Während der Ausbildung -

Novelle des Berufsbildungsgesetzes Mindestausbildungsvergütung: So viel soll jeder Azubi verdienen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will eine bundesweite Mindestausbildungsvergütung im Gesetz verankern. Sie soll für alle Branchen gelten.

Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, soll es für Auszubildende bald eine einheitliche Ausbildungsvergütung geben. "Wir haben allen Grund unseren Auszubildenden Wertschätzung zukommen zu lassen", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek auf dem Tag der Berufsausbildung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Dabei müsse die Ausbildungsvergütung "ausgewogen und in der Höhe gut gewählt sein", fügte sie hinzu. Schließlich solle sie bundes- und branchenweit gelten. Für das erste Lehrjahr plant die Ministerin in Anlehnung an das Schüler-Bafög eine Vergütung von 504 Euro. Die Gewerkschaften forderten ursprünglich 635 Euro für das erste Lehrjahr. Der ZDH hat sich bis zuletzt für branchenspezifische und regionale Lösungen ausgesprochen.

Karliczek: Staatlicher Eingriff auf das sozial Erforderliche beschränkt

Wie es in den Eckpunkten zur Novelle weiter heißt, soll die Vergütung im zweiten Lehrjahr auf 529 Euro, im dritten auf  554 Euro und im vierten Lehrjahr auf 580 Euro steigen. "Viele Betriebe bezahlen freiwillig schon heute deutlich mehr", betonte Karliczek in ihrer Rede. Allerdings sei die regionale und branchenspezifische Spannweite groß, auch dies gelte es zu beachten. Grundsätzlich befürworte sie die Tarifautonomie. Sie habe deshalb die staatlichen Eingriffe in die Lohnpolitik bei der Mindestausbildungsvergütung auf das "sozial Erforderliche" beschränkt. Auszubildenden müsse man finanzielle Sicherheit und Wertschätzung zubilligen.

Bisher noch große Unterschiede bei Ausbildungsvergütungen im Handwerk

Wie groß die Bandbreite ist, zeigt etwa der neu abgeschlossene Tarifvertrag für das Frisörhandwerk in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Danach bekommt ein Auszubildender im ersten Lehrjahr 325 Euro, im zweiten 380 Euro und im dritten 420 Euro, nachdem die Vergütung vor Jahresfrist im ersten Lehrjahr noch bei rund 150 Euro lag. Bei den Dachdeckern gelten dagegen schon jetzt bundeseinheitliche Ausbildungsvergütungen von 650 Euro im ersten Lehrjahr, 800 Euro im zweiten und 1050 Euro im dritten Lehrjahr, um nur ein Beispiel zu nennen.

Neue Namen für Fortbildungsstufen soll höhere Berufsbildung stärken

Die Novelle des Berufsbildungsgesetzes sieht außerdem eine Verankerung von beruflichen Fortbildungsstufen vor. So soll nach der Lehre, die dem Niveau vier des deutschen Qualifikationsrahmens entspricht, für eine Fortbildung auf Niveau fünf die Bezeichnung "Berufsspezialist" gewählt werden. Der Meisterabschluss auf Niveau sechs soll auch als "Berufsbachelor" bezeichnet und eine weiterführende Fortbildung wie etwa der Betriebswirt im Handwerk soll mit "Berufsmaster" bezeichnet werden. Die Novelle des Berufsbildungsgesetzes soll bis 1. 8. 2019 beschlossen werden und zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

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