Das Start-up Conbotics will Bauhandwerkern monotone Arbeiten abnehmen und damit den Fachkräftemangel entschärfen. Ein erster Prototyp soll im Jahr 2024 serienreif sein. Einsatzmöglichkeiten gibt es viele.

Die Wände einer 100 Meter langen Tiefgarage zu streichen, kann einem Maler selbst beim Einsatz einer Airless-Spritzpistole gründlich den Spaß verderben. Um die Gesellen von monotonen und mitunter gesundheitsgefährdenden Arbeiten zu befreien, entwickelt das Start-up Conbotics einen Malerroboter. "Im März nächsten Jahres soll er serienreif sein. 2024 wollen wir die ersten zehn Roboter bauen, danach 50 Stück pro Jahr", kündigt Cristian Amaya an.
Mit David Franke und Philipp Heyne hat der 34-Jährige 2021 Conbotics gegründet. Geschäftsidee: Robotiklösungen für die Baubranche. Der Malerroboter soll das Erstlingswerk der drei Gründer werden, die alle an der TU Berlin studiert haben und sich von ihrer Arbeit am Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) kennen. Das Resultat ihrer bisherigen Entwicklungsarbeit wurde auf der Internationalen Handwerksmesse mit dem Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk ausgezeichnet.
Im Kleintransporter zur Baustelle
Der in München ausgestellte Prototyp mit 130 kg Eigengewicht wurde bereits weiterentwickelt. Die zweite Version wiegt nur noch 100 kg und kann in maximal 25 kg schwere Einzelteile zerlegt werden. "So lässt sich der Roboter auch im Kleintransporter zur Baustelle fahren und vor Ort wieder zusammenbauen", sagt Amaya und betont: "Wir legen großen Wert auf die Benutzerfreundlichkeit."
Daher haben sich die Entwickler auch gegen den Einsatz eines industriell gefertigten Cobots entschieden, wie ihn etwa Universal Robots oder Kuka anbieten. Conbotics setzt beim Roboterarm auf eine Eigenentwicklung, die bereits zum Patent angemeldet ist. "Unser Roboter kann nicht alles, aber alles, was der Maler braucht", lautet die Devise des achtköpfigen Conbotics-Teams. Fertig entwickelt, soll der Malerroboter auch spachteln, schleifen und sandstrahlen können.
Schwenkbarer Roboterarm
Der Malerroboter besteht aus einer mobilen Plattform mit integrierten Sensoren, die die Umgebung scannen. An einer Säule bewegt sich der schwenkbare Roboterarm, ausgerüstet mit der Spritzpistole. Ebenfalls an Bord sind ein Kompressor und ein Tank für 30 Liter Dispersionsfarbe. Zwei Akkus liefern Energie für einen Acht-Stunden-Arbeitstag. Steuern lässt sich der Roboter webbasiert über ein Tablet oder eine Play-Station-Konsole. Die Software wurde von Conbotics selbst entwickelt. Der Bediener muss nur den Grundriss hochladen, grob die Ecken und Kanten aufmalen sowie Start- und Endpunkt angeben. Den Rest erledigt der Roboter. Fenster und Türen erkennt er zuverlässig, wie Robert Sachs bestätigt.
Der Malermeister aus Berlin hat als erster Handwerker den Prototyp einem Praxistest unterzogen. Von der Qualität war Sachs begeistert: "Von Hand bekommt das kein Mensch so gut hin wie der Roboter. Auch der Farbverbrauch ist optimal." Dennoch würde er den Roboter nicht bei jedem Auftrag einsetzen. Im verwinkelten Altbau oder für einzelne Zimmer ergebe das keinen Sinn. Damit der Roboter im Handwerk Akzeptanz findet, müsse er nicht nur zu einem akzeptablen Preis angeboten werden, sondern auch einfach zu bedienen und zu transportieren sein, findet Sachs.
Conbotics möchte die Malerroboter vorerst gar nicht verkaufen, sondern ausschließlich objektbezogen vermieten. "Unser Roboter soll ja den vielen kleinen Betrieben im Malerhandwerk zugänglich sein", sagt Cristian Amaya. Betrieben, wie dem von Robert Sachs mit zwei Gesellen und einem Azubi. Die Gefahr, dass der Roboter Arbeitsplätze gefährdet, sehen beide nicht. Im Gegenteil: Der Malergeselle gewinnt Zeit für jene Arbeiten, die das Know-how des Spezialisten brauchen. Cristian Amaya ist überzeugt: "Unsere Entwicklung wirkt dem Fachkräftemangel entgegen."