Jobverlust Mindestlohn vernichtet Minijobs

Seitdem es den Mindestlohn gibt, verschwinden die Minijobber. Einige wechseln in sozialversicherungspflichtige Jobs, doch der Großteil verliert die Beschäftigung komplett. Bis zum Jahresende sollen es insgesamt 220.000 Minijobs weniger sein.

Nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsforscher vernichtet der Mindestlohn im laufenden Jahr bis zu 220.000 Minijobs. - © Foto: marcus_hofmann/Fotolia

Deutschland erlebt einen weiteren Wirtschaftsaufschwung. Im neuen Frühjahrsgutachten heben die Wirtschaftsforscher ihre Prognose für das Wachstum im laufenden Jahr von 1,2 auf 2,1 Prozent deutlich an. Gründe sind unter anderem der derzeit starke Konsum, das billige Öl und der schwache Euro.

Der Aufschwung bringt mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse – auch Minijobber. Seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2015 und sogar schon davor, als die Pläne feststanden, hat sich gezeigt, dass die Zahl der geringfügig Beschäftigten sinkt.

Stille Reserve oder arbeitslos

In der Summe seien – bereinigt um saisonale Schwankungen – in dem Bereich bereits rund 120.000 Menschen weniger beschäftigt, sagte der Konjunkturchef des Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, am Donnerstag bei der Vorstellung des Frühjahrsgutachtens in Berlin.

Nach Ansicht der Wirtschaftsforscher sind die Minijobber in der Mehrheit aber nicht die Profiteure des Aufschwungs und vor allem nicht des Mindestlohns. Der größere Teil von ihnen dürfte jedoch in der stillen Reserve oder in der Arbeitslosigkeit landen, meinte Wollmershäuser. Der Mindestlohn vernichte im laufenden Jahr bis zu 220.000 Minijobs in Deutschland, sagen die Wirtschaftsforscher voraus.

Wollmershäuser betonte, der Nachweis, dass der von Union und SPD eingeführte Mindestlohn tatsächlich am Wegfall der Minijobs schuld ist, sei schwierig. Aber: "Es deutet vieles darauf hin, dass es der Mindestlohn war." Wie erwartet falle der Rückgang der Minijobs in Ostdeutschland, wo das Lohn- und Produktionsniveau noch deutlich geringer als im Westen ist, besonders kräftig aus.

Mindestlohn steigert Kaufkraft

Die Gewerkschaften halten jedoch dagegen, frühere Horrorvisionen der Ökonomen hätten sich nicht bestätigt: "Der Mindestlohn und die Erhöhung der Tarifentgelte haben erheblich zur Steigerung der Kaufkraft beitragen", meinte DGB-Vorstand Stefan Körzell.

Die Arbeitslosenquote soll laut dem Frühjahrsgutachten von 6,7 Prozent (2014) auf 6,3 Prozent und 2016 dann auf 5,9 Prozent sinken. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gab es in der Nachkriegszeit noch nie. dpa /dhz