Ob eine Anweisung motivierend oder als Befehl ankommt, entscheidet oft weniger der Inhalt als der Tonfall. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, wie Tempo, Lautstärke und Stimmführung das Lernklima beeinflussen – und wie Ausbilder ihre Stimme langfristig schützen.

Im Umgang mit Auszubildenden spielt die Stimme der Ausbilderin oder des Ausbilders eine wichtige Rolle. Sie ist ein klangliches Werkzeug für Anwesenheit, Führung und Überzeugung – und ein wichtiger Baustein für die Zufriedenheit der Auszubildenden. Manchmal kann der Tonfall darüber entscheiden, ob eine Anweisung motivierend oder als Befehl ankommt. Entsprechend ist sie ein wichtiges Werkzeug, um die Lernziele zu vermitteln.
Ausbilderinnen und Ausbilder beeinflussen durch ihre Stimme das Lernklima und die Aufmerksamkeit ihrer Auszubildenden. Dabei übernehmen Auszubildende, manchmal unbewusst, die verwendeten Sprachmuster. Ein höflicher Tonfall vermittelt so auch, wie respektvoll mit Kundschaft oder Lieferanten gesprochen wird.
Wie Stimme und Tempo wirken
Tiefe Stimmen und ein ruhiges Tempo vermitteln Ruhe, Sicherheit und Souveränität. Eine gezielte Stimmenführung hilft Ausbildungsverantwortlichen dabei, bei Unterweisungen überzeugend zu wirken – oder in schwierigen Situationen deeskalierend einzugreifen.
Hohe Stimmen und ein schnelles Tempo können auf Auszubildende nervös oder schrill wirken – und das oft mit größerem Einfluss als der eigentliche Inhalt des Gesagten. Ein herablassender Tonfall dagegen kann sogar einen inneren Rückzug auslösen.
Tipps für die Unterweisung
Bei einer Unterweisung sollte langsam und deutlich gesprochen werden. Pausen geben Auszubildenden Zeit, das Gehörte zu verarbeiten und Fragen zu stellen – nach einer wichtigen Arbeitsanweisung oder einem neuen Fachbegriff sollten bewusst einige Sekunden Pause folgen. Auch die Lautstärke spielt eine Rolle: Wer zu leise spricht, geht unter, wer zu laut spricht, verliert die Wertschätzung.
Ein freundlicher Grundton wirkt motivierend, das Heben und Senken der Stimme festigt wichtige Informationen im Gedächtnis. In einer schwierigen Lage hilft eine feste, ruhige Stimme mehr als lautes Schimpfen.
So bleiben Ausbilder gut bei Stimme
Beim Ausbildungspersonal ist die Stimme ein stark beanspruchtes Arbeitsorgan. Professionelles Stimmtraining schützt vor Heiserkeit, sichert die langfristige Belastbarkeit und ist damit sowohl eine Maßnahme zum Arbeitsschutz als auch zur persönlichen Gesundheitsvorsorge. Fachleute empfehlen dazu eine Verbindung aus richtiger Stimmtechnik, guter Pflege und Verhaltensanpassungen:
- Bauchatmung nutzen: Tief in den Bauch atmen statt flach in die Brust – das entlastet die Kehlkopfmuskulatur.
- Gerade stehen oder sitzen: Eine blockierte Hals- oder Nackenmuskulatur wirkt sich negativ auf die Stimmbänder aus.
- Langsam sprechen, damit Zeit für Atempausen entsteht.
- Mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßten Kräutertee pro Tag trinken.
- Auf ausreichende Luftfeuchtigkeit in den Arbeitsräumen achten.
- Nicht flüstern – lieber leise mit normaler Stimme sprechen.
- Rauchen und hochprozentigen Alkohol meiden – beides trocknet die Schleimhäute aus.
- Der Stimme nach langem Sprechen eine Schweigepause gönnen.
- Vor einer Unterweisung kurz summen oder die Lippen flattern lassen.
- Nicht räuspern, sondern sanft schlucken oder hüsteln.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.
