Energiewende Mehr Klarheit ist gefragt

Die Bundesregierung plant zwar einzelne Förderungen im Bereich erneuerbarer Energien. Doch die Branchenverbände fordern neben weitergehenden Maßnahmen deutlich mehr Aufklärung für die Bürger.

Frank Muck

Für die Verbraucher wird vielfach nicht klar an welchem Punkt der Energiewende wir stehen und welche Maßnahmen für sie am interessantesten sind. - © Foto: VRD/Fotolia.com

Unsinn, zu teuer, kontraproduktiv – die Urteile waren eindeutig. Kaum jemand fand gute Worte für das neue Programm der Bundesregierung zur Förderung der dezentralen Speicherung von Solarstrom. Der Zentralverband der Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) lobt dagegen das Projekt als Anschub für Speichertechnik. Doch ist hinter solchen Einzelmaßnahmen ein Konzept für die Energiewende erkennbar? Die Deutsche Handwerks Zeitung hat die Branchenverbände gefragt, worauf es jetzt wirklich ankommt.

Das Programm soll am 1. März starten und wird vom Bund mit 50 Millionen Euro bezuschusst. Die KfW-Förderbank gibt zinsverbilligte Kredite für die Anschaffung der Speicher. Neben der Solarwirtschaft, die Entlastung für die Stromnetze und damit höhere Versorgungssicherheit erwartet, sprechen sich auch die E-Handwerke ausdrücklich für eine Förderung von Energiespeichern aus. Der ZVEH fordert schon länger einen "Speicherbonus". Speichertechnik sei ein grundlegender Bestandteil bei der Umsetzung der Energiewende.

"Wir brauchen einen ­Energiewendekoordinator."

Das sagt auch Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie Agentur (Dena). Allerdings hält er die Förderung in diesem speziellen Fall für falsch. Die Photovoltaik-Betreiber profitierten eh schon durch geringere Stromkosten. Statt Einzelinteressen zu bedienen, müsste das Gesamtsystem optimiert werden. Dazu gehöre es, die durch Einzelmaßnahmen entstehenden Widersprüche auszuräumen. Kohler fordert deshalb: "Wir brauchen einen Energiewendekoordinator."

Im Verhältnis zum Strommarkt etwa komme der Wärmemarkt deutlich zu kurz. Die Energieeffizienz als eine wichtige Säule der Energiewende müsse deutlich gestärkt werden. Schließlich würden 40 Prozent unseres Energiebedarfs über Heizung und Warmwasser verbraucht. An Fördermitteln der KfW zur Sanierung und zum Austausch der Heiz- und Energietechnik stehen jedoch nur 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Das EEG hat im vergangenen Jahr 21 Milliarden Euro gekostet.

"Die Verbraucher wissen nicht, womit sie rechnen können."

Kohlers Forderung ist Wasser auf die Mühlen des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Dem Verband dreht sich die Debatte schon lange zu sehr um Strom. Was dem ZVSHK neben dem Wärmemarkt deutlich zu kurz kommt, ist die Verbraucheraufklärung. Der Sanierungsstau bei der Altbau­sanierung komme nicht primär dadurch zustande, dass zum Beispiel die steuerliche Förderung nicht durchgesetzt werden kann, sondern dadurch, dass Verbraucher nicht wissen, womit sie rechnen können und was sie erwartet. "Es ist jetzt erst recht an der Zeit für eine von Politik und Wirtschaft gemeinsam realisierte Werbekampagne für den Wärmemarkt", sagt ZVSHK-Präsident Manfred Stather.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kommt zu dem Ergebnis, dass die Energiewende zu einem erheblichen Teil bisher nur auf dem Papier vollzogen wurde. Das Institut misst seit dem Jahr 2000 acht verschiedene Indikatoren, anhand derer sich Fortschritte und das Erreichen der Ziele bis zum Jahr 2020 messen lassen. Deutschland erreicht dabei nur 58 von 100 Punkten.

Stromverbrauch stieg um fünf Prozent seit dem Jahr 2000

Gerade beim Stromverbrauch "steht das 'Energiewende-Radar‘ nur auf null", so das IW. Der Verbrauch sank zwischen 2000 und 2011 nicht – wie angestrebt – um 2,5 Prozent, sondern stieg um fünf Prozent an. Ein Verzicht lasse sich nicht erzwingen, allerdings könnten die Möglichkeiten zum Stromsparen erweitert und den Verbrauchern besser vermittelt werden, schreibt das IW.

Gut stehe Deutschland beim Ausbau erneuerbarer Energien (87 von 100 Punkten) und bei der Versorgungssicherheit (92) da. Auch die Energieeffizienz belegt mit 85 Punkten einen guten Platz. Dennoch müsse deutlich aufgeholt werden, um überhaupt auf Energiewende-Kurs zu kommen.

Hausbesitzer brauchen eindeutige Entscheidungsgrundlagen

Einen Kurswechsel in Richtung mehr Aufklärung verlangt der Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Eine Verste­tigung der Förderung, gerade im Bereich der Sanierung, müsste auf die Energieberatung selbst erweitert werden, damit Hausbesitzer die richtigen Maßnahmen veranlassen könnten. Zusätzlich müssten die Fördermittel auf fünf Milliarden Euro angehoben werden, um die Modernisierungsquote zu verdoppeln.

Unabhängig von Sanierungsquoten oder Einsatz neuer Technik: Was auch Dena-Chef Kohler fehlt, ist die Markttransparenz. Die Hausbesitzer brauchen eindeutige Grundlagen, um Sanierungsentscheidungen treffen zu können, etwa einen bedarfsorientierten Energieausweis für Gebäude. Kohler: "Markttransparanz ist Voraussetzung fürs Handeln."