Tarifverhandlungen Mehr Geld im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk

Im deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk steigt ab August der Mindestlohn. Außerdem bekommen Auszubildende künftig höhere Vergütungen. Auf was sich die Tarifvertragsparteien geeinigt haben.

Tarifverhandlungen Steinmetze
Zum 01. August steigen im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk die Mindestlöhne und die Ausbildungsvergütungen. - © Smileus – stock.adobe.com

Ein höherer Mindestlohn und mehr Geld für Auszubildende. Das sind die Ergebnisse der Tarifverhandlungen im deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk. Die Tarifvertragsparteien, der Bundesverband Deutscher Steinmetze (BIV) und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), einigten sich auf neue Regelungen zum 01. August 2021.

Mindestlohn

Wie der BIV und die IG BAU bekanntgaben, steigt der Mindestlohn zum 01. August um 0,65 Euro auf 12,85 Euro. Im August 2022 soll der Mindestlohn dann auf 13,35 Euro steigen. Der Branchenmindestlohn habe eine wichtige Aufgabe im Wettbewerb in der Branche, so Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der IG BAU. "Gerade in grenznahen Gebieten stehen Steinmetzbetriebe mit Anbietern aus Osteuropa im direkten Wettbewerb." Mit den neuen Mindestlohnregelungen sei es gelungen, einen guten Schritt für einen faireren Wettbewerb zu leisten.

Ausbildungsvergütung

Mit einer deutlichen Steigerung der Ausbildungsvergütung wollen BIV und IG BAU eine Ausbildung im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk attraktiver gestalten. Ab dem 01. August steigen die Ausbildungsvergütungen auf:

  • 1. Lehrjahr: 850 Euro (bisher 530 Euro)
  • 2. Lehrjahr: 950 Euro (bisher 620 Euro)
  • 3. Lehrjahr: 1.100 Euro (bisher 720 Euro)
Carsten Burckhardt IG BAU
Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der IG BAU - © IG BAU (Alexander Paul Englert)

In einer Mitteilung des BIV heißt es: "Auch wenn viele andere Werte das Steinmetzhandwerk ausmachen, ist doch eine adäquate Vergütung der Leistungen schon in der Ausbildung ein wichtiges Signal für die Zukunftsfähigkeit dieses traditionellen, aber gleichermaßen modern aufgestellten Berufs." Burckhardt sagt: "Die vereinbarten Ausbildungsvergütungen werden der anspruchsvollen Ausbildung im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk gerecht und schließen eine Lücke zu Branchen, die auf die gleiche Zielgruppe abzielen." Gerade im Handwerk sei der Kampf unter den Branchen um den Fachkräftenachwuchs entbrannt. Nur wer attraktive Arbeitsbedingungen bietet, könne da mithalten, so Burckhardt.

Laut BIV wird der Tarifvertrag eine Öffnungsklausel enthalten. Danach könne der Arbeitgeber aus wirtschaftlichen oder betrieblichen Gründen mit Zustimmung der Tarifvertragsparteien eine Ausnahmeregelung zur Höhe der Ausbildungsvergütung treffen. So sollen auch Betriebe ausbilden können, die aufgrund ihrer individuellen Situation nicht zeitnah auf die Vergütungssteigerungen reagieren können. Der Tarifvertrag gilt bis zum 30.09.2023.

Nachwuchssituation in der Branche

Laut IG BAU seien die Belegschaften ausgedünnt und überaltert. Die demografische Entwicklung zeigt sich nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Handwerk. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Auszubildenden um 30 Prozent zurückgegangen (1.034 im Jahr 2010 auf 712 im Jahr 2019). Dieser Abwärtstrend konnte nach Angaben der Gewerkschaft im Jahr 2020 erstmals gestoppt werden. Im vergangenen Jahr haben 736 Menschen ihre Ausbildung begonnen – 24 mehr als im Jahr 2019. Das sei positiv, sagt Burckhardt, dennoch "sehen wir auf Arbeitgeberseite keine wirklich durchdachten und selbstbewussten Strategien, die Entwicklung in den kommenden Jahren fortzusetzen oder gar auszubauen."