Kokosnüsse, Sektkorken oder alte Tagesezeitungen – alle diese Produkte lassen sich für die Dämmung eines Neubaus oder Sanierungsobjekts einsetzen. Wer sich für ökologische Dämmstoffe entscheidet, muss dabei allerdings auch Abstriche bei der Verwendbarkeit gegenüber den synthetischen Produkten in Kauf nehmen.
Steffen Guthardt

Der Steuerbonus für die energetische Gebäudesanierung ist im Bundestag gescheitert. Trotzdem sollten sich Hauseigentümer mit dem Thema Dämmung auseinandersetzen, um langfristig Energiekosten einzusparen und sich vor gesundheitsgefährdenden Schimmelpilzen und Bauschäden durch eindringende Feuchtigkeit zu schützen. Ob für die Renovierung eines bestehenden Gebäudes oder eines Neubaus, der Markt an Dämmstoffen ist breit gefächert. Wer seine Auswahl nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach Umweltaspekten treffen möchte, für den sind ökologische Materialien interessant. Die wichtigsten Produkte im Überblick:
Zellulose
Einer der beliebtesten ökologischen Dämmstoffe ist die Zellulose – ob in Form von Platten oder als Flocken zum Aufsprühen. Für die Produktion der wird altes Zeitungspapier zerkleinert und mit Wasser behandelt. Durch die Sprühtechnik passt sich die Zellulose exakt an die zu dämmende Hauswand an und deckt alle Unebenheiten im Mauerwerk ab. Die Zellulose kann mit dem so genannten Einblasverfahren auch Hohlräume unter der Wand abdichten. Nach einer Trocknungszeit von drei bis vier Wochen und ausreichender Lüftung erreicht die Dämmung ihren vollen Wirkungsgrad. Alternativ können die Flocken mit Hilfe von Wasserdampf und Naturharzen als Bindemittel auch zu Platten weiterverarbeitet werden. Zellulose wird besonders in Altbauten mit teilweise feuchtem Mauerwerk als Dämmstoff eingesetzt.
Hanf
Nachdem die schnellwachsenden Hanfpflanzen bis Mitte der 90er Jahre kaum eingesetzt werden durften, finden sie im Baugewerbe nun zunehmende Verwendung in Form von Platten, Vliesen, Filzen oder Schäben (Holzteilchen vom Flachs). Bei der Produktion wird das getrocknete Hanfstroh zum Beispiel mit Polyesterfasern oder Maisstärke behandelt und für den Einsatz in Decken, Trennwänden und als Stopfdämmung bei Fenstern und Türen optimiert. Hanf kann als Dämmstoff rund 20 Prozent seiner Masse als Feuchtigkeit aufnehmen. Im Gegensatz zu konventionellen Dämmstoffen besitzt der Hanf allerdings eine relativ hohe Wärmeleitfähigkeit und eignet sich daher weniger, um Räume im Sommer kühl zu halten.
Holz
Späne, Fasern oder Wolle – Holz ist in Deutschland der umsatzstärkste ökologische Dämmstoff. Holzfasern bestehen zu über 80 Prozent aus Weichhölzern von Fichten, Tannen oder Kiefern. Unter Zugabe von Wasser werden die Nadelhölzer zu einem Brei vermengt und anschließend mit Bindemitteln aus Naturharzen versetzt. Eine höhere Stabilität und Wetterfestigkeit kann durch die Zugabe von Zement oder Magnesit erreicht werden. Holzspäne werden hingegen unter Beigabe von Molke und Soda zu einem Dämmstoff verarbeitet. Die Holzwolle wiederum wird aus Bruchholz und Restholz hergestellt, das mechanisch zerkleinert und unter Zusatz von Zement oder Magnesit zu Holzwolle-Leichtbauplatten verarbeitet wird. Alle Holzplatten eignen sich für die Wärme- und die Trittschalldämmung.
Schafwolle
Für die Textilindustrie ist Schafwolle als Wärmeschutz in Mänteln oder Schuhen nicht wegzudenken. Dass die Wolle auch zur Dämmung von Gebäuden geeignet ist, dürfte für viele neu sein. Dabei wird frisch geschorene Schurwolle oder wiederaufbereitete Altwolle gewaschen, teilentfettet und zu Vliesen oder Filzen verarbeitet. Um als Dämmstoff eine ausreichende Stabilität zu besitzen, wird die Schafwolle in Naturkautschukmilch eingetaucht. Aufgrund des tierischen Eiweißes besteht jedoch die Gefahr, dass die Schafwolle von Motten befallen wird, wenn Sie nicht entsprechend vorbehandelt wird. Mottengifte sollten jedoch nicht eingesetzt werden. Die Wolle bietet einen sehr guten Wärmeschutz und bindet dank ihrer Faserstruktur zahlreiche schädliche Stoffe aus der Raumluft.
Flachs
Die Flachsfaser ist auch unter dem Namen Leinen bekannt. Für die Herstellung des Dämmstoffes wird getrockneter Flachsstroh ausgefasert und mit Textilfasern oder Stärkebindemitteln zu Vliesen weiterverarbeitet. Im Vergleich zu anderen natürlichen Dämmstoffen wie etwa der Schafwolle ist der Flachs relativ resistent gegen Ungezieferbefall. Flachs wird großflächig in der heimischen Landwirtschaft verwendet und ist deshalb ein recht günstiger Dämmstoff, der bis zu 20 Prozent seines Gewichtes in Form von Feuchtigkeit aufnehmen kann. Zudem bietet Flachs einen guten Wärmeschutz.
Kokos
Kokosnussmilch ist eine beliebte Beigabe zu Cocktails oder asiatischen Speisen. Die Hülle der Steinfrucht ist allerdings keinesfalls wertlos und eignet sich zum Beispiel für die Dämmung des Eigenheims. Für die Herstellung von Vliesen und Matten werden die Kokosnusshüllen zunächst in große Sumpfbecken getaucht und die fäulnisanfälligen Inhaltsstoffe zersetzt. Die übrig bleibenden Kokosnussfasern werden gereinigt und getrocknet und anschließend vernadelt oder versteppt. Nachteil des Dämmstoffes ist sein langer Transportweg aus Indien, Afrika oder Südamerika. Deshalb ist die Kokosnusshülle mit einem Preis von etwa 45 Euro pro Quadratmeter auch sehr teuer. Heimische Produkte mit ähnlichen Eigenschaften wie etwa der Flachs kosten nur fünf bis 30 Euro pro Quadratmeter.
Stroh
Der große Vorteil von Stroh als Dämmstoff ist seine große und günstige Verfügbarkeit als Abfallprodukt der heimischen Landwirtschaft. Das Stroh wird zunächst gehäckselt und in einem Trocknungsofen entfeuchtet, bevor es in einer Mühle zu Strohmehl weiterverarbeitet wird. Je nach Art und Einsatz der Dämmung wird das Mehl mit Zellulose, Kieselsäure oder Leim als Bindemittel angereichert. Stroh ist in Europa weniger als Dämmstoff verbreitet als etwa in den USA. Dort wird es vor allem im Trocken- und Innenausbau eingesetzt.
Kork
Kork wird aus der Korkeiche gewonnen, die vor allem im Mittelmeerraum angesiedelt ist. Die Korkrinde wird mechanisch zerkleinert und kann ohne die Beigabe von Bindemitteln als Schüttdämmstoff in Hohlräumen eingesetzt werden. Alternativ kann die Rinde auch mit Wasserdampf bei 250 bis 350 Grad Celsius behandelt und anschließend zu Platten gepresst werden, die in der Außenwand- und Dachdämmung Verwendung finden. Kork ist nicht anfällig für Schädlinge und Bakterien und eignet sich dank seiner hohen Wärmespeicherung besonders im Sommer als Dämmschutz.