Umfrage Mehrheit will noch vor 63 in Rente gehen

Rente mit 67? Für die große Mehrheit der Deutschen kommt das nicht in Frage. Ein Großteil will sehr viel früher mit dem Arbeiten aufhören, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Doch bei der Sache gibt es eine Krux.

Maßband mit Zahlen von 63 bis 70.
67 ist das gesetzliche Rentenalter in Deutschland: Die Mehrheit der Berufstätigen will aber bereits vor dem 63. Lebensjahr in Rente gehen. - © Cabeza Cuadrada - stock.adobe.com

Mit 67 als Dachdecker noch auf dem Dach stehen, als Maurer schwere Baumaterialen heben oder als Fleischer große Mengen an Schlachttieren zerlegen: Viele Handwerker können sich aufgrund der harten körperlichen Arbeit nicht vorstellen bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten. Und vielen anderen Deutschen geht es ähnlich. Das zeigt jetzt eine Umfrage, nach der die Mehrheit der Berufstätigen (53 Prozent) noch vor dem 63. Lebensjahr in Rente gehen will. Demnach würde nur jeder Achte bis 67 Jahren berufstätig bleiben.

Junge Menschen und Arbeiter wollen noch früher in Rente gehen

Unterscheidet man nach Altersgruppen, wollen jüngere Befragte sogar noch früher in Rente gehen, wie die Umfrage des Marktforschungsinstituts Civey im Auftrag des Demographie Netzwerks (ddn) unter 2.500 Teilnehmern zeigt. Fast 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen möchte mit 61 oder früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Auch über die Hälfte der Arbeiter möchte nur bis 61 arbeiten. Demnach spielt auch die berufliche Stellung eine Rolle beim Thema Rente. Denn bei den leitenden Angestellten äußern diesen Wunsch nur 40 Prozent.

Die Gründe für den Wunsch nach einer früheren Rente: Fast drei Viertel der Berufstätigen sehen sich geistig und körperlich nicht in der Lage bis 67 oder noch länger zu arbeiten. Die Mehrheit (52 Prozent) sieht schon das Alter 65 als absolute Höchstgrenze an. Bei den Arbeitern sind es sogar 90 Prozent.

Auf die Frage, was sich bei ihrer Arbeit ändern müsste, damit die Berufstätigen länger arbeiten wollen, waren "weniger körperliche Belastung und weniger Stress" (40 Prozent), "mehr Flexibilität bezüglich der Arbeitszeit" (34 Prozent) und "mehr Gehalt" (33 Prozent) die meistgenannten Antworten.

Gehalt spielt für die meisten Arbeitnehmer eine Rolle, doch reicht es für die Rente?

Dass das Gehalt bei der Arbeit eine immer größere Rolle spielt, bestätigt auch eine aktuelle Umfrage des Personaldienstleisters Randstad und des Meinungsforschungsinstituts MenteFactum unter mehr als 1.000 Beschäftigten. Dabei ging es um die Frage, welche Rolle Arbeit im Leben der Berufstätigen spielt. Demnach möchten viele Arbeitnehmer in Deutschland zwar einen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen und legen Wert auf interessante und abwechslungsreiche Arbeitsinhalte. Doch den meisten geht es tatsächlich ums Finanzielle: 80 Prozent der deutschen Arbeitnehmer arbeiten, um Geld zu verdienen.

Die Krux daran: Obwohl es vielen im Job ums Geld geht, verdienen sie aktuell wohl nicht genug. Über die Hälfte der Befragten der Umfrage des dnn geht davon aus, dass das Geld im Alter nicht ausreicht, wenn sie regulär in Rente gehen. Bei den Arbeitern ist dieser Anteil wesentlich höher (75 Prozent) als bei leitenden Angestellten (42 Prozent). Fast 62 Prozent der Frauen gehen davon aus, dass ihnen das Geld im Alter nicht reicht, gegenüber 42 Prozent bei Männern.

"Wir brauchen jetzt ernsthaft eine politische und gesellschaftliche Debatte darüber, wie und wovon Leute im Alter leben sollen. Das reicht von den heutigen und zukünftigen Arbeitsbedingungen bis zur Rentenfinanzierung und betrifft auch unser Bild vom Alter und der Arbeitskultur generell. Die sich gerade bildende Bundesregierung muss diese Themen zur obersten Priorität erklären", sagt Frank Böhringer vom Vorstand des ddn. ew

Welche Rolle spielt Arbeit im Leben?

Das sagen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland:

  • 80 Prozent arbeiten vor allem, um Geld zu verdienen.
  • 74 Prozent möchten einen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen.
  • 70 Prozent legen Wert auf interessante und abwechslungsreiche Arbeitsinhalte.
  • 56 Prozent sehen ihren Beruf als Teil ihrer Persönlichkeit.
  • 52 Prozent möchten sich für einen bestimmten Bereich als Expertin oder Experten qualifizieren.
  • 52 Prozent identifizieren sich mit ihrem Arbeitgeber.
  • 43 Prozent möchten durch ihre Tätigkeit gesellschaftlich anerkannt werden.
  • 36 Prozent streben eine Karriere als Führungskraft mit Verantwortung an.

Quelle: Randstad-MenteFactum-ArbeitnehmerInnenbefragung 2021