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Rekordeinbrüche im Messegeschäft 2020 Fachmesse bautec wird eingestellt: Kommt jetzt das Messe-Sterben?

Die internationale Fachmesse für Bauen und Gebäudetechnik bautec wird aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt. Weil es dem Messegeschäft in Deutschland insgesamt schlecht geht, fordert der Verband der Deutschen Messewirtschaft von der Politik klare Perspektiven für einen baldigen Messe-Neustart.

Aus für die bautec: Wie der Veranstalter Messe Berlin in einer aktuellen Pressemitteilung verkündet, wird die Fachmesse für Bauen und Gebäudetechnik eingestellt. "Die Wirtschaftlichkeit der bautec ist leider bereits seit einigen Jahren nicht auf dem erforderlichen Niveau", erläutert Karel Heijs. Der Geschäftsbereichsleiter Life Sciences bei der Messe Berlin bedauert die Entscheidung: "Da wir aber nicht davon ausgehen können, dass die bautec im kommenden Jahr eine substantielle Ergebnissteigerung erzielen wird, ist die Entscheidung in diesen aktuell wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, nachvollziehbar."

Schwerster Einbruch des Messegeschäfts seit mehr als 70 Jahren

Es verwundert angesichts aktueller Branchenzahlen kaum, dass ein erstes Messeformat in Corona-Zeiten eingestellt wird. Der Verband der Deutschen Messewirtschaft (AUMA) spricht von gewaltigen gesamtwirtschaftlichen Schäden, die die Absagen von rund 70 Prozent der geplanten internationalen, nationalen und regionalen Messen 2020 nach sich zieht. Während die Durchführung von Messen in "normalen" Jahren rund 28 Milliarden Euro zur gesamten deutschen Wirtschaftsleistung beitrage, seien davon im vergangenen Jahr nur sechs Milliarden Euro übriggeblieben. Der Verband spricht vom schwersten Einbruch des Messegeschäfts seit mehr als 70 Jahren.

Unter erheblichen finanziellen Einbußen leiden aber nicht nur Messeveranstalter, Messebau und Aussteller. Die Ausfälle haben auch einen negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Situation von Hotels, Gastronomie, Spediteuren, Taxifahrern und den Einzelhandel in den Messestädten. "Wenn sich diese Entwicklung 2021 auch nur annähernd fortsetzt, dürften in den betroffenen Branchen mehr als 100.000 Arbeitsplätze gefährdet sein", sagt Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des AUMA.

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Regeln für baldigen Messe-Neustart gefordert

Zunächst planten laut AUMA Veranstalter von rund 380 Messen im Herbst 2020, diese ins Jahr 2021 zu verschieben. Bereits jetzt seien aber aufgrund der andauernden Pandemie rund 110 Messen abgesagt oder ins Jahr 2022 verschoben worden. Ein Beispiel ist die ursprünglich für März geplante Internationale Handwerksmesse (IHM), die 2021 aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen wird. Zu der Entscheidung führten laut Geschäftsführung die verschärften Corona-Vorgaben sowie fehlende Planungssicherheit. Auch die internationale Fachmesse für die Orthopädieschuhtechnik-Branche "Orthopädie Schuh Technik" wird um ein Jahr in den Oktober 2022 verschoben. Hier führen die Veranstalter als Grund ebenfalls die noch angespannte und unsichere Lage in der Corona-Pandemie an.

Angesichts des Rückgangs der Infektionszahlen spricht sich die deutsche Messewirtschaft dafür aus, schon jetzt ein Konzept für die Wiederaufnahme des Messebetriebs zu erarbeiten. "Aufgrund der langen Vorlaufzeiten für eine Messedurchführung sollte die Politik so früh wie möglich beginnen, verlässliche Rahmenbedingungen auf Basis der bisherigen Regelungen für den Messe-Neustart zu formulieren. Mit der Öffnung des Einzelhandels sollte auch die Durchführung von Messen wieder grundsätzlich zugelassen werden, denn in beiden Branchen gibt es sehr ähnliche Geschäftsabläufe." Eine vergleichbare Entscheidung habe es bereits am 6. Mai 2020 gegeben.

Letzte bautec besuchten 31.000 Branchenvertreter

Im Herbst 2020 hätten die Veranstalter unter Beweis gestellt, dass Messen unter hohen Gesundheitsstandards erfolgreich und sicher durchgeführt werden können. Vor allem die mittelständische Wirtschaft braucht der AUMA zufolge dringend reale Branchenplattformen, um neue Produkte zu präsentieren und Kunden zu gewinnen.

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Für die bautec jedoch kommt auch ein vorgezogener Messe-Neustart zu spät. Die letzte Ausgabe der Fachmesse fand vom 18. bis 21. Februar 2020 auf dem Berliner Messegelände statt. Dort präsentierten dem Veranstalter zufolge zuletzt 451 Aussteller aus 18 Ländern Trends und Entwicklungen rund um das Thema Bauen und Gebäudetechnik. 31.000 Branchenvertreter sollen das Event im vergangenen Jahr besucht haben.

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