Mehr als jedes dritte Unternehmen rechnet nicht zuletzt wegen Lieferengpässen mit Umsatzrückgängen im laufenden Jahr.

Nach deutlichen Umsatzrückgängen im vergangenen Jahr sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch im laufenden Jahr nach Einschätzung vieler Mittelständler noch nicht überwunden. Noch rechnen 41 Prozent der Unternehmen mit weiteren Umsatzrückgängen 2021, sagte KfW-Chef-Volkswirtin Fritzi Köhler-Geib mit Blick auf eine Befragung der Förderbank unter mittelständischen Unternehmen. "Mittelfristig werden die Erwartungen des Mittelstands wieder optimistischer", fügte sie mit Blick auf die Zeit bis 2023 hinzu. Dies lasse vermuten, dass viele Mittelständler bis dahin mit dem Auflösen der Lieferengpässe rechneten. Insgesamt gingen die Umsätze der mittelständischen Unternehmen 2020 um sechs Prozent oder 277 Milliarden Euro auf 4.349 Milliarden Euro zurück.
Digitalisierung der Vertriebskanäle hat Umsatz-Minus abgefedert
Der Umsatzrückgang 2020 konnte nach Ansicht Köhler-Geibs durch flexibles Agieren der Unternehmen abgemildert werden. "Viele Unternehmen konnten Schlimmeres verhindern, in dem sie auf digital Absatzkanäle umgestiegen sind", betonte sie. Insgesamt habe sich der Online-Umsatz im Mittelstand 2020 um 24 Prozent auf 302 Milliarden Euro erhöht. Dabei habe auch die Zahl der Unternehmen mit Online-Geschäft zugenommen. Einige mittelständische Unternehmen wie der Lebensmittelhandel, Drogeriemärkte oder der Online-Handel hätten sogar von der Krise profitiert.
Bei kleinen Mittelständler sinkt Eigenkapitalquote besonders
Trotz deutlicher Einschnitte beim Umsatz sind die kleinen und mittelständischen Unternehmen im Schnitt profitabel geblieben. So ist die durchschnittliche Umsatzrendite nur leicht von 7,5 auf 7,3 Prozent gesunken. "Dies spricht dafür, dass die staatlichen Hilfen zum Ausgleich von Liquiditätslücken hier doch gewirkt haben", sagte Köhler-Geib. Damit sei auch die Eigenkapitalquote im Mittelstand insgesamt nur von 31,8 auf 30,1 Prozent zurückgegangenen. Bei kleineren Mittelständlern mit weniger als zehn Mitarbeitern sei die Eigenkapitalquote dagegen viel deutlicher von über 20 Prozent auf 17,4 Prozent gefallen. Dies könne auch zu einer Änderung der Bonität führen könne, gab die Chef-Volkswirtin zu bedenken.
Viele Unternehmen haben Investitionsvorhaben verschoben
Mit Blick auf die Investitionen hat die Corona-Krise ebenfalls deutliche Spuren hinterlassen. Noch nie haben so viele Unternehmen ihre Investitionspläne nicht umgesetzt, heißt es bei der KfW. Um ihre Liquiditätslücken zu schließen, hätten viele Unternehmen auf ursprünglich Investitionsmittel zurückgegriffen. Wenn investiert wurde, dann oft in die Krisenanpassung wie etwa in Hygienemaßnahmen oder in Digitalisierung. Insgesamt seien die Neuinvestitionen 2020 um sieben Prozent auf 173 Milliarden Euro zurückgegangen. Auch für 2021 rechnet Köhler-Geib mit einem ähnlichen Rückgang. Dies spiegele sich auch in der Nachfrage nach Krediten und deren Volumina wider. Dies gelte insbesondere für Kleinunternehmen.