Panorama -

24 Auszeichnungen für das Deutsche Nationalteam Medin Murati und Timo Schön holen Silber bei den WorldSkills 2017

"Der dritte Platz muss auf jeden Fall drin sein", hatte Betonbauer Medin Murati vor den WorldSkills 2017 im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung gesagt. Am Ende schafften er und sein Teamkollege Timo Schön sogar Silber. Neben ihnen sicherten sich noch drei weitere Deutsche einen Platz auf dem Treppchen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets WorldSkills - Weltmeisterschaft der Berufe

Er hatte es vorausgesagt: Vor seinem Abflug nach Abu Dhabi fragten wir den 20-jährigen Betonbauer Medin Murati nach seinen größten Kontrahenten bei der WM der Berufe. Als Nationen, die ihm das Leben schwer machen könnten, nannte er der Deutschen Handwerks Zeitung Österreich und Brasilien. Mit seiner Einschätzung sollte er Recht behalten. Bei der gestrigen Siegerehrung standen genau diese beiden Länder mit ihm und seinem 21-jährigen Teamkollegen Timo Schön auf dem Podest. "Von den Brasilianern wissen wir, dass sie sehr viel trainieren – und die Österreicher sind generell sehr stark", verriet Murati im Vorfeld. Die Österreicher schnappten sich Gold, Brasilien gewann Bronze.

WorldSkills 2017: 21 junge Handwerker kämpften in Abu Dhabi um Gold

Es waren spannende Tage in Abu Dhabi. Vom 14. bis zum 19. Oktober gastierten in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die weltweit größten Talente verschiedener Berufsgruppen. Die Teilnehmer aus 59 Ländern und Regionen traten in insgesamt 51 Disziplinen gegeneinander an. Die deutsche Nationalmannschaft war mit 42 Frauen und Männern vertreten – darunter 21 Talente aus dem Handwerk.

"Der Wettbewerb ist wie Olympia für uns", schwärmte Lukas Kirschmer vor dem Turnier. Der 20-Jährige trat als Stuckateur bei den diesjährigen WorldSkills an. Entsprechend dem olympischen Gedanken hatte er auch seine Zielsetzung vor dem Wettkampf formuliert: "Die Platzierung ist letztendlich egal, solange ich mein Bestes gegeben hab." Für eine Medaille hat es in Abu Dhabi nicht gereicht.  

Diese Teilnehmer holten Edelmetall für Deutschland

Besser lief es für den 19-jährigen Patrick Gundert. Gemeinsam mit den beiden Betonbauern Medin Murati und Timo Schön fuhr der 19-Jährige die beste Platzierung im Wettbewerb für das deutsche Nationalteam ein. Er sicherte sich Silber im Demonstrationswettbewerb "Water Technology". Ebenfalls auf dem Treppchen landete der 22-jährige Fahrzeuglackierer Jonas Heinze. Er darf sich mit einer Bronze-Medaille um den Hals auf den Rückweg nach Deutschland machen. Doch nicht nur das: Als Punktbester im deutschen Team wurde er zusätzlich mit dem Titel "Best of Nation" geehrt. Auch für den Jüngsten im deutschen Team waren die WorldSkills 2017 ein voller Erfolg. Der 17-jährige Jonas Wanke trat im Skill "IT Software Solutions for Business" an und landete auf dem dritten Platz.

WM der Berufe ist ein hartes Pflaster

Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany, zieht eine positive Bilanz: "In nahezu allen Skills platzierten sich die Teilnehmer in beachtlichen Positionen und zeigten hervorragende Leistungen." Dass eine Platzierung unter den Top Drei in manchen Disziplinen zum Greifen nah gewesen sein muss, beweist die hohe Anzahl an Exzellenzmedaillen. Insgesamt 19 Teilnehmer wurden bei der gestrigen Siegerehrung mit einer solchen Auszeichnung für ihre besonderen Leistungen geehrt.

Darunter auch der amtierende Zimmerer-Europameister Kevin Hofacker. In einem engen Teilnehmerfeld landete er auf dem siebten Platz. Er musste an vier Wettkampftagen einen Pavillon mit Fußboden, Sitzbank und Drehtisch aufbauen. "Ein heftiges Programm", wie er sich vor den WorldSkills 2017 eingestehen musste. Bereits bei der Europameisterschaft im Vorjahr gaben lediglich zweieinhalb Punkte den Ausschlag für Gold. Er weiß: "Wenn man einen Schnitt am ganzen Modell zweimal machen muss, sind das schon zweieinhalb Punkte".

Medin Murati - der WorldSkills 2017 Teilnehmer im Kurzinterview

Deutsches Ausbildungssystem kann bei WorldSkills 2017 nicht glänzen

Dass schlussendlich nur die beiden Betonbauer Edelmetall für die deutsche Baubranche holten, fasst Klaus-Dieter Fromm, Delegationsleiter des Deutschen Baugewerbes in Abu Dhabi, keinesfalls negativ auf. Er lobte nach der Siegerehrung Kampf und Einsatz der jungen Facharbeiter: "Sie sind ein hervorragendes Aushängeschild für unsere Branche und zeigen, wie weit man es mit einer guten Ausbildung, einer starken Leistung und entsprechendem Engagement bringen kann".

Dennoch muss sich das deutsche Nationalteam die Frage stellen, warum das angeblich beste Ausbildungssystem der Welt bei den WorldSkills nicht mehr geholt hat. Im Vergleich zu unseren Nachbarn aus Österreich (12 Medaillen) und der Schweiz (22 Medaillen) hinkt das deutsche Team deutlich hinterher - zudem kein einziges Mal Gold. Beim letzten Wettbewerb vor zwei Jahren in São Paulo sah das noch anders aus. Hier standen Zimmerer Simon Rehm und Sanitärinstallateur Nathanael Liebergeld ganz oben auf dem Treppchen. Insgesamt gewann das deutsche Team fünf Medaillen. Noch besser war die Bilanz nach der "Heim-WM", den WorldSkills 2013 in Leipzig. Die deutsche Nationalmannschaft feierte damals elf Medaillen - davon zwei goldene. Beim diesjährigen Wettbewerb legte vor allem die asiatische Konkurrenz einen starken Auftritt hin. Allein die chinesische Nationalmannschaft gewann in 15 Disziplinen Gold und führt damit die Nationenwertung an.

Dennoch zieht Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany, ein positives Fazit. Viele Teilnehmer hätten die Medaillenränge nur sehr knapp verpasst. In einigen Wettbewerbsbereichen hätten sich die deutschen Teilnehmer auch gesteigert und bessere Platzierungen als früher erreicht. Er gesteht aber auch ein: "Die Welt ist deutlich besser geworden." Länder wie China, Brasilien, Russland und die Schweiz hätten gezeigt, wo es in Zukunft hingeht. "Da müssen wir jetzt nachlegen", nimmt sich Hubert Romer selbst in die Pflicht. "Wir dürfen auch mal von anderen Bildungssystemen etwas lernen."

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