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Rückkehr zu den ursprünglichen Umsatzsteuersätzen MwSt-Erhöhung 2021: Darauf müssen sich Unternehmer vorbereiten

Im zweiten Corona-Steuerhilfegesetz hat der Gesetzgeber die Reduzierung der Mehrwertsteuersätze für die Zeit vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 festgelegt. Der Regelsteuersatz wurde dabei von 19 Prozent auf 16 Prozent gesenkt, der ermäßigte Umsatzsteuersatz betrug in diesem Zeitraum statt 7 Prozent nur noch 5 Prozent. Zum 1. Januar 2021 gelten wieder die ursprünglichen Umsatzsteuersätze. Darauf sollten sich Unternehmer frühzeitig vorbereiten.

Ist eine Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung möglich?

Möglich ist in dieser schwierigen Zeit eigentlich alles. Doch Bundesfinanzminister Olaf Scholz betont immer wieder, dass die zeitliche Begrenzung der Senkung der Mehrwertsteuersätze die Nachfrage in den während der Corona-Pandemie gebeutelten Unternehmen erhöhen sollte. Bei einer dauerhaften Absenkung der Mehrwertsteuer würde dieser Effekt verpuffen.

Praxis-Tipp: Klar, das Blatt kann sich angesichts des geplanten harten Lockdowns hier noch einmal wenden und es wird eine Verlängerung der Mehrwertsteuerreform beschlossen. Doch Stand heute ist nicht damit zu rechnen. Das bedeutet im Klartext: Als Unternehmer müssten Sie bereits heute an den 1. Januar 2021 denken und die Vorbereitungen für die höheren Mehrwertsteuersätze treffen.

Wichtigster Schritt: Umstellung der Kassenführung und der Rechnungsstellung

Nutzen Sie eine elektronische Registrierkasse, müssen Sie Sorge dafür tragen, dass für Lieferungen und Leistungen, die ab dem 1. Januar 2021 ausgeführt werden, wieder 19 Prozent oder 7 Prozent Umsatzsteuer auf dem Kassenzettel erscheinen. Dazu müssen Sie sich mit dem Hersteller Ihres Kassensystems frühzeitig – am besten schon heute – in Verbindung setzen und einen Termin für die Umrüstarbeiten vereinbaren.

Dasselbe gilt für die Buchführung. Bekommen Sie kein automatisches Update zu 1. Januar 2021, müssen Sie sich mit dem Hersteller Ihrer Buchhaltungssoftware in Verbindung setzen und um Anpassung ab 1. Januar 2021 bei den Umsatzsteuersätzen bitten.

Zu beachten ist auch, dass die Rechnungsstellung ab dem 1. Januar 2021 wieder angepasst werden muss. Dazu sollte frühzeitig das Gespräch mit dem Steuerberater geführt werden. Dieser wird die laufenden Umsätze in Ihrem Betrieb lokalisieren und Ihnen mitteilen, wie bei Rechnungsstellung in 2021 umsatzsteuerlich zu verfahren ist.

Umsatzsteuerliche Besonderheiten der Mehrwertsteuerreform

Das Bundesfinanzministerium hat kürzlich ein Schreiben veröffentlicht, in dem Sonderfälle zur Mehrwertsteuersenkung ab dem 1. Juli 2020 und ab dem 1 Januar 2021 angesprochen werden (BMF, Schreiben v. 4.11.2020, Az. III C 2 – S 7030/20/10009:016; abrufbar unter www.bundesfinanzministerium.de in der Rubrik-BMF-Schreiben). Schauen Sie sich dieses Schreiben durch, ob diese Infos auch für Sein relevant sein könnten und sprechen Sie Ihren Steuerberater frühzeitig an, sollten Sie Zweifel haben. Hier ausgewählte Sonderfälle im Rahmen der Mehrwertsteuersenkung:

Voraus- und Anzahlungsrechnungen

In Voraus- und Anzahlungsrechnungen, die nach dem 20. Juni 2020 und vor dem 1. Januar 2021 gestellt werden und für die das Entgelt in diesem Zeitraum vereinnahmt wird, müssen nur 16 Prozent bzw. 5 Prozent Umsatzsteuer ausgewiesen werden. Steht allerdings fest, dass die Leistung erst im Jahr 2021 erbracht werden wird, ist es nicht zu beanstanden, wenn in der Abschlagsrechnung bereits 19 Prozent bzw. 7 Prozent Umsatzsteuer ausgewiesen werden. Der Empfänger der Voraus- oder Anzahlungsrechnung – sofern er Unternehmer und zum Vorsteuerabzug berechtigt ist - hat in Höhe der ausgewiesenen Umsatzsteuer einen Vorsteuerabzug.

Praxis-Tipp: Wird bei Rechnungsstellung im Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 eine Anzahlungsrechnung mit 19 Prozent bzw. 7 Prozent Umsatzsteuer gestellt, wird das Finanzamt den Vorsteuerabzug in dieser Höhe nur anerkennen, wenn aus Hinweisen in der Rechnung oder aus zusätzlichen Unterlagen ersichtlich ist, dass die Lieferung oder Leistung erst im Jahr 2021 ausgeführt werden wird. Ohne diese Hinweise oder Unterlagen kann es passieren, dass das Finanzamt den Vorsteuerabzug auf 16 Prozent bzw. 5 Prozent reduziert.

Erbringung von Teilleistungen

Ein Streitpunkt bei künftigen Umsatzsteuer- und Betriebsprüfungen dürften Teilleistungen sein, die dem Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 mit den Umsatzsteuersätzen 16 Prozent und 5 Prozent erbracht wurden. Die Prüfer werden sehr genau prüfen, ob wirklich Teilleistungen vorlagen. Ob Teilleistungen vorliegen oder nicht, verrät das Merkblatt Bauwirtschafts, das das Bundesfinanzministerium 2009 veröffentlicht hat und das immer noch gültig ist (abrufbar hier).

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