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Elektrohandwerk gegen Pauschalisierung Reparieren statt wegwerfen: Warum das oft nicht möglich ist

Viele technische Geräte werden weggeworfen, obwohl man sie noch reparieren könnte, beklagt das Umweltbundesamt (UBA). Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert sogar ein "Recht auf Reparatur". Im Wege steht den Bergen aus Elektroschrott unter anderem der technische Fortschritt. Das Elektrohandwerk fordert eine differenziertere Sicht auf das Thema Reparierbarkeit. Was sich ändern müsste.

Das Problem: Um mehr elektrische Kleingeräte reparieren zu können, müsste man besser an Ersatzteile herankommen, man bräuchte Reparaturanleitungen und es müsste sich auch finanziell lohnen. Doch dem stehen oft sowohl die Hersteller als auch der technische Fortschritt im Weg. "Wichtige Aspekte sind die zunehmende Miniaturisierung und Leichtbau, häufig werden Komponenten zudem miteinander verklebt", erklärt AlexanderNeuhäuser, Geschäftsführer Recht und Wirtschaft beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

So sei die mangelnde Reparierbarkeit vor allem ein Thema bei den kleinen Geräten, Haushaltsgeräten und den elektrischen Geräten, die sehr günstig sind und häufig aus Fernost kommen. Bei den qualitativ hochwertigen Maschinen und Elektrogeräten werde sehr wohl vieles ausgetauscht und die Geräte werden nach einer Reparatur weiter genutzt – in diesen Marktsegmenten sind Reparaturen auch weiterhin ein wichtiges Geschäftsfeld des Elektrohandwerks. Der Verband kritisiert jedoch, dass die Debatte häufig anhand der Reparatur von Elektrokleingeräten für den Haushalt geführt und die Kritik dann pauschal auf andere Geräte übertragen wird.

Reparaturen steuerlich besser absetzen

Das Umweltbundesamt (UBA) hatte im Rahmen der "Europäischen Woche der Abfallvermeidung" Mitte November unter dem Motto "Gib Dingen ein zweites Leben!" Verbraucher dazu aufgerufen, die Reparatur von elektrischen Geräten wieder ernster zu nehmen und sich dafür einzusetzen, Dinge selbst zu reparieren oder Experten – wie die des Elektrohandwerks – damit zu beauftragen.

Um auch eine Anleitung für die Praxis zu geben und um ein stärkeres Bewusstsein dafür zu wecken, dass eine nur kurze Produktnutzung eine erhebliche Belastung für die Umwelt ist, hat das UBA eine 7-Punkte-Strategie vorgestellt zu den Änderungen, die nötig sind, damit wieder mehr repariert wird. Zu der Strategie gehört unter anderem die Forderung nach einer Änderung im Steuergesetz – und diese betrifft Handwerker ganz direkt. So fordert das UBA, dass auch Reparaturen außerhalb des Haushalts steuerlich absetzbar sein sollten.

Reparaturen technischer Geräte sollten nicht nur dann steuerlich geltend gemacht werden können, wenn sie im Rahmen des sogenannten Handwerkerbonus vor Ort beim Kunden erledigt werden, sondern auch dann, wenn der Handwerker das Gerät zur Reparatur mitnehmen muss. In diesem Fall scheidet ein Steuerabzug laut UBA bislang aus.

Die 7-Punkte-Strategie des UBA für mehr Reparaturen

Die Autoren des UBA-Positionspapiers "Strategien gegen Obsoleszenz" haben für die 7-Punkte-Strategie einige besonders wichtige Maßnahmen herausgestellt. Diese betreffen …

  • … eine steuerliche Absetzbarkeit von Reparaturen auch außerhalb des Haushalts.
  • … eine längere Haltbarkeit und einfachere Reparierbarkeit durch Mindestanforderungen in der EU-Ökodesign-Richtlinie formuliert werden sollten,
  • …. dass Hersteller und/oder Händler auf den Produkten Angaben zu Reparierbarkeit und Reparaturservices sowie Verfügbarkeit von Ersatzteilen machen müssten,
  • verpflichtende Garantieangaben für Produkte,
  • … einen besseren Zugang zu Reparaturanleitungen, Ersatzteilen und Diagnosesoftware für unabhängige Reparaturbetriebe,
  • … einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Reparaturdienstleistungen,
  • und grundsätzlich eine Stärkung der Wertschätzung für die Produkte und Geräte.

Zu schnell weggeworfen werden die Geräte aus ganz unterschiedlichen Gründen und so setzen auch die weiteren Forderungen des UBA an unterschiedlichen Stellen an: am Wunsch der Verbraucher für ein neues Produkt, weil das "alte" aus der Mode gekommen ist, an der Hard- und Software, die nicht mehr aktuell oder miteinander kompatibel ist, an einer mangelnden Leistungsfähigkeit von Materialien und Komponenten und an einem hohen Preis für Reparaturen.

Kein Zugriff auf Ersatzteile

Auch der ZVEH ist grundsätzlich dafür, dass elektrische Geräte – wenn möglich – repariert werden sollten und sieht dafür die Hersteller in der Pflicht bessere Anleitungen und vor allem mehr und qualitativ hochwertige Ersatzteile für die Elektrokleingeräte frei zur Verfügung zu stellen. Denn E-Handwerker können Ersatzteile in vielen Fällen nur dann bekommen und bei ihren Kunden einbauen, wenn sie mit den Herstellern einen Support-Vertrag geschlossen haben – meistens sind sie dann auch als Verkäufer der Geräte tätig. "Ein Beispiel dafür sind teure italienische Kaffeemaschinen, die immer wieder einmal eine Wartung brauchen und bei denen man Ersatzteile prinzipiell tauschen kann. Doch nur derjenige kommt an die Ersatzteile dran, der auch mit den Herstellern direkt zusammenarbeitet", sagt Alexander Neuhäuser. Die Hersteller schaffen sich über selektive Vertriebs- und Kundendienstsysteme exklusive Partner. Das ist interessant für die Servicepartner, die sich in dem System befinden, schließt aber natürlich diejenigen aus, die nicht dazu gehören.

An Bedeutung gewinnt sehr stark Software, die bei immer mehr Geräten für ein einwandfreies Funktionieren benötigt wird. Ohne einen Zugang zur Software der Geräte, aber auch zu Diagnosewerkzeugen, können Störungen oft nicht behoben werden. So ist es immer häufiger auch die Software selbst, die den Fehler verursacht. Sie macht das Reparieren zudem komplexer. Deshalb ist es durchaus verständlich, dass die Hersteller dafür Techniker speziell schulen müssen, gibt der ZVEH-Geschäftsführer zu bedenken. Die Vorteile, die die Geräte durch die Digitalisierung bieten, will heute auch kaum mehr einer missen.

Doch ständig Neues zu produzieren kostet Energie, Rohstoffe und erzeugt Massen an Abfällen – unnötigen Abfällen, wenn man mehr der vermeintlich alten Geräte reparieren würde und könnte. Dafür setzt sich nun auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein und hat kürzlich Änderungsvorschläge an den Gesetzgeber formuliert. So fordert die DUH, dass Hersteller für alle ihre Produkte für mindestens sieben Jahre Originalersatzteile zu verhältnismäßigen Preisen anbieten müssten und dass Reparaturanleitungen kostenfrei zugänglich sei sollten.

"Recht auf Reparatur" für mehr Umweltschutz

Konkret formuliert die DUH ein "Recht auf Reparatur", das jeder Verbraucher haben sollte und sie setzt sich – ähnlich wie das UBA – für steuerliche Änderungen ein. Im Blick hat auch die DUH den Mehrwertsteuersatz, der nach Ansicht des Umweltverbands bei Reparaturen gesenkt werden sollte.

Für den ZVEH ist dies derzeit jedoch angesichts vieler weiterer steuerpolitischer Debatten nicht das dringlichste Handlungsfeld. Die Folge wären sehr schwierige Abgrenzungsdebatten. Bei großen Reparaturen würde sich die Mehrwertsteuererleichterung sicher auswirken und könnte Maßnahmen auch in die Wirtschaftlichkeit führen. Oft werden die Steuererleichterungen jedoch für die Reparatur von Elektrokleingeräten diskutiert. Hier sei fraglich, ob das wirklich etwas bringt, außerdem würden die Reparaturen von Kleingeräten im E-Handwerk nur einen sehr geringen Geschäftsanteil ausmachen. Zweifel hat Alexander Neuhäuser auch, was die viel kritisierte geplante Obsoleszenz betrifft – also, dass Geräte angeblich genau dann kaputt gehen, wenn die Gewährleistungsfrist der Hersteller abgelaufen sei und dass diese genau das technisch eingeplant haben. "Mir ist kein Fall bekannt, bei dem das belegt werden konnte", sagt er und verweist nochmals auf die technischen Änderungen bei den Elektrogeräten und auch darauf, dass die Anforderungen des Marktes, zum Beispiel an den Preis, eine große Rolle spielen.

"Die Lebensdauer der Geräte hängt sicherlich von den eingebauten Komponenten ab, aber wenn eine Waschmaschine nur 350 Euro kostet, ist klar, dass die Hersteller hier andere Teile einbauen als bei den teuren Varianten", erklärt der Fachmann. Dass viele Verbraucher nicht mehr bereit sind, die Geräte der Qualitätshersteller zu kaufen und für Geräte wie die Beispielwaschmaschine für 350 Euro auch keine Reparatur für 150 oder 200 Euro bezahlen wollen, zeige sich auch bei den Wegwerfquoten. So fallen jährlich in Deutschland insgesamt laut DUH 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott an.

Repair-Cafés: Wer haftet im Schadensfall?

Die DUH weist in diesen Zusammenhang auf die sogenannten Repair-Cafés hin, die derzeit in immer mehr Städten organisiert werden. Das sind Veranstaltungen, bei denen sich Menschen gezielt treffen, um sich gegenseitig beim Reparieren von Dingen zu helfen – so kann der eine gut nähen, der andere kennt sich mit TV-Geräten aus oder kann Computer wieder zum Laufen bringen. Nach Angaben der DUH haben Repair-Cafés im Jahr 2015 weltweit etwa 200.000 Gegenstände repariert und konnten damit schätzungsweise 200.000 Kilogramm CO2 vermeiden.

An Repair-Cafés sind auch hin und wieder Handwerker beteiligt, die hier kostenlos ihre Fachkenntnisse zur Verfügung stellen. "Das kann man nutzen, wenn man sich lokal besser vernetzen und ehrenamtlich einbringen will", sagt Neuhäuser. Dennoch weist er auf die ungeklärte rechtliche Lage hin: "Es ist nicht klar, wer haftet, wenn es durch ein dort repariertes Gerät dann zu einem Schaden kommt." Ist ein Fachhandwerker beteiligt, ist er auch wenn er ehrenamtlich mithilft, in der Haftung. Neuhäuser kennt aber auch hier keinen Fall, in dem es bei einem Repair-Café zu Problemen kam. 

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