Interview "Mister Handwerk": Ein Spätzünder und Vorbild

Sebastian Tenius ist Zweiradmechaniker und ein echter Kerl. Der 35-Jährige konnte sich beim Wettbewerb "Mister Handwerk" gegen die männliche Konkurrenz durchsetzen. Im Interview spricht er über seine Leidenschaft für zwei Räder, praxisnahe Ausbildung und ein außergewöhnliches Kaffee-Projekt.

Zweiradmechaniker bei der Arbeit
Ausbildungsmeister Sebastian Tenius in seiner Werkstatt. - © Marvin Enkuran

Herr Tenius, Glückwunsch zu diesem Titel. Was bedeutet er Ihnen?

Sebastian Tenius: Ich hätte nach meinen acht Jahren als Zeitsoldat gerne eine Figur wie "Mr. Handwerk" gehabt, die mir eine Richtung gezeigt hätte. Aber der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr kannte das Handwerk nur als Allgemeines, ohne konkrete Infos zur Breite der Berufe. Ich wusste damals gar nicht, dass es Zweiradmechaniker gibt. Letztlich hatte mich die Macher-Kampagne des Handwerks überzeugt. Erst da hatte ich realisiert, dass so ziemlich alles auf dieser einmal ein Handwerker gemacht hat.

Sie sind sehr sportlich, sehen trainiert aus. Sind Sie deswegen auch auf die Idee gekommen, eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker zu machen?

Danke für das Kompliment. Der Job hält einen fit. Ich wollte damals einfach mehr aus meinem Hobby machen. Motorradfahren war schon cool, aber an Bikes schrauben war für mich noch cooler. Ich wollte mehr über Mechanik und Motoren wissen und wie das alles so zusammenspielt. Deswegen hatte ich mich für eine Ausbildung als Zweiradmechaniker entschieden. Nach der Bundeswehrzeit stand bei mir eine Umorientierung an. Ich bin quasi ein Spätzünder im Handwerk.

Sie haben später auch den Meister abgelegt – war das klar definiert, dass Sie die nächste Stufe in der Karriere weitersteigen wollen?

Ja. Während der Berufsschulblöcke hatte ich einige Auszubildende kennengelernt, die in ihren Betrieben nicht immer bestens von den Ausbildern betreut werden konnten. In der Theorie waren sie gut, aber praktisch hatten sie selbst im zweiten oder dritten Lehrjahr kaum oder zu wenig Erfahrung. Das fand ich ausgesprochen schlecht und wollte es besser machen.

Sie wollen also als Ausbilder mit Vorbild vorangehen?

Das ist mir sehr wichtig. Meine Azubis dürfen ihren Fähigkeiten und dem Ausbildungsplan entsprechend an den Bikes schrauben. Im vierten Ausbildungsjahr sollen sie weitestgehend ihren Arbeitsablauf selbst planen und umsetzen können und mir mitteilen, was sie für den anstehenden Kundenauftrag benötigen. Wenn es gut läuft, tauschen wir vielleicht auch mal die Rollen für einen Tag und sie dürfen – bis zu einem gewissen Maß natürlich – den Meister spielen und den Werkstatttag mitgestalten; um sich Appetit und die Motivation auf den Meisterbrief zu holen.

Was raten Sie interessierten Jugendlichen, die vielleicht noch zweifeln, ob sie eine Ausbildung im Handwerk machen sollen oder nicht?

Einfach machen! Das Handwerk ist so facettenreich, da ist für wirklich jeden Schulabgänger das Richtige dabei. Jeder kann sich im Handwerk entfalten. Ihm stehen später alle Türen offen. Für die Zeit der Berufsausbildung rate ich den jungen Menschen: Individualität ist gut, man muss sich aber auch mal ans Drehbuch halten können.

Was war Ihr bisher außergewöhnlichstes Projekt?

Das ist tatsächlich derzeit meine Kaffeemaschine, die ich in ein Motorrad einbaue. Ich tüftle seit rund einem Jahr an der Umsetzung und diversen Details. Dafür habe ich unter anderem Installateure befragt. Außerdem stand ich in Kontakt mit Heizungsbauern und Klimatechnikern. Es ist sozusagen ein gewerkeübergreifendes Projekt im oberbayerischen Handwerk.

Wie kamen Sie auf diese Idee?

Die Idee war in meiner Stammkneipe mit Freunden entstanden. Lange Jahre lag sie brach in meiner "Müsste-­man-mal-versuchen"-Mappe. Doch war ich mir sicher, dass diese Schnaps­idee höchstwahrscheinlich funktionieren wird. Die Community ist sehr gespannt auf das Ergebnis.

Sie gehen als Handwerker richtig auf in Ihrem Job!

Die Arbeit als Werkstattleiter macht mir sehr viel Spaß. Ich kann meinen Jungs am Tagesgeschäft die Ausbildung vermitteln, die sie für die Zwischenprüfung und später für die Gesellenprüfung benötigen – und natürlich noch vieles mehr. Zwar komme ich sehr zum Leidwesen meiner Frau abends mit schmutzigen Händen von der Arbeit nach Hause. Doch schmutzige Hände sind ein Zeichen für einen sauberen Verdienst.

Was sind Ihre beruflichen Zukunftspläne?

In Zukunft möchte ich mich mit dem Thema Elektro- und alternative Antriebe auseinandersetzen. Ich werde mich dazu weiterbilden, weil der Bedarf nicht nur in unserem Betrieb zunimmt. Ich glaube, es ist ein Zukunftsthema auch für das Handwerk.