Prüfungshilfe für Lehrlinge Nachteilsausgleich: Hilfe für Azubis mit Lese-Rechtschreibstörung

Zeitverlängerung oder mündliche Prüfung - Azubis, die nicht richtig lesen oder schreiben können, haben Anspruch auf Prüfungshilfe. Was beim Antrag beachtet werden muss und welche Hilfsmaßnahmen es gibt, lesen Sie hier.

Jessica Baker

Azubis mit Lese-Rechtschreibstörung können einen Nachteilsausgleich beantragen. - © Foto: drubig-photo/ fotolia

Auszubildende mit einer Lese-Rechtschreibstörung haben es nicht nur im Berufsalltag schwer, sondern vor allem bei den Prüfungen. Damit sie die gleichen Chancen wie ihre Kollegen bekommen, können sie einen so genannten Nachteilsausgleich beantragen. Die Hilfsmaßnahmen sind vielfältig: eine Vorleseassistenz, Zeitverlängerung, ein Laptop oder eine mündliche Prüfung.

Anerkannte Behinderung

"Viele Azubis wissen nicht, dass sie überhaupt Anspruch darauf haben“, sagt Annette Höinghaus vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie. „Die Nachfrage zu dem Thema ist in den letzten drei, vier Jahren stark gestiegen“, so Höinghaus. Das Problem bei den Prüfungen ist nicht die fachliche Kompetenz. Viele Legastheniker halten sich kurz, aus Angst vor Schreibfehlern. Ein Nachteilsausgleich kann den Azubis mehr Sicherheit geben.

Etwa vier bis sechs Prozent der Bevölkerung leiden unter Legasthenie, wie die Lese-Rechtschreib-Störung offiziell heißt. Sie ist eine anerkannte Behinderung, die z.B. vererbt wird.

Ärztliches Gutachten wichtig

Um einen Nachteilsausgleich beantragen zu können, muss die Legasthenie offiziell von einem Kinder- und Jugendpsychiater oder einem Schulpsychologen festgestellt werden. Die Prüfungskommission der Innungen und Handwerkskammern entscheidet dann im Einzelfall, welche Unterstützung zugelassen wird.

Bescheinigungen, die beim Übergang von der Grund- auf die weiterführende Schule ausgestellt wurden, sind für Prüfungen nicht mehr gültig. "Die betroffenen Lehrlinge müssen ein aktuelles Gutachten beantragen“, sagt Michael Scholze, zuständig für die Ausbildung bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Ein Nachteilsausgleich wird allerdings nur aufgrund der festgestellten Behinderung gewährt. Kinder, die die deutsche Sprache nicht richtig verstehen, haben keinen Anspruch auf diese Unterstützung.

Weitere Informationen und Hilfe bieten die Innungen, Handwerkskammern und der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie. Der Verband hat außerdem eine ausführliche Broschüre zum Thema auf seiner Internetseite.

Mögliche Hilfsmaßnahmen bei der Prüfung

  • Langsame Lesegeschwindigkeit: Zeitverlängerung, Vorlesen der Aufgabenstellung, Vorlesesoftware, Multiple-Choice-Fragen

  • Mangelhafte Rechtschreibung: PC mit Rechtschreibkorrektur, mündliche Prüfung, Nichtbewertung der Rechtschreibung, Multiple-Choice-Fragen

  • Unleserliche Schrift: Nutzung von PC, mündliche Prüfung, Schreibassistenz, Multiple-Choice-Fragen

  • Konzentrationsschwäche: Zeitverlängerung, längere Pausen, Aufteilung der Aufgabenstellung in kleinere Einheiten

  • Versagensängste: Begleitung einer Person des Vertrauens bei Prüfungen