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Tricks und Ideen für Handwerker 12 clevere Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Betrieb

Wer leere Kartons verschenkt oder Elektrogeräte repariert, kann Energie sparen und etwas für die Umwelt tun. Eine Friseurmeisterin gibt einfache Tipps, die jeder Handwerker leicht nachahmen kann. Nicht nur für Friseure spannend.

Umwelt- und Klimaschutz – das sind zunächst einmal große, sperrige Begriffe. Wer sich ein bisschen genauer mit den Themen auseinander setzt, hat jedoch die Möglichkeit Geld zu sparen und etwas Gutes zu tun. Für die ersten Schritte lohnt es sich bei anderen ein paar Tricks abzuschauen. In welchen Bereichen Handwerksbetriebe nachhaltiger wirtschaften können, darüber informiert zum Beispiel die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz. Auf der Internetplattform sind allgemeine Tipps und auch gewerkespeziefische Maßnahmen aufgelistet. Außerdem gibt es persönliche Beratungsangebote. So wurden, nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), bislang 1.400 Betriebe vor Ort zum Thema Energieeffizienz und Klimaschutz geschult.

Klimaneutraler Friseursalon

Aber auch ohne externe Beratung kann sich jeder Handwerker selbst Gedanken machen, wie er im Betriebsalltag Ressourcen schonen kann. Friseurmeisterin Gabi Stern aus Asperg bei Stuttgart lebt den Umweltschutz schon seit vielen Jahren in ihrem Friseursalon. Viele kleine Maßnahmen ergeben ein großes Gesamtkonzept, dass sie Anfang des Jahres mit dem Zertifikat "Klimaneutraler Friseursalon" gekrönt hat.

Schon seit ihrer Jugend hat sie ein starkes Interesse an Umwelt- und Naturschutz. "Das Thema liegt mir sehr am Herzen. Wir haben schließlich nur eine Welt in der wir leben", sagt die Handwerkerin. In ihrem Friseursalon hat nachhaltiges Arbeiten deshalb einen großen Stellenwert. Welche Tipps sie für andere Betriebe hat und was die Mittelstandsinitiative Handwerksbetrieben zusätzlich rät, zeigt die folgende Liste. Einige Punkte sind nicht nur für Friseure interessant.

1. Beleuchtung auf LED umstellen

Das Licht im Friseursalon wird täglich genutzt und ist deshalb auch ein wichtiger Posten beim Energiesparen. Die Mittelstandsinitiative rechnet vor, dass die Beleuchtung den zweithöchsten Energieverbrauch in einem Friseursalon ausmacht. Mit einem ausgewogenen Energiekonzept basierend auf LEDs können laut den Experten 20 bis 50 Prozent der Energiekosten eingespart werden.

2. Elektrogeräte clever nutzen

Kassen, Computer, Kaffeemaschinen, Getränkeautomaten – in jedem Betrieb finden sich Elektrogeräte. In einem Friseursalon machen diese rund 16 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus. Laut Mittelstandinitiative können mit einfachen Mitteln 15 bis 30 Prozent Energie eingespart werden. Zu den konkreten Ratschlägen gehören: Staubfilter an Fön und Trockenhaube regelmäßig reinigen, Warmwasserfähige Waschmaschinen einsetzen und Akku-Geräte nur wenn nötig auf die Ladestation legen.

 3. Kaputte Elektrogeräte reparieren

Elektrogeräte gehen leider leicht kaputt und landen oft direkt im Müll, obwohl nur Kleinigkeiten repariert werden müssten. Die Geräte aus dem Friseursalon von Gabi Stern werden jedoch nicht so schnell weggeworfen. Die Handwerkerin bringt sie vorher zu einem Repair-Café. Dort kümmern sich, meist ehrenamtliche, Handwerker oder Hobbybastler um die Geräte und versuchen sie wieder zum Laufen zu bringen. Falls die Teile doch nicht mehr repariert werden können, kauft sie sparsamere neue Geräte.

4. Kleinere Tücher verwenden

Kleinere Handtücher nehmen weniger Platz in der Waschmaschine ein und dementsprechend ist die Trommel nicht so schnell voll. Damit können einige Wäschen pro Jahr eingespart werden. 

5. Auf Microfasertücher umstellen

Nicht nur die Größe, sondern auch das Material der Handtücher spielt eine Rolle. Seit Jahren kommen bei Stern nur noch Microfasertücher zum Einsatz. "Der Vorteil ist, dass sie viel schneller trocknen und länger halten. Baumwolltücher muss ich nach ein oder zwei Jahren austauschen. Meine Microfasertücher halten mindestens fünf Jahre", erklärt die Friseurmeisterin.

6. Gute Infrastruktur für die Kunden schaffen

Der Salon von Gabi Stern ist gut an die öffentliche Infrastruktur angebunden. "Als ich den Standort für meinen Laden ausgesucht habe, war mir wichtig, dass die Kunden auch mit Bus, Bahn oder Fahrrad zu uns kommen können. Dafür ist unsere Lage ideal. Wir sind zum Beispiel fußläufig vom Bahnhof zu erreichen", sagt Stern.

Gabi Stern

7. Ökostrom wählen

Stern hat in ihrem Betrieb schon seit Jahren auf Ökostrom umgestellt. "Das ist eigentlich gar nicht mehr erwähnenswert und gehört für mich einfach dazu", erklärt die Handwerkerin.

8. Verpackungskartons verschenken

Regelmäßig erhält Stern neue Waren für ihren Salon. Die Verpackungskartons sind anschließend immer noch gut zu gebrauchen. Anstatt sie in den Papiermüll zu werfen, ist sie auf eine andere Lösung gekommen, die Kisten wiederzuverwenden. Sie hebt die Verpackungskartons auf und verschenkt sie regelmäßig als Umzugskartons über eBay. "Die Kartons sind immer schnell weg", freut sich die Geschäftsführerin.

9. Haare an Gärtner geben

Ein Tipp, der wiederum nur für Friseure umsetzbar ist, ist das Sammeln der abgeschnittenen Haare. Stern hat ein Arrangement mit einem Gärtner, der einmal im Monat vorbeikommt und die gesammelten Haare mitnimmt. Dieser verwendet die Haare dann als Dünger weiter.

10. Shampoo-Flaschen zum Wiederauffüllen

"Refill" wird in einigen Friseursalons bereits umgesetzt, so auch bei Stern. Einmal im Laden gekauft, können die Kunden die Shampoo-Flaschen gereinigt mitbringen und voll wieder mitnehmen. "Die Kunden füllen ihre Flaschen selbst ab, so habe ich rechtlich keine Probleme damit", sagt Stern.

11. Wasserspararmaturen verwenden

In einem Friseursalon werden, laut Mittelstandsinitiative, rund 220 Kubikmeter Wasser pro Jahr verbraucht, 60 Prozent entfallen auf das Haarewaschen. Eine Wassersparamatur verringert nicht nur den Verbrauch beim Haarewaschen sondern reduziert auch den Energieverbrauch für die Erwärmung des Wassers. Wasserspararmaturen können, gemeinsam mit anderen Maßnahmen, 20 bis 50 Prozent der Kosten für die Warmwassererzeugung einsparen.

12. Markise für die Schaufenster einbauen

Ein Tipp, den nicht nur Friseursalons umsetzen können: Markisen schützen Schaufenster vor zu starker Sonneneinstrahlung. Große Schaufenster und eine hohe interne Wärmegewinnung, zum Beispiel durch Warmwasser und Haartrockner, können vor allem in Friseursalon zur Überhitzung führen. Setzt man Kühl- und Klimatechnik ein, wird dabei meist viel Strom verbraucht. Günstiger sind hier eine Markise oder ein Vordach, also ein passiver Wärmeschutz.

Klimaneutraler Friseursalon

Seit Februar ist der Friseursalon von Gabi Stern mit dem Zertifikat "Klimaneutraler Friseursalon" ausgezeichnet. Angestoßen wurde das Projekt von ihrem Lieferanten La Biosthetique. Etwa 160 Friseursalons in Deutschland beteiligen sich an dieser Initiative zur Aufforstung des Regenwaldes.

So wird das Geld verteilt:

  • 30 Prozent: Überwachung und Schutz
  • 28 Prozent Sozialprojekte in der Region
  • 25 Prozent: Erhaltung der biologischen Vielfalt im Amazonasgebiet
  • 17 Prozent: Zertifizierung

 

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