Unternehmerischer Mut Schornsteinfee verwirklicht ihre Träume

Die gebürtige Ungarin Beata Niculescu hat ein Studium beendet, die Karibik bereist und eine Umschulung zur Schornsteinfegerin absolviert. Als "Schornsteinfee" steigt sie ihren Kunden aufs Dach und wurde jüngst für ihren unternehmerischen Mut geehrt.

Preisübergabe an Schornsteinfegerin
Ihr Tatendrang hat sich ausgezahlt: Schornsteinfegerin Beata Niculescu ist mit dem Preis "Unternehmen mit Kultur 2021" in der Kategorie "Unternehmerischer Mut" geehrt worden. - © KAUSA-Landesstelle Thüringen

Ihr Tatendrang hat sich ausgezahlt: Beata Niculescu hat den Preis "Unternehmen mit Kultur 2021" in der Kategorie "Unternehmerischer Mut" gewonnen. "Ich war sehr überrascht, dass ich den Preis bekommen habe. Ich wusste gar nicht, dass man dafür ausgezeichnet werden kann", sagt die Schornsteinfegerin aus Erfurt, die seit 2017 als "Schornsteinfee" firmiert.

Der von der KAUSA-Landesstelle Thüringen und dem Ausländerbeirat der Landeshauptstadt Erfurt vergebene Preis zeichnet herausragende Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund aus. Als Projekt der Initiative Bildungsketten ist er bereits zum vierten Mal verliehen worden. Die diesjährige Festveranstaltung fand in der Erfurter Barfüßerkirche statt.

Erfolgsrezept des Unternehmens

Die gebürtige Ungarin hat es nicht gescheut, sich beruflich zu verändern. Als eine von insgesamt 24 Unternehmerinnen und Unternehmer aus 14 verschiedenen Ländern beweist sie wirtschaftliche Vielfalt, Kreativität und Engagement. Gemeinsam leisten sie in unterschie­lichen Branchen einen wichtigen Beitrag zur regionalen Entwicklung im Freistaat, schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und bereichern durch soziales Engagement das Miteinander.

Das Erfolgsrezept des kleinen Schornsteinfegerbetriebs: Fachliche Kompetenz gepaart mit Sympathie und Transparenz. Beata Niculescu behauptet sich mit Entschlossenheit und Qualität in einem männerdominierten Handwerk, heißt es seitens der KAUSA-Landesstelle Thüringen. Der Beleg ihres Erfolgs sei ein hoher Bekanntheitsgrad in der Region rund um Erfurt und eine wachsende Kundschaft.

Bewegtes Leben

Noch in Ungarn schloss Beata Niculescu 2000 ihr Studium zur Umweltingenieurin ab. Die Abenteuerlust führte sie zwei Jahre quer durch die Karibik. "Ich arbeitete auf mehreren Kreuzfahrtschiffen, lernte interessante Menschen kennen und spektakuläre Ausblicke lieben", sagt sie. Nachdem die Reiselust gestillt war, arbeitete sie als Produktionsmanagerin bei GE Energy.

2010 führte sie die Liebe nach Thüringen, wo sie einen Integrationskurs absolvierte. Zwei Jahre später entschied sie sich, auch auf Empfehlung einer Freundin, für eine Umschulung zur Schornsteinfegerin, der schon bald der Meistertitel und der eigene Schornsteinfegerbezirk folgen sollte. "Seitdem trage ich gerne Schwarz, messe, prüfe, reinige und berate in meinem Job als Schornsteinfee. Es ist alles richtig so, wie es ist", sagt sie.

Beata Niculescu arbeitet nicht nur in ihrem Beruf, steigt ihren Kunden aufs Dach und macht sich die Hände schmutzig. Sie arbeitet auch für ihren Beruf. In diesem Jahr bildet sie zum ersten Mal aus und bietet jungen Menschen eine berufliche Perspektive. Außerdem beteiligt sie sich unter anderem am Girls’Day, um vor allem jungen Schülerinnen den Beruf näherzubringen.

Glücksbringerin beim Weltcup

Und weil Schornsteinfeger bekanntlich Glück bringen, ist sie unter anderem beim Biathlon-Weltcup in Oberhof im Einsatz. Damit die Sportler alle schwarzen Scheiben treffen und möglichst keine Strafrunde laufen müssen. Und damit die Fans das ein oder andere Autogramm erhaschen. dhz