Ausbau der Infrastruktur Netzkosten treiben Strompreis in die Höhe

Strom in Deutschland wird spürbar teurer werden. Der Preis für Industriestrom etwa könnte nach Schätzungen der Bundesnetzagentur um bis zu acht Prozent steigen. Als Grund nennt die Behörde höhere Netzentgelte zur Finanzierung einer neuen Infrastruktur. Um den Verbrauch und somit die Kosten zu senken, können Betriebe jedoch einiges tun.

Deutschlands Stromkunden drohen wegen höherer Netzentgelte zur Finanzierung neuer Infrastruktur steigende Preise. - © Henning Kaiser/dapd

Nach Schätzungen der Bundesnetzagentur werde sich Haushaltsstrom allein dadurch in den kommenden Jahren um fünf bis sieben Prozent verteuern, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Dabei werde eine Steigerung der Netzentgelte um 16 bis 24 Prozent unterstellt.

Für Industriestrom ist eine Erhöhung der Netzentgelte um bis zu 54 Prozent und eine Strompreissteigerung von bis zu acht Prozent absehbar. Die Energiewende werde zwangsläufig "zu einer weiteren Erhöhung der Netzentgelte und damit des Strompreises führen", heißt es dem Blatt zufolge in einem Bericht für die Sitzung des politischen Beirats der Bundesnetzagentur am Montag.

Strom effizienter nutzen

Dabei könnte es noch schlimmer kommen für die Kunden. Denn weitere Kostenfaktoren, wie höhere Strombeschaffungspreise durch den Bau neuer Kraftwerke oder steigende Umlagen seien noch gar nicht berücksichtigt. Da Handwerksbetriebe in der Regel zu klein sind, um etwa von den Netzdurchleitungs-Entgelten befreit zu werden, müssen sie andere Wege finden, um die Kosten zu senken. Am besten können das kleine und mittlere Betriebe, wenn sie Strom effizienter zu nutzen.

Wer in seinem Betrieb Strom effizienter nutzen will, sollte sich zuerst einmal einen Überblick verschaffen, rät Dietmar Gründig. Er ist  Projektleiter Energiesysteme und Energiedienstleistungen bei der Deutschen Energie-Agentur (dena). "Erst einmal muss ich wissen, wo die Kosten anfallen."

Denn Einsparpotentiale seien in vielen Betrieben da. Gründig: "Deutschlandweit liegt das gesamte Einsparpotenzial durch die energetische Optimierung von Prozesswärme bei schätzungsweise 7,5 Prozent."

Aber auch in anderen Bereichen lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, zum Beispiel bei der Beleuchtung. „Hier kann es sich lohnen, das gesamte System einmal zu betrachten. Denn hier liegen die Einsparpotentiale sogar bei bis zu 70 Prozent“, sagt der dena-Experte. Bereits einfache Maßnahmen helfen hier schon Strom zu sparen: LED-Lampen zum Beispiel oder Bewegungsmelder, die dafür sorgen, dass nicht den ganzen Tag das Licht brennt, obwohl es keiner braucht. Auch wer das Tageslicht optimal nutzt, spart. Tipps dazu bietet die etwa dena unter stromeffizienz.de

Ein weiteres Beispiel, wo ebenfalls oft unnötig viel Energie verbraucht wird, ist laut Dietmar Gründig die Druckluft. "Viele Druckluftanlagen laufen mit höheren Druck, als erforderlich wäre", sagt Gründig. Der Tipp vom Experten: nur so viel Bar einstellen, wie wirklich benötigt wird und darauf achten, dass die Druckluft nirgends entweicht. Einen Überblick über weitere Einsparpotentiale im eigenen Betrieb und Tipps bietet die dena auf der Website www.industrie-energieeffizienz.de.

Energieberatung wird gefördert

Welche Maßnahmen jedoch letztendlich sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Betrieb ab. "Die Rendite bei solchen Effizienzmaßnahmen kann sehr hoch sein", sagt Gründig. "Jedoch haben vor allem KMUs in der Regel ein begrenztes Investitionsvolumen. Trotz hoher Kosteneinsparungen zögern vielen Unternehmen daher, diese lukrativen Investitionen zu tätigen." Dietmar Gründig empfiehlt deshalb, sich immer einen Energieberater ins Haus zu holen, der Einsparpotenziale aufzeigen kann.

Eine solche Energieeffizienzberatung wird beispielsweise vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert. Seit Februar 2012 gibt es das Förderprogramm des BMWi und der KfW "Energieberatung Mittelstand". Für den Kauf einer effizienteren Maschine oder einen Umbau, können KMUs ebenfalls günstigere Zinskonditionen von der Kreditförderbank (KfW) beantragen.

Die Deutschen Energie-Agentur hat Referenzprojekte ins Netz gestellt, etwa das Beispiel einer Bäckerei.

Heidi Roider/dapd