Gesundheit Exoskelett: Wenn die Arme leichter werden

Das neue Exoskelett von Ottobock soll mit mehr Komfort und Bedienerfreundlichkeit die Akzeptanz ­bei den Anwendern erhöhen. Im Handwerk blicken viele noch mit Skepsis auf die Hilfsmittel, in der Industrie sind sie teils schon seit Jahren im Einsatz.

Exoskelett Ottobock Shoulder
Das Exoskelett Ottobock Shoulder trägt die Arme des Anwenders. Die Energie dafür liefert er selbst, wenn er seine Arme absenkt. Dann nimmt das Feder- und Seilsystem des Geräts Energie auf, speichert sie und gibt sie beim Anheben der Arme wieder zurück. - © Ottobock

Im Handwerk fristen Exoskelette immer noch ein Nischendasein. Dabei könnten sie nicht nur Malern oder Installateuren helfen, effektiver zu arbeiten und ihre Gesundheit zu schonen. Ottobock bringt sein schulterunterstützendes System jetzt stark verbessert auf den Markt, um die Akzeptanz bei den Anwendern zu erhöhen. Das neue Ottobock Shoulder soll laut Hersteller bedienerfreund­licher sein als das Vorgängermodell Paexo, mehr Komfort und nützliches Zubehör bieten.

Wenn schon vor Feierabend die Arme schwer werden oder die Schulter schmerzt, dann leidet nicht nur der Mensch, sondern oft auch das Ergebnis seines Tuns. Mit dem neuen Exoskelett von Ottobock können Gesellen nicht nur effektiver arbeiten, sondern vor allem langfristig ihre Gesundheit schonen. Der Arbeitgeber profitiert von weniger krankheitsbedingten Ausfalltagen, der Arbeitnehmer fühlt sich trotz körperlich schwerer Arbeit fit.

Bedienerfreundlichkeit und Komfort wichtig

Dennoch blicken viele Handwerker mit Skepsis auf die Hilfsmittel, während sie in der Industrie schon deutlich häufiger zum Einsatz kommen. So setzen Airbus oder das französische Eisenbahn­unternehmen SNCF Exoskelette schon seit vielen Jahren ein, etwa bei der Wartung und Reparatur des Hochgeschwindigkeitszuges TGV. Die Er­fahrungen dieser Anwender sowie wissenschaftliche Studien sind in die Entwicklung von Ottobock Shoulder eingeflossen. "Bedienerfreundlichkeit und Komfort sind der Schlüssel zur täglichen Nutzung", sagt Sönke Rössing, Leiter Bionic Exoskeletons bei Ottobock.

Das 2,4 kg schwere Ottobock Shoulder lässt sich ohne Werkzeug an die Körpermaße anpassen und durch vereinfachte Einstellmöglichkeiten nach Herstellerangaben in 20 Sekunden anziehen. Der Hüftgurt soll so bequem sein wie bei einem Wanderrucksack oder einer Kinderkraxe. Die Schalen für die Oberarme lassen sich ebenso gut an den Körper anpassen, egal ob im T-Shirt oder mit einer dicken Jacke gearbeitet wird. Außerdem sollen sie bei schweißtreibender Tätigkeit die Wärme ableiten.

Bewegungsfreiheit bleibt erhalten

Das Exoskelett erhält die volle Be­wegungsfreiheit des Anwenders, funktioniert rein mechanisch und ohne Energiezufuhr von außen. Während andere Hersteller mit Motoren arbeiten, speichert das Ottobock Shoulder beim Absenken der Arme die Energie in einem Feder- und Seilsystem. Hebt der Anwender die Arme an, fließt diese Energie zurück. Wie stark das System dabei unterstützend wirkt, lässt sich stufenlos einstellen. Schließlich macht es einen Unterschied, ob der Elektriker bei Überkopfarbeiten einen Schraubenzieher oder eine Schlagbohrmaschine in der Hand hält. Verschiedenes Zubehör soll das Exoskelett komfortabler machen. So lässt sich für lange Arbeiten an der Decke eine Nackenstütze integrieren, am Hüftgurt lassen sich Werkzeuge oder Taschen befestigen. 

Der Listenpreis für das Ottobock Shoulder liegt bei 4.900 Euro. Der Hersteller empfiehlt allerdings, sich vor dem Kauf beraten zu lassen. Denn nicht in jedem Fall braucht es ein so teures System. Abhängig vom Einsatzzweck können andere Exoske­lette sinnvoller sein.

Arbeitsausfall durch Muskel-Skelett-Erkrankungen

Laut DAK-Gesundheitsreport hatten 2020 Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems einen Anteil von 22,1 Prozent am Krankenstand – so viel wie keine andere Krankheit. Sie sorgten für 331,5 Arbeitsausfalltage je 100 Versicherte. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Der Produktionsausfall liegt bei ca. 19,6 Mrd. Euro jährlich, schätzt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (Stand 2020).