht gespeichert werden kann, entstehen aus den erneuerbaren Energien schnell Überkapazitäten, wenn Nachfrage hierzulande sinkt. Die Versorgungssicherheit im Winter ist jedoch trotz der Exportsteigerung nicht gesichert.

Noch immer ist die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien starken Schwankungen unterworfen, da die Entwicklung effizienter Speichertechniken nicht vorankommt. Wenn die Sonne längere Zeit scheint, der Wind dazu ordentlich bläst und die Nachfrage trotzdem sinkt, entstehen so Überkapazitäten, die hierzulande nicht direkt verbraucht werden können.
So führt der rasche Ökostromausbau zu immer höheren Stromausfuhren von Deutschland in die Nachbarländer. Von Januar bis September flossen 14,6 Terawattstunden mehr Strom von Deutschland ins Ausland als umgekehrt, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit.
Versorgungssicherheit im Blick
"Deutsche Kraftwerksbetreiber müssen aus Sicherheitsgründen ausreichende Kapazitäten vorhalten", erklärte ein Sprecher des Verbandes die Strategie, dass vor allem bei den sehr großen Anlagen Überkapazitäten entstehen. Anlagen, die in Phasen mit hohem Verbrauch die Versorgungssicherheit gewährleisten sollen, produzierten je nach Marktlage auch bei geringerer Nachfrage Strom, der dann gegebenenfalls exportiert wird.
Dass hierbei vor allem der Boom der erneuerbaren Energien eine Rolle spielt, zeigt sich daran, dass im gesamten Jahr 2011 deutsche Stromausfuhren die Einfuhren lediglich um 2,2 Terawattstunden übertrafen. Hier zeigen sich die Veränderungen in der deutschen Stromproduktion sehr deutlich.
Im Winter kommt Strom aus Österreich
Ökostrom 2Die erneuerbaren Energien sind so effizient, dass ihr Preis an der Strombörse sinkt und der Export lohnenswert wird. Doch da der Strom immer direkt verbraucht werden muss, ist die Versorgungssicherheit mit Energie im Winter in Deutschland noch nicht gesichert. Aufgrund der schlechteren Witterungsbedingungen werden die erneuerbaren Energien auch nicht mehr ganz so effizient sein.
Wie die Bundesnetzagentur mitteilt, ist Deutschland auch in diesem Winter auf die sogenannten Kaltreserven angewiesen. Zu dieser gehören auch Kraftwerke in Österreich. Der Reservebedarf sei mit 2500 Megawatt an Kraftwerksleistung berechnet worden, sagte nach Angaben des Magazins "Focus" der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann. Die Bundesregierung möchte die Kraftwerksbetreiber zwar per Gesetz zur Versorgungssicherheit verpflichten, doch nach Expertenmeinung ist die Blackout-Gefahr noch nicht gebannt. jtw/dapd
