Wertpapiere Nießbrauch bei Aktien: So spart man Erbschaftsteuer

Frühzeitig vererben und dennoch Gewinne kassieren – auch beim Aktiendepot kann man einen sogenannten Nießbrauch vereinbaren. Das Ziel: Erbschaftsteuer sparen. So funktioniert Nießbrauch bei Aktien. Beispielrechnungen zeigen, für wen er sich wann lohnt.

Nießbrauch beim Aktiendepot
Wer fürs Aktiendepot frühzeitig ein Nießbrauchsrecht vergibt, hilft den Erben Steuern sparen. Rendite behält man trotzdem. - © Have a nice day - stock.adobe.com

Sicherheit für den Ruhestand und trotzdem Erbschaftssteuern vermeiden, das ist kein Widerspruch. Das Prinzip des Nießbrauchs kennen viele von Immobilien: Etwa wenn man ein Haus bereits an die Kinder überträgt, sich der oder die Schenkenden aber die lebenslange Nutzung oder den Mietertrag vorbehält. Aber so ein Nießbrauch kann man auch für andere Vermögenswerte vereinbaren, etwa ein Aktiendepot. Die Wertpapiere gehören dann schon dem Beschenkten, aber die Erträge wie etwa Dividenden können weiter bei der Altersvorsorge des Schenkenden eingeplant werden.

Diese Konstruktion hat dabei einen ganz entscheidenden Vorteil: der Nießbrauchvorbehalt reduziert den angesetzten Wert des übertragenen Vermögens. Gerade wenn man diese Möglichkeit in noch relativ jungen Jahren nutzt, können so Werte deutlich über den sich alle zehn Jahre erneuernden Freibetragsgrenzen ohne Erbschaftssteuer übertragen werden. Dabei handelt es sich nicht um Peanuts: Ein 40-jähriger Vater kann so zum Beispiel an eine Tochter statt des Freibetrags von 400.000 Euro selbst bei einem moderat angesetzten jährlichen Ertrag von 2,5 Prozent fast 680.000 Euro auf einen Schlag weiterreichen (siehe Beispielrechnungen). Aber für wen eignet sich so etwas grundsätzlich und wie lässt sich das umsetzen?

Nießbrauch: Mit dem Aktiendepot Steuern sparen

"Ist der Erblasser idealerweise noch unter 75 Jahre alt und besitzt er ein so großes Vermögen, dass die Erbberechtigten hohe Erbschaftssteuer im Erbfall bezahlen müssten", sagt Thomas Ziemannvom Vermögensverwalter Spiekermann & Co. AG aus Münster, "dann kann ein Nießbrauchdepot sinnvoll sein." Das betrifft aber bei Weitem nicht nur Millionäre. Möchte man jemanden außerhalb der engeren Verwandtschaft bedenken, liegen die Freibeträge nur bei 20.000 Euro.

Nießbrauch bei Wertpapieren praktisch erklärt

Wenn Opa Erich seiner Großnichte Evelin ein Depot im Wert von 30.000 schenkt, sich aber zu Lebzeiten die Nutzung der Erträge vorbehält, nennt sich das Aktiennießbrauch. Dafür wird ein Schenkungsvertrag aufgesetzt und ein Nießbrauchdepot bei einer dafür geeigneten Bank eröffnet. Da jetzt zum Beispiel Dividenden nicht an die Großnichte, sondern weiter an Opa Erich fließen, reduziert sich der beim Finanzamt angesetzte Wert des geschenkten Vermögens. So kann – je nach angenommenen Ertrag und statistischer Lebenserwartung des Schenkenden – die   Vermögensübertragung komplett steuerfrei sein, obwohl im Falle einer Großnichte der gesetzliche Freibetrag lediglich 20.000 Euro beträgt.

Das Vorgehen ist dabei im Prinzip ganz einfach. Der Nießbrauch wird schriftlich vereinbart und die Aktien an den Beschenkten übertragen, während die Erträge weiter dem Schenkenden zufließen. "Diese Konto- bzw. Depoteröffnung setzt jedoch Mechanismen in Bewegung, welche nicht jede Bank auf sich nehmen muss", weiß Spiekermann-Experte Ziemann. Beim Abschluss eines Nießbrauchvertrags empfiehlt es sich, anwaltlichen Rat in Anspruch zu nehmen. "Darüber hinaus sollte Ihnen Ihr Steuerberater Aufschluss über die tatsächliche Ersparnis auf Seiten des Erben geben", sagt Ziemann. Als allererster Schritt ist es aber empfehlenswert, einen langfristigen finanziellen Plan zu entwickeln.

Nießbrauch: Nachfolge mit Weitblick regeln

"Gerade bei begrenztem Vermögen ist es wichtig, zunächst die Gesamtsituation genau zu analysieren", rät Carmen Bandt, geschäftsführende Gesellschafterin bei der Kidron Vermögensverwaltung GmbH. Denn der für den Nießbrauch vorgesehene Besitz sollte grundsätzlich nicht mehr gebraucht werden. Die vorbehaltenen Erträge müssen mit Rentenansprüchen und anderen Quellen sicher für die Altersvorsorge ausreichen.

"Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass das das Prinzip gilt: Geschenkt ist geschenkt", sagt Kidron-Fachfrau Carmen Bandt. "Deswegen ist es entscheidend, die Frage der Vermögensnachfolge für sich selbst vorab abschließend zu klären und auch an Notfallsituationen zu denken." Herrscht hier Klarheit, kann man mit der richtigen Beratung Aktiennießbrauch als sehr effektives Instrument nutzen, um Vermögenswerte ohne Steuerabzüge für die Nachfolger zu erhalten.

Beispielrechnungen zum Nießbrauch bei Aktien

Schenkung eines Nießbrauchdepots vom Vater an die Tochter (gesetzlicher Freibetrag von 400.000 Euro) bei einem angenommenen Ertrag von 2,5 Prozent im Jahr. Dabei ist der Schenkende im Alter von…

…40 Jahren. Er kann so ein Vermögen von bis zu 679.434 Euro steuerfrei übertragen und so seiner Tochter eine Zahlung an das Finanzamt in Höhe von 30.734 Euro ersparen.

…60 Jahren. Er kann so ein Vermögen von bis zu 589.492 Euro steuerfrei übertragen und so seiner Tochter eine Zahlung an das Finanzamt in Höhe von 20.834 Euro ersparen.

…80 Jahren. Er kann so ein Vermögen von bis zu 478.483 Euro steuerfrei übertragen und so seiner Tochter eine Zahlung an das Finanzamt in Höhe von 6.950 Euro ersparen.

Quelle: v-check.de

Interview

"Nießbrauch bei Aktien und Co. ist kein Standardmodell"

Carmen Bandt, geschäftsführende Gesellschafterin bei der Kidron Vermögensverwaltung GmbH aus Stuttgart erklärt, worauf es beim Einsatz von Nießbrauchkonstruktionen für Wertpapiere ankommt und welche Fehler vermieden werden sollten.

Wann sollte man sein Vermögen nicht verschenken, auch nicht mit Nießbrauchvorbehalt?

Carmen Bandt: Wenn man sich noch nicht über die Vermögensnachfolge im Klaren ist, sind Nießbrauchkonstruktionen eher keine sinnvolle Option. Davon abraten würde ich auch, wenn absehbar ist, dass es für einen angenehmen Ruhestand nötig sein kann, auf das zu verschenkende Vermögen zurückzugreifen.

Für wen sind Nießbrauchdepots dagegen interessant?

Nießbrauchmodelle sind in erster Linie etwas für Vermögende, bei denen die vererbbaren Werte über den Freibeträgen liegen und die Altersvorsorge kein Problem darstellt. Aber ein Aktiennießbrauchdepot kann auch eine interessante Option sein, wenn zum Beispiel eine Nichte oder ein enger Freund bedacht werden sollen, um die hier geltenden geringen Freibeträge zu erweitern. Die liegen sonst bei lediglich 20.000 Euro.

Fehler vermeiden beim Nießbrauch mit Aktien

Welchen Fehler sollten Interessierte vermeiden, die so etwas einrichten wollen?

So verbreitet der Nießbrauch bei Immobilien ist, der Nießbrauch bei Aktien und Co. ist kein Standardmodell. Nicht jeder hat die nötige Erfahrung, um so etwas sauber umzusetzen. Es macht Sinn, hier von Anfang an Experten mit Erfahrung ins Boot zu holen. Dann kann ein Nießbrauchdepot aber insbesondere in noch relativ jungen Jahren sehr gut dabei helfen, Vermögen weit über die üblichen Freibetragsgrenzen steuergünstig zu übertragen.

Braucht es denn unbedingt einen Schenkungsvertrag?

Bandt: Das Leben steckt voller Überraschungen, deswegen ist es sinnvoll, vorzusorgen. In einem Schenkungsvertrag kann man genau regeln, unter welchen Voraussetzungen das Vermögen zum Beispiel verwaltet werden soll. Außerdem können hier Rückfallklauseln dafür sorgen, dass der Schenkende im Notfall, etwa bei finanziellen Engpässen durch Krankheit oder Unfall, seine Freigiebigkeit nicht bitter bereut. Ein von Fachleuten aufgesetzter Nießbrauchvertrag kann hier Regelungen etwa für eine sehr teure Pflegesituation vorsehen.

Nießbrauch bei Aktien: Mit diesen Gewinnen kann rechnen

Mit welchem Nießbrauchertrag kann man eigentlich rechnen?

Das kommt natürlich ganz auf den Anlagemix an und ist auch ein wichtiger Faktor für die steuerlichen Vorteile beim Vermögensübergang. Was man aber genau als Nießbrauchvorbehalt ansetzen kann, hängt auch vom jeweiligen Finanzamt ab und muss vorab mit dem Steuerberater abgeklärt werden. Gerade in der heutigen Niedrigzinsphase festverzinslicher Wertpapiere sind hier Dividendenwerte interessant, die noch Chancen auf ordentliche jährliche Erträge bieten.